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Tara - die resolute Vogeldame
Anfang Mai 2005 kämpfte sich im Rheinland ein junger Vogel aus seinem Ei, dessen
weiteres Schicksal vermutlich bereits beim Schlupf feststand. Anders als seinen Geschwistern
wuchs dem jungen Wellensittich im Nistkasten kein intaktes Gefieder. Nahezu am gesamten
Körper blieb das Vögelchen nackt. Der Züchter sortierte das junge Weibchen aus,
für einen normalen Verkauf beispielsweise über den Zoofachhandel war das Jungtier
nicht zu gebrauchen. Wer will schon einen nackten, flugunfähigen und damit sehr
wahrscheinlich zeitlebens gehandicapten Vogel kaufen? Solche Vögel sind Ladenhüter,
weshalb leider einige Züchter - es sind die berüchtigten schwarzen Schafe - eine
besonders drastische "Problemlösung" anwenden, die gesetzlich verboten ist:
Sie "beseitigen" solche Vögel, indem sie ihnen beispielsweise selbst das Genick brechen.
Andere Vögel werden an Schlangenhalter verkauft, die sie verfüttern.
Dem kleinen nackten Vögelchen aus dem Rheinland blieb ein solches schreckliches Ende Glück
erspart. Anstatt das Tier an Schlangenhalter zu verkaufen oder es gar eigenhändig zu töten, kontaktierte der Züchter
eine Vogelfreundin, die ihm zuvor angeboten hatte, ihm solche Problemvögel abzunehmen,
um sie in gute Hände zu vermitteln. So ergab es sich, dass das junge Sittichweibchen in
die Obhut meiner damaligen
Vereinskollegin
Birgit K. gelangte. Von dort aus wurde der flugunfähige, leider sehr scheue junge Vogel
in ein liebevolles Zuhause vermittelt. Bald stellte sich jedoch heraus, dass der Sittich dort
aus unterschiedlichen Gründen nicht bleiben konnte. Zum Beispiel war die Umgebung nicht
sicher genug für das gehandicapte Tier, es drohten Verletzungen. Hühnchen, so
wurde der kleine Vogel aufgrund seiner Nacktheit ursprünglich genannt, wurde von meiner damaligen Vereinskollegin abgeholt und einige Tage später zu mir gebracht. Am 10. August 2005 zog der kleine Sittich
in mein Vogelzimmer ein und erhielt seinen neuen Namen: Tara.
Natürlich hätte ich Tara nicht gleich ins Vogelzimmer gelassen, wenn ich nicht absolut
sicher gewesen wäre, dass die junge Dame gesund war. Es waren im Vorfeld mehrere Tests
durchgeführt worden, die zeigten, dass das Vögelchen weder an der
Französischen
Mauser noch an PBFD,
einer tödlich verlaufenden Viruserkrankung, leidet. Weshalb Tara kaum Federn hat, war
anfangs unklar. Später stellte sich bei weiteren Tests heraus, dass ein hormonelles
Ungleichgewicht hinter der Federwachstumsstörung steckte. Mit homöopathischen
Mitteln versuchte ich deshalb, das Federwachstum anzukurbeln. Die Therapie war genau auf
Tara abgestimmt und lässt sich nicht eins zu eins auf andere Vögel übertragen.
In der Homöopathie werden nicht Krankheiten oder Symptome behandelt, sondern der
ganzheitlich betrachtete Zustand des Individuums nach Möglichkeit verbessert. Dass die
Therapie perfekt auf Tara zugeschnitten war, hat sich bald gezeigt, denn der einstmals
nackten Vogeldame wuchsen viele Federn. Hier können Sie
Taras Wandlung miterleben.
Als Tara damals im Vogelzimmer eintraf, konnte man ihr regelrecht ansehen, wie ihr das Herz
vor lauter Freude übergingen. Sie hatte bis zu diesem Tag noch nie in ihrem Leben so
viel Platz zur Verfügung. Auch die zahlreichen, aus Naturhölzern gebauten Klettermöglichkeiten schienen sie zu erfreuen. Sogleich
erkundete die neugierige Junghenne das Vogelzimmer und die anderen Sittiche, mit denen sie
zum Teil gleich aneinander geriet. Vor allem die ebenfalls fast nackte
Medea, die damals noch unter den Lebenden weilte, konnte dem weiblichen Neuzugang im
Vogelzimmer zunächst einmal gar nichts abgewinnen und meckerte Tara kräftig an.
Aber alles in allem verlief der Einzug der Neuen sehr friedlich und problemlos.
Seitdem mischt Tara in der bunten Gesellschaft kräftig mit. Sie ist ausgesprochen
selbstbewusst und hat sich einst eng mit der sehr viel größeren
Folara, einem Ausstellungsvogel, angefreundet.
Gern kraulte sie ihrer Freundin den üppig befiederten Kopf und kuschelte sich in
ihr flauschiges Federkleid, als Folara noch lebte. Seit Folaras Tod flirtet sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit
mit Nik, der Anfang 2007 ihr fester Partner wurde und es blieb, bis er im November 2009 starb.
Taras Farbschlag nennt sich Hellblaues
Europäisches Gelbgesicht Mutation II in
Opalin.
Durch einen Gelbhauch auf den hellblauen Federn sieht das Gefieder bei diesen Tieren
türkis aus.
Bedeutung des Namens
Ich wollte meiner Tradition, meine Sittiche nach astronomischen Objekten zu benennen, auch dieses
Mal wieder treu bleiben. Aber es sollte ein wirklich schön klingender Name sein -
zumindest nach meinem Geschmack. Also habe ich mich für den Namen Tara entschieden.
Im Sanskrit, einer alten Sprache, die auf dem indischen Subkontinent gesprochen wurde und wird,
bedeutet Tara "Stern".
Außerdem ist Tara in der hinduistischen Mythologie eine bedeutende Figur, denn dies
ist einer der Namen der Frau von Shiva. Auch im tibetischen Buddhismus spielt Tara eine
große Rolle, sie ist die Muttergottheit.
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