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Ziervögel verursachen viel Dreck und StaubDie Ziervogelhaltung ist ein schönes Hobby, dem viele Menschen mit großer Freude nachgehen. Doch bedauerlicherweise kann das Zusammenleben mit Vögeln zu gravierenden Gesundheitsproblemen führen. Mitunter treten diese erst nach Jahren in Erscheinung oder die Lebenssituation verändert sich, weil beispielsweise ein neuer Partner in einen Vogelhalter-Haushalt einzieht, der empfindlich auf die Anwesenheit der Vögel reagiert. Guter Rat ist dann oft teuer. Damit Sie in einer solchen schwierigen Situation eine für Sie richtige Entscheidung treffen können oder damit sie das Auftreten gravierender gesundheitlicher Beschwerden am besten von vorn herein unterbinden, ist es sinnvoll, dass Vogelhalter die Risiken und Hintergründe genau kennen.

Warum treten Vogelallergien und Probleme bei Asthmatikern auf?
Ziervögel verursachen durch ihre bloße Anwesenheit in der Wohnung eines Menschen eine Menge Staub. Dieser rührt einerseits daher, dass ihr Gefieder einem natürlichen Verschleiß unterliegt und in feinste Teile zerfällt. Manche Vogelarten wie die Kakadus stauben besonders stark, weil sie ihr Gefieder mit speziellem Staub imprägnieren. Während der Mauser entsteht ebenfalls Staub. Neue Federn sind anfangs von einer silbrigen Hülle, der sogenannten Federscheide, umgeben. Mit der Zeit zerfällt sie, wobei die meisten Stücke zwar recht groß sind, doch es entsteht auch feiner Staub. Darüber hinaus zerbröseln Teile von getrockneten Kotbällchen oft zu feinem Staub und das Körnerfutter ist eine weitere Staubquelle.

Vogelstaub und Federn können für Allergiker und Asthmatiker zum Problem werdenDer Feder- und Kotstaub der Vögel enthält genau wie der Futterstaub Eiweiße, die bei empfindlichen Menschen starke, durch das Immunsystem gesteuerte Abwehrreaktionen hervorrufen können. Weil der Staub sehr fein ist, gelangt er beim Atmen in die Nase und in die Lunge, wo er sich an die Schleimhäute heftet und dort eine Immunreaktion auslöst. Auch die Augenschleimhäute können hiervon betroffen sein. Typische Symptome einer Allergie gegen den von Vögeln ausgehenden Staub können tränende Augen, Niesen, eine juckende Nase und Hustenreiz sein; mitunter erleiden Betroffene sogar Fieberschübe. Hinzu kommt, dass der Staub in der Lunge  mechanische Reizungen hervorrufen kann. Die feinen Staubkörnchen belasten die Schleimhäute, worunter vor allem Asthmatiker zu leiden haben.

Weil der Gefiederstaub der Vögel aus sehr kleinen Partikeln besteht (Feinstaub), gelangt er beim Atmen nicht nur in die großen Atemwege der Lunge, sondern sogar bis in die winzigen Lungenbläschen, die sogenannten Alveolen. Setzt er sich dort fest, kann er bei empfindlichen oder allergischen Menschen zu einer schweren Lungenkrankheit führen, die als Alveolitis bezeichnet wird. Die Endung -itis zeigt dabei auf, dass es sich um eine Entzündung handelt. Betroffen sind davon die Lungenbläschen. Sind sie entzündet, können sie ihre normale Funktion nicht mehr erfüllen und es gelangt immer weniger Sauerstoff in den Blutkreislauf der betroffenen Person. Permanente Kurzatmigkeit und extreme Erschöpfung sind deshalb zwei der typischen Symptome einer Alveolitis. Da sie in unterschiedlichen Formen auftreten kann, gibt es jedoch noch etliche weitere mögliche Symptome.

Wann besteht Handlungsbedarf?
Es gibt eine Reihe von Gründen, weshalb Allergien und Atemprobleme, die potenziell mit Vögeln in Zusammenhang stehen, von vielen Vogelhaltern lange Zeit ignoriert werden. Einerseits haben viele Tierbesitzer Angst, sich von ihren Tieren trennen zu müssen. Andererseits wird in Tierschützerkreisen häufig argumentiert, Allergien würden vorschnell als Abgabegrund genannt, weshalb sich manche Vogelhalter scheuen, auf diese Weise ihren guten Ruf zu schädigen. Denn wer will schon unter Tierfreunden als jemand gelten, der seine Vögel aus einem vermeintlich "erfundenen" Grund abgegeben hat?

