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  Wellensittich-Bisswunden können schmerzhaft sein Viele Vogelhalter wünschen sich zahme, freundliche gefiederte Hausgenossen, die gern mit ihren Bezugspersonen spielen. Wellensittiche erfüllen diese recht hohen Erwartungen jedoch nicht immer. Im schlimmsten Fall verhalten sie sich dem Menschen gegenüber nicht nur gleichgültig, sondern werden aggressiv und attackieren ihn regelrecht, wobei sie bevorzugt in die Hände und Finger beißen. Diese Bisswunden sind zwar normalerweise harmlos, können aber dennoch schmerzhaft sein, weil sie sich leicht entzünden.

Vögel werden nicht beißwütig geboren, sie entwickeln dieses aggressive Fehlverhalten meist deshalb, weil die Haltungsbedingungen nicht optimal sind beziehungsweise weil die Vögel falsch behandelt oder gar gequält werden. Mitunter führt auch eine schmerzhafte Erkrankung dazu, dass Vögel bissig werden. Deshalb ist es wichtig, der Ursache für das Fehlverhalten auf den Grund zu gehen und Änderungen in den Haltungsbedingungen oder im Verhalten dem Vogel gegenüber herbeizuführen, um der Bissigkeit auf diese Art entgegenzuwirken.

Beißen als Abwehrmechanismus
Wellensittiche werden nicht gern festgehalten Papageienvögel echte Individualisten, die obendrein einen enormen Freiheitsdrang haben und normalerweise nicht gern von der Hand eines Menschen berührt werden. Sich auf eine Hand zu stellen und von dieser umher getragen zu werden, ist für die meisten Wellensittiche noch akzeptabel. Werden sie allerdings von der Hand gegriffen und gegen ihren Willen festgehalten, so ist dies für sie eine überaus unangenehme Situation. Ihr Instinkt sagt ihnen, dass sie in Lebensgefahr sind, denn wild lebende Wellensittiche werden von ihren Fressfeinden festgehalten, um sogleich getötet und verspeist zu werden. Dieser Instinkt ist auch bei domestizierten Wellensittichen vorhanden, so dass sich die allermeisten Vögel fürchten, wenn sie in die Hand genommen werden.

Um sich aus seiner misslichen und für ihn bedrohlich wirkenden Lage zu befreien, setzt ein in der Hand gehaltener Wellensittich die einzige Waffe ein, die ihm zur Verfügung steht: seinen Schnabel. Er zwickt in die Haut des Menschen und dieser wird die Bisse sehr wahrscheinlich als unangenehm empfinden, denn je nachdem, wohin Wellensittiche beißen, kann dies kleine blutige Wunden zur Folge haben. Für den Wellensittich stellt sich die Lage so dar, dass er mit den Bissen den gewünschten Erfolg erzielt hat. Der Mensch hat ihn schließlich los gelassen.

So lernt er, dass er durch aggressive Bisse an sein Ziel gelangt. Gerät er irgendwann erneut in Bedrängnis, beißt er sehr wahrscheinlich wieder zu. Auch wenn der Mensch beispielsweise mit der Hand in seinen Käfig greift, um den Futternapf neu zu befüllen, fühlt sich der Vogel gegebenenfalls bedrängt. Nicht selten wendet er dann das erlernte Verhaltensschema in dieser Situation an und beißt zu. Zieht sich die Hand daraufhin zurück, bekräftigt ihn dies in seinem Fehlverhalten, denn er erlebt erneut einen unmittelbaren Erfolg. Sehr leicht kann sich sein Verhaltensmuster aufschaukeln, so dass der Vogel sofort zu beißen beginnt, wenn ihm ein Detail im Umgang mit dem Menschen missfällt. So übt er Kontrolle über die jeweilige Situation aus und nimmt dem Menschen jedwede Handlungsmöglichkeit.

Dieser Wellensittich hat ausnahmsweise keine Angst Es ist ausgesprochen schwierig, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Im Idealfall lässt man es gar nicht erst so weit kommen, dass der Vogel aufgrund einer Abwehrreaktion zu beißen beginnt. Deshalb ist es so wichtig, Wellensittiche nicht ohne Grund in die Hand zu nehmen, denn oft fangen die Probleme hiermit an. Einzige Ausnahmen von dieser Regel sollten sein, dass ein Vogel medizinisch behandelt oder einer Pflegemaßnahme (zum Beispiel dem Schneiden der Krallen) unterzogen werden muss. Nur die allerwenigsten Vögel haben wie der rechts gezeigte Speedy keine Angst, wenn sie in die Hand genommen werden.

Ansonsten gilt: Wellensittiche sind keine Kuscheltiere, sie mögen es nicht, in die Hand genommen oder gestreichelt zu werden!

Beißen zur Wahrung der Privatsphäre
Auch Wellensittiche haben eine eigene Persönlichkeit und demzufolge ein Anrecht auf eine Privatsphäre. Innerhalb eines Vogelschwarms respektieren die Tiere, dass es nicht jeder Vogel mag, wenn sich ihm ein Artgenosse nähert. So kann es auch sein, dass Wellensittiche es (vorübergehend) nicht mögen, wenn sich ihnen ein Mensch nähert. Es gibt Momenten, in denen die Vögel keine Kontaktaufnahme von außen wünschen, weil sie mit sich selbst beschäftigt sind (Gefiederpflege, etc.). Hierbei sollte man Wellensittiche auf keinen Fall belästigen.

Besonders schlimm ist es, wenn man einen Vogel beim Schlafen stört. Sitzt ein Vogel beispielsweise dösend auf einem Ast und man möchte, dass er genau in diesem Moment auf die Hand oder den Finger klettert, dann stört man ihn und dringt massiv in seine Privatsphäre ein, wenn man sich ihm mit der Hand nähert. Beißt ein Vogel in einem solchen Moment, so ist es sein gutes Recht, denn Menschen reagieren in aller Regel ähnlich ungehalten, wenn man sie aus dem Schlaf wachrüttelt.

Denkt man an die Enge in einer überfüllten Straßenbahn, dann fallen einem die unangenehmen Empfindungen ein, die der erzwungene Körperkontakt mit anderen Menschen verursachen kann. Man fühlt sich nicht wohl, wenn ein bestimmter Mindestabstand von Fremden oder nicht sonderlich vertrauten Menschen unterschritten wird. Genauso ist es auch bei Wellensittichen. Überschreitet man mit der Hand jene unsichtbare Grenze, die in der Psychologie als Individualabstand bezeichnet wird, dann reagiert der Vogel verstimmt und beißt unter Umständen.

Ablehndende Körperhaltung Je nachdem, wie zutraulich ein Vogel ist, kann dieser Individualabstand mehr oder minder groß sein. Ein verstörter Wellensittich, der zum Beispiel vom Vorbesitzer gequält worden ist, wird einen Menschen nicht näher als einen Meter an sich herankommen lassen, ohne zu fliehen. Zahme Vögel erlauben eine deutlich größere Annäherung, können aber durchaus mitunter ungehalten reagieren, wenn man einen Abstand von etwa Zentimetern unterschreitet.

Wichtig ist, dass man einen Vogel niemals bedrängt und auf die Signale seines Körpers achtet, wenn man sich ihm mit der Hand nähert. Versteift sich sein Körper oder lehnt sich der Vogel ein wenig zurück, dann ist dies ein Zeichen der Ablehnung (siehe