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  Wellensittich mit aufgeplustertem Gefieder Das Aufplustern des Gefieders kann bei Wellensittichen unterschiedliche Gründe haben. Wer die Gefiederstellung der Tiere richtig zu deuten weiß, kann am aufgeplusterten Federkleid in vielen Fällen den Gemütszustand und das Befinden der Vögel ablesen. Dies kann beispielsweise bei der Früherkennung von Krankheiten ausgesprochen hilfreich sein. Bei den unterschiedlichen Arten des Aufplusterns kommt es auf winzige Feinheiten an, die zudem nicht bei jedem Vogel gleich stark ausgeprägt sind. Es ist deshalb wichtig, dass man die weiter unten folgenden Beschreibungen nicht als pauschales Regelwerk betrachtet, sondern viel mehr als Leitfaden, der Grundsätzliches zeigt und dennoch individuelle Abweichungen erlaubt.

Aufplustern bei Behaglichkeit
Pino fühlt sich wohl Besonders oft plustern Wellensittiche ihr Gefieder auf, wenn sie sich rundherum wohl fühlen. Meist singen die Vögel in solchen Situationen, dabei ist vor allem ihr Kopfgefieder relativ stark aufgestellt. Im Bereich der Wangenflecken und Kehltupfen sehen sie dann besonders flauschig aus, siehe Abbildung. Der rechts gezeigte Pino fühlt sich sichtlich wohl und zeigt dies durch seinen entspannten Blick, die lockere Körperhaltung sowie das leicht aufgestellte Gefieder im Kopf- und Nackenbereich. Wellensittiche, die sich wohl fühlen und deshalb ihr Gefieder aufplustern, legen die Gesichtsfedern oft relativ stark über den Schnabel, so dass dieser weitestgehend versteckt ist, siehe Fotos unter diesen Zeilen.

Wellensittich mit aufgeplustertem Gefieder    Wellensittich mit aufgeplustertem Gefieder

Aufplustern gegen Kälte
Das Bauchgefieder bedeckt die Füße Friert ein Wellensittich, plustert er sein Gefieder stark auf. Dabei bleibt er in aller Regel ruhig an einer Stelle sitzen und zieht zudem einen Fuß ins wärmende Gefieder oder setzt sich so hin, dass sein Bauchgefieder die Füße bedeckt, siehe Foto rechts. Die Augen des Vogels sind in den meisten Fällen geöffnet und das Tier hat einen wachen, aufmerksamen Blick. Diese Art des Aufplusterns ist dann zu beobachten, wenn die Raum- oder Außentemperatur (bei Volierenhaltung) niedrig ist. Im Haus gehaltene Wellensittiche beginnen bereits bei unter 18°C ein wenig zu frieren. Ein frierender Wellensittich hat kühle Füße und zittert je nach herrschender Kälte leicht, was man vor allem am Vibrieren der Flügelenden sowie der Schwanzfedern erkennen kann.

Bei Kälte plustern sich Wellensittiche und andere Vögel deshalb auf, weil sich unter ihren aufgestellten Federn ein Luftpolster bildet, das die Körperwärme speichert. Auf diese Weise fühlen sie sich angenehm warm, obwohl die Umgebungstemperatur kühl sein mag. Obwohl Wellensittiche als winterhart gelten und ganzjährig in Gartenvolieren gehalten werden können, sollten diese ein beheiztes Schutzhaus aufweisen, damit die Vögel bei Frost eine warme Rückzugsmöglichkeit finden.

Plustert sich ein im Haus gehaltener Wellensittich extrem auf, hat er kalte Füße und wirkt er zudem teilnahmslos und matt, obwohl die Raumtemperatur im Bereich von rund 21°C liegt, besteht ernsthafter Grund zur Sorge. Das Tier könnte krank sein (siehe unten).

Aufplustern bei Müdigkeit
Müde Vögel plustern das Gefieder auf Gesunde Wellensittiche plustern ihr Gefieder vor dem Einschlafen auf und drehen den Kopf um fast 180°, um ihn mit dem Schnabel voran unter einen der Flügel zu legen. Bevor schläfrige Wellensittiche ihren Kopf nach hinten drehen, blinzeln sie mit den Augen und knirschen in den meisten Fällen mit dem Schnabel.

Das Aufplustern des Gefieders vor dem Einschlafen sowie im Schlaf soll gewährleisten, dass der Vogelkörper über Nacht beziehungsweise während der körperlichen Ruhephase nicht auskühlt. Wenn ein Vogel schläft, sinkt seine Stoffwechselrate, was ein Wärmen durch aufgeplustertes Gefieder nötig macht. Es ist die zwischen den aufgestellten Federn liegende Luft, die den Körper warm hält.

Aufplustern bei der Partnerwerbung
Aufgeplustertes Gefieder bei der Balz Beim Balzen, also während der Werbung um einen (gewünschten) Partner, stellen die Männchen das Gefieder auf. Bei den Weibchen kann man das Aufplustern nur dann beobachten, wenn ihnen das werbende Männchen zusagt. Anderenfalls legen die Weibchen ihr Gefieder glatt an und drohen den Männchen, wenn diese in ihrem Verhalten zu aufdringlich werden oder wenn sie sich zu nah an die Vogeldamen heran wagen. Das Paar in der Abbildung rechts ist einander sehr zugetan, beide Tiere sind aufgeplustert und es ist keinerlei Aggression im Spiel.

Aufplustern bei der Gefiederpflege
Aufplustern bei der Gefiederpflege Während der Gefiederpflege ist ein Aufplustern des Federkleides unabdingbar. Mit Hilfe ihres Schnabels verteilen Wellensittiche Gefiederfett auf jeder einzelnen Feder, was ihnen am besten gelingt, wenn diese aufgerichtet sind. Außerdem streichen sie mit dem Schnabel Unebenheiten glatt, denn es geschieht immer wieder, dass die feinen Federfähnchen, die eigentlich ineinander verhakt sein sollten, zum Beispiel bei einem Zusammenstoß in der Luft mit einem anderen Vogel durcheinander geraten. Um immer optimal flugfähig zu bleiben, muss das Federkleid täglich gepflegt werden. Die Gefiederpflege findet bei Wellensittichen deshalb normalerweise täglich mindestens einmal statt und ist ein Zeichen dafür, dass sich die Tiere fit und gesund fühlen.

Kranke Vögel putzen ihre Gefieder nicht oder nur nachlässig, weil sie zu wenig Kraft für die Pflege ihrer Federn aufbringen können. Eventuell schmerzt ihnen ein Körperteil bei manchen der für die Gefiederpflege nötigen Bewegungen oder aber ein allgemeiner Schwächungszustand hindert sie daran, sich der Pflege ihres Federkleides zu widmen.

Aufplustern bei Krankheit und Unwohlsein
Wegen Krankheit aufgeplusterter Wellensittich Ist ein Wellensittich krank oder fühlt er sich unwohl, sinkt die Körpertemperatur des Vogels vom normalen Wert, der bei rund 42°C liegt, auf teils erheblich niedrigere Werte. In Folge dessen beginnt das Tier zu frieren und plustert sein Gefieder stark auf. Ein Wellensittich, der sich nicht wohl fühlt, ist leicht an der dafür typischen, zusammengesunkenen Körperhaltung sowie der "unrunden", kantigen Körpersilhouette zu erkennen. Es handelt sich bei dieser Art des Aufplusterns um ein Alarmsignal, das man unbedingt beachten sollte.

Wellensittiche sind wahre Schauspielmeister, die mit ihren Gebrechen fast immer so lange hinter dem Berg halten, bis es nicht mehr anders geht und sie bereits schwer erkrankt sind. Sitzt ein Vogel matt und mit stark aufgeplustertem Gefieder da, ist dies in aller Regel ein verlässliches Warnzeichen für den Vogelhalter, der umgehend darauf reagieren sollte.

Schwer kranker Wellensittich Einen schwer kranken Vogel erkennt man daran, dass er sein Gefieder extrem stark aufplustert. Bei normalem Aufplustern des Gefieders entsteht insgesamt ein runder Eindruck und der Vogel sieht dick und zufrieden aus. Wird die Körpersilhouette durch weit hervorstehende Flügelenden unterbrochen (siehe Pfeil in der Abbildung), steht es sehr schlecht um die Gesundheit des Vogels. Die rechts abgebildete Vogeldame Wega litt an einem schweren Befall mit Trichomonaden, als das Foto entstand. Sie wäre beinahe an dieser Erkrankung gestorben, was man ihr auf dem Foto deutlich ansieht.

Das Foto unter diesen Zeilen zeigt ein Wellensittichweibchen, das in einen blutigen Kampf mit einer Artgenossin verwickelt war. Der Vogel wurde bei diesem Kampf schwer verletzt und leidet sichtlich unter Schmerzen. Erkennbar ist dies am sehr unrund aufgeplusterten Gefieder. Im Bereich des Schnabels und der Nase sind Blutkrusten und -ergüsse zu sehen, die von der Heftigkeit des Kampfes zeugen und bei dem Wellensittichweibchen zu starkem Unwohlsein geführt haben.

Aufgeplustert wegen Schmerzen

 
 
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