Allerdings kann ein solches Verleugnen der gesundheitlichen Probleme oder gar ein Verharmlosen von Allergiesymptomen gravierende Folgen bis hin zum Tod des Betroffenen haben. Handlungsbedarf besteht deshalb grundsätzlich immer dann, wenn sich erste Anzeichen zeigen. Doch die gute Nachricht ist: Nicht in jedem Fall ist es erforderlich, die Tiere abzugeben. Mit gezielten Gegenmaßnahmen kann im Einzelfall die Haltung so optimiert werden, dass der Tierbesitzer oder eine empfindlich auf den Vogelstaub reagierende Person in dessen Haushalt gut und weitestgehend beschwerdefrei mit den Tieren zusammenleben kann. Grundsätzlich ist große Eigenverantwortung gefragt - und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Bei aller Liebe zu den Tieren sollte man die Symptome, die man beobachtet, nicht ignorieren. Den Vögeln ist nicht geholfen, wenn man aufgrund ihrer Anwesenheit schwer erkrankt und im ungünstigsten Fall irgendwann eine Spenderlunge benötigt oder gar stirbt.

Was kann man unternehmen, wenn es zu Gesundheitsproblemen kommt?
Für Menschen, denen der Staub auf rein mechanische Weise zusetzt, heißt das oberste Gebot beim Auftreten von Gesundheitsproblemen: die Staubmenge stark reduzieren. Im Idealfall bringt man die Vögel in einem Raum unter, den der Asthmatiker nicht ständig betreten muss. Mit einem Luftreiniger, also einem Gerät, das mittels eines leistungsstarken Partikelfilters die Luft säubert, kann viel Staub abgefangen werden. Darüber hinaus ist es ratsam, einen Allergikerstaubsauger zu verwenden, der Feinstaub zuverlässig ausfiltert. Sowohl die Luftreiniger, nicht mit Ionisatoren zu verwechseln, als auch die Staubsauger für Allergiker sind allerdings sehr teuer. Beim Reinigen des Vogelkäfigs und des Freiflugzimmers kann darüber hinaus das Tragen eines Mundschutzes helfen.

Was für Asthmatiker gilt, gilt auch für Allergiker: Tritt eine Allergie gegen Vogelstaub oder -kot auf, muss für sehr strikte Hygiene gesorgt werden. Ein leistungsstarker Luftreiniger und ein Allergikerstaubsauger sind in einem solchen Fall Pflicht und der Allergiker sollte den Tieren nach Möglichkeit aus dem Weg gehen können. Eine Unterbringung der Vögel im Wohn- oder gar im Schlafzimmer sollte unbedingt vermieden werden. Besser ist die Einrichtung eines Vogelzimmers. Oder aber man baut eine Art "Welliterrarium", wie es Shirley Bessem in ihrem Erfahrungsbericht beschreibt.

Doch bevor die Wohnung umgeräumt und die teuren Geräte angeschafft werden, sollte durch einen Arzt genau diagnostiziert werden, wogegen der Betroffene allergisch ist. Denn falls es weder Vogelstaub noch der Kot der Tiere sein sollten, kommt noch der Futterstaub in Betracht. In einem solchen Fall kann unter Umständen eine simple Maßnahme das Problem weitestgehend lösen: Körnerfutter staubt stark, weshalb man zur Reduzierung der Staubbelastung die Fütterung der Vögel auf Extrudate wie zum Beispiel die der Marke Dr. Harrison umstellen sollte. Dieses nur im Fachhandel erhältliche Papageien-Spezialfutter sollte nicht mit Pellets verwechselt werden. Extrudatfutter nicht preisgünstig, doch es hat zwei entscheidende Vorteile. Einerseits staubt es weniger als normales Körnerfutter, was für empfindliche Vogelhalter gut ist. Andererseits ist es sehr nährstoffreich und somit ausgesprochen gesund für die Vögel.

Stellt sich heraus, dass der erkrankte Vogelhalter gegen Schimmel allergisch ist, sollte die Vogelhaltung dahingehend überprüft werden, ob es Bereiche mit Schimmel gibt. Dies können zum Beispiel zu feuchte Einstreu, die voller flüssigem Kot ist, oder aber Frischfutterreste sein. Eine tägliche Reinigung der Unterbringung der Vögel ist deshalb unabdingbar.

Falls eine Allergie gegen Vögel vorliegt und keine Maßnahme wie die getrennte Unterbringung vom Halter und der Einsatz von Luftfilter und Spezialstaubsauger Wirkung zeigt, ist es bedauerlicherweise in aller Regel erforderlich, die Tiere dauerhaft aus dem Umfeld der erkrankten Person zu entfernen. Wer sie in einem solchen Fall nicht im eigenen Garten in einer Voliere unterbringen kann, dem bleibt leider nichts anderes übrig, als sie in gute Hände zu vermitteln. Dieser Schritt mag schwer sein, doch mit Allergien ist nicht zu spaßen. Auch wenn andere Allergiker das Problem herunterspielen und sagen, sie würden trotz ihrer Allergie mit ihren Tieren zusammenleben und vielleicht mal ein wenig niesen, sind solche Erkrankungen immer ernst zu nehmen. Denn spätestens wenn sie sich in einer exogen-allergischen Alveolitis äußern, besteht die Gefahr einer dauerhaften Lungenschädigung oder tödlicher Komplikationen.

 

 
 
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