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Rohanna - das gefiederte Glückskind
War es Zufall? Oder war es eine glückliche Fügung des Schicksals, bei der so etwas wie
ein Wellensittich-Schutzengel seine Finger im Spiel hatte? Ich werde es nie erfahren, aber
das ist auch nicht weiter schlimm. Für mich zählt nur, dass ich Rohanna gefunden
habe, als sie in allergrößter Not war. Eigentlich gehe ich so gut wie nie in
Zooläden, am 18. Mai 2006 musste ich aber unbedingt möglichst schnell eine
Weidenbrücke für Nager kaufen, um daraus eine Schlafhöhle für die beiden
Katharinasittiche Costa und
Rica zu basteln. Die beiden Vögel
sollten kurze Zeit später hier einziehen, sie stammten aus sehr schlechten
Haltungsbedingungen. Deshalb ging ich in meiner Heimatstadt also in einen Zooladen.
Die Weidenbrücke hatte ich schon
in der Hand und ich war auf dem Weg zur Kasse, da streifte mein Blick ein winziges, graues
Häufchen Elend in einem der Verkaufskäfige.
Ich trat an den Käfig heran und sah einen sehr jungen Wellensittich, der völlig
entkräftet und bis auf die Knochen abgemagert war. Mich erinnerte das alles sehr an
den leider verstorbenen Serenio,
der als Küken zu früh von seinen Eltern getrennt worden war und deshalb im
Zooladen hatte hungern müssen. Diese Hungerperiode hatte ihn kurze Zeit später
das Leben gekostet. Abgesehen davon, dass das junge Weibchen in dem Zooladen vor lauter Hunger
sehr schwach war, waren seine Federn rund um die Kloake stark verschmutzt, weil der Vogel
Durchfall hatte, wie es auf den ersten Blick schien. Später sollte sich jedoch
herausstellen, dass es sich nur um eine große Menge von Urin handelte, denn der
Sittich hatte in seiner verzweifelten Lage gegen den nagenden Hunger ganz einfach sehr viel getrunken.
Sofort sprach ich das Verkaufspersonal an und in einem Gespräch äußerte
ich eindringlich die Bitte, dass dem Vogel geholfen werden möge, weil er dringend einen
Tierarzt bräuchte - und wohl auch spezielle Nahrung, um nicht zu verhungern. Zum Glück
habe ich wohl einen kompetenten Eindruck hinterlassen, denn der halb verhungerte und scheinbar
obendrein auch noch schwer kranke Vogel wurde
mir zur weiteren Pflege überlassen. Eine der Verkäuferinnen bat mich darum, sie
in einigen Tagen anzurufen und vom weiteren Schicksal des Vogels zu erzählen. Sie machte
sich wirklich Sorgen um das Jungtier.
Rohanna, so nannte ich die in der ersten Aprilhälfte 2006 geborene
Vogeldame, wurde vom Tierarzt gründlich untersucht.
Abgesehen von ihrem sehr schlechten Ernährungszustand war sie sehr zu meiner Freude
kerngesund. Weil sie nicht allein fressen konnte - dafür war sie noch zu jung und
ungeübt -, musste ich sie mit
Handaufzuchtbrei füttern. Leider war Rohanna anfangs zu schwach zum Schlucken, deshalb
habe ich sie mit der Kropfsonde zwangsernährt. Diese Prozedur war für sie sicher
äußerst unangenehm, aber es war die einzige Möglichkeit, ihr Überleben
zu sichern. Dank des gehaltvollen Breifutters wurde sie schnell kräftiger. Einige Tage später
hatte sie ihr Gewicht von anfangs 26 Gramm auf 35 Gramm gesteigert und war sehr lebhaft.
Weil sie gesund war und keine ansteckende Krankheit in sich trug, durfte sie ins Vogelzimmer
einziehen, wo sie sofort damit begann, die neue Welt zu erkunden.
Seit sie dort lebt, ist für Rohanna alles in bester Ordnung. Sie hat sich sofort wohl
gefühlt unter den anderen Wellensittichen, denn sie war aus ihrer Kindheit Gesellschaft
gewohnt. Einige Wochen nach ihrem Einzug ins Vogelzimmer wurde sie langsam erwachsen
und immer munterer. Einen so aufgedrehten, aktiven Vogel wie sie habe ich selten erlebt.
Es hat nicht lange gedauert, bis sie sich für die Männchen zu interessieren begann.
Innerhalb kürzester Zeit hatte sie Pollux' Herz erobert und führte
vom Herbst 2006 an eine turbulente 'Ehe' mit ihm, bis er leider im
Spätsommer 2011 aus dem Leben schied. Mir gegenüber verhält sich
Rohanna bedauerlicherweise ausgesprochen scheu. Vermutlich liegt es daran, dass ich sie damals mit der Zwangsernährung nicht gerade
erfreut habe. Ihr Farbschlag bereitet mir noch ein wenig Kopfzerbrechen. Ich
glaube, sie ist ein
Grauflügel
mit Hellgrau als
Grundfarbe.
Linktipp:
Erlebnisbericht über Rohanna
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