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Speedy, adoptiert am 10. Oktober '06, † 14. Juni '10
Wie viel Charme passt in einen 45 Gramm schweren Vogel? Sehr viel, das
bewies Speedy Tag für Tag aufs Neue. Der hellblaue Vogelmann war Menschen gegenüber sehr anhänglich und er
ließ sich gern auf der Hand oder Schulter herumtragen, denn er konnte
lange Zeit seines Lebens nicht besonders gut fliegen. Eine leider nicht zu ergründende Ursache hatte dazu geführt, dass ihm die Federn am linken Flügel ständig
abbrachen. Eigentlich war er kerngesund, dennoch passierte es und der einstmals geschickte Flieger wurde dadurch zu einem erfinderischen Kletterer, der ständig versuchte, die höchsten Punkte der Umgebung zu erreichen.
Genau das wurde für ihn zu einem lebensgefährlichen Hobby, denn in seinem früheren Zuhause, dem Wohnzimmer meiner Cousine und ihres Mannes, stürzte er mehrfach aus großer Höhe ab.
Er wollte bei seinen Schwarmgefährten und seiner Frau
Phoebe auf den hohen Kletterbäumen sitzen, was dem munteren Hahn sicher irgendwann zum Verhängnis geworden wäre, denn bei jedem Absturz fiel er wie ein Stein zu Boden.
Damit er nicht eines Tages tödlich verunglücken würde, entschieden meine Cousine und ihr Mann, ihn zunächst vorübergehend in meine Obhut zu geben, weil wir alle glaubten, der Flügel würde wieder in Ordnung kommen. Gemeinsam mit seiner Frau Phoebe zog er in mein behindertengerechtes Vogelzimmer ein. Bedauerlicherweise verschwand das Flügelproblem jedoch nicht, so dass seine Besitzer entschieden, ihn nicht wieder zurück zu holen. Das ist echte Tierliebe, denn wer gibt schon gern einen zutraulichen Vogel her, der bereitwillig mit Menschen schmust und trotzdem mit anderen Vögeln befreundet ist?
Früher war Speedy, der nie einzeln gehalten wurde, allerdings so stark auf Menschen fixiert, dass seine Vorbesitzer sich absichtlich von ihm abgewandt haben, damit er in ihrem Vogelschwarm Anschluss suchte und sich nicht ständig an ihre Fersen heftete. Was zum Glück funktioniert hat, denn der im Jahr 2002 geborene Vogelmann verlor sein Herz an Phoebe - die gemeinsam mit ihm am 10. Oktober 2006 zum offiziellen Mitglied meines Vogelschwarms wurde. Kaum hier angekommen, hat er sich aber in eine andere gefiederte Lady verliebt und Phoebe hat glücklicherweise zur selben Zeit ebenfalls einen anderen Partner gewählt.
Seit Speedy in meinem Vogelzimmer wohnte, war er der Mann an der Seite der zierlichen Himalia, bis diese im Oktober 2008 leider aus dem Leben schied. Einige Monate war er daraufhin Single, bis er sich der gutmütigen und leider ein wenig in ihren Flugkünsten eingeschränkten zartgelben
Fralie zuwandte, die
bis zu seinem Tod die Frau an seiner Seite war, siehe Foto rechts. Obwohl er sich mit meinen Wellensittichen sehr gut
verand - Katharinasittiche
mochte er nicht ganz so gern und mied meist ihre direkte Nähe -,
war er auch mir gegenüber noch immer zutraulich und flirtete gern mit mir, indem er beispielsweise schmerzhafte Liebesbisse austeilte.
Speedys Farbschlag nennt sich Opalin in Hellblau und
er war ein ständig fröhlicher Geselle. Oft sang er typische Wellensittichlieder, in die er ein lustiges Krächzen mischte, das an die Lautäußerungen von Rabenvögeln erinnerte, siehe Klangbeispiel (wav, 24 kB).
Dieses merkwürdige Geräusch hat er schon als junger Vogel vorgetragen, offenbar hat er es bei seinem Züchter erlernt.
Im Frühling 2010 erkrankte Speedy plötzlich sehr schwer. Er erbrach
ständig sein Futter, und eine Untersuchung beim Tierarzt ergab, dass
Speedy an einer Hefepilzinfektion in Kombination mit einer bakteriellen
Infektion litt. Obwohl ich im Labor einen Resistenztest anzüchten
lassen habe, um wirksame Medikamente herauszufinden, schlugen die
Mittel nicht an. Mein Tierarzt entschied, das Antibiotikum zu wechseln
und wir kämpften fast drei Wochen um Speedys Leben, er selbst kämpfte
ebenso tapfer mit. Am Morgen des 14. Juni 2010 jedoch war etwas anders.
Speedy hatte sich aufgegeben, er wollte nur noch schlafen, ignorierte
seine Frau Fralie und kuschelte sich matt in meine Hand. So sehr es mir
das Herz zerriss, ich musste ihm helfen und ihm den letzten Schritt
leichter machen. In meiner Hand schloss er beim Tierarzt für immer die
Augen, leider haben wir ihm nur noch durch das Einschläfern helfen
können. Speedy, danke für die unzähligen schönen Momente, die
Zuneigung, die Du mir geschenkt hast, das herrliche Himmelblau, das mir
auch bei wolkigem Himmel gute Laune gemacht hat. Danke für das lustige
Krächzen, Dein Vertrauen und die Lebensfreude, die Du versprüht hast.
Du warst ein ganz besonderer kleiner Kerl und ich werde Dich nie
vergessen. |