Irgendwann im Jahr 2006 erblickte dieser männliche
Katharinasittich, der später den Namen Tico erhalten sollte, das
Licht der Welt. Wo sich sein Nest befand und wie er die ersten Monate
seines Lebens verbracht hat, wird für immer sein Geheimnis
bleiben. Im Spätsommer 2007 flog er einer Vogelfreundin zu, die
bis dahin keine Katharinasittiche gehalten hatte. Dass sein Gefieder
völlig ramponiert war, sah sie jedoch sofort, schließlich
kannte sie sich mit Krummschnäbeln gut aus. Welche Abenteuer der
kleine Fundvogel in der freien Natur durchgestanden hat, gehört
ebenfalls zu den Dingen, die er uns nie verraten können wird.
Vielleicht ist er in einen Kampf mit einem aufdringlichen Wildvogel
verwickelt worden oder er hat sich in einem Gebüsch verfangen und
dadurch das Gefieder beschädigt. Wichtig war jedoch, dass er
unverletzt und munter war.
In
den folgenden Wochen versuchte die Vogelfreundin den früheren
Besitzer des Sittichs ausfindig zu machen - leider erfolglos. Niemand
schien den munteren grünen Kerl zu vermissen. Obwohl sich die
Vogelfreundin aufmerksam um ihn kümmerte, war der Kathi-Mann
allein und sie entschied nach einer Weile, dass er in ein Zuhause
vermittelt werden sollte, in dem er gemeinsam mit mindestens einem
Artgenossen ein glückliches Leben führen kann. Weil sie keine
Katharinasittichhalter kannte, recherchierte sie im Internet und fand
bald die Website Katharinasittiche.de .
Sie schrieb deren Betreiber Siggi und Hendrik an und bat um Hilfe bei
der Vermittlung des Vogels. Es dauerte nicht lange, bis eine
Lösung gefunden war: Siggi wollte sich darum kümmern, ein
Zuhause für den namenlosen Vogel zu finden und per Spedition wurde
er kurz darauf zu ihr nach Nordrhein-Westfalen gebracht.
Im August 2007 hatte sich mein Katharinasittichschwarm von vier auf drei Vögel verkleinert. Merlin, der Partner der zauberhaften Bianca,
war so schwer erkrankt, dass eine Rettung nicht möglich war.
Deshalb war ich seit seinem Tod auf der Suche nach einem neuen Partner
für meine gefiederte Witwe, die zwar dank der liebevollen
Zuwendung ihrer Freunde Costa und Rica
nicht allein war. Trotzdem sollte sie einen neuen Partner bekommen, was
gar nicht so einfach war, denn ich suchte nach einem älteren
Katharinasittich. Weil meine Suche schon so lange erfolglos geblieben
war, meldete sich Siggi bei mir und erzählte mir von dem
grünen Fundvogel. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht
einmal ein Foto von ihm gesehen, aber ich sagte zu, ihn zu adoptieren.
Am Abend des 3. November 2007 war es so weit: Siggi und ihr Mann
Hendrik brachten Tico zu mir, wofür ich ihnen sehr dankbar bin.
Am
nächsten Tag durfte Tico in mein Vogelzimmer einziehen, denn mit
Hilfe meines Mikroskops habe ich zur Sicherheit einige Abstriche und
Kotproben untersucht, sie waren in Ordnung. Kaum sah er seine
Artgenossen, strahlte er förmlich vor Glück. Es war, als
könne er es gar nicht fassen, endlich (wieder?) andere
Katharinasittiche um sich zu haben. Als erstes wackelte er in der
für diese Vögel typischen Art die schöne Rica an, auch
Costa beschnupperte er. Bianca hielt sich zwar dezent im Hintergrund,
aber sie ließ den grünen Hahn nicht eine Sekunde aus den
Augen. Am darauffolgenden Tag bot sich ein ganz anderes Bild. Bianca
macht keine halben Sachen, deshalb ging sie auf Tico zu und begann
sofort damit, ihn zu kraulen. Ich hätte schwören können,
ein seliges Lächeln auf seinem Gesicht zu sehen. ;-)
Weil Tico ein freundlicher Kerl ist, versteht er sich mit
allen anderen Katharinasittichen sehr gut. Hin und wieder gibt es
jedoch ein kurzes Kräftemessen mit dem etwa gleichaltrigen
Männchen Enrique. Dann
wird kurz gekreischt und mit den Schnäbeln ein kleiner Fechtkampf
ausgefochten - und danach ist dann bis auf weiteres wieder alles im
Lot. Mit Bianca hat Tico nach wie vor sehr oft gekuschelt, bis sie leider im
Februar 2011 gestorben ist. Glücklicherweise gibt es noch weitere enge
Freunde im Kathi-Kleinschwarm, so dass Tico seitdem nicht allein ist,
obwohl seine beste Freundin unter den Artgenossen plötzlich nicht mehr da
gewesen ist.
Seinen Namen erhielt der virtuose Sänger und grüne
Heißsporn deshalb, weil bei mir schon zwei Vögel wohnen,
deren Namen mit einem mittelamerikanischen Land zusammenhängen:
Costa und Rica. Die Einwohner Costa Ricas
nennen sich selbst Ticos (oder Ticas, wenn sie weiblich sind). Was lag
also näher als den quirligen Kerl Tico zu nennen? Er ist
freundlich und unkompliziert, liebt Apfel (genau wie Bianca), ist ein
wendiger Flieger und verträgt sich bestens mit den Wellensittichen, die ebenfalls in meinem Vogelzimmer zuhause sind.
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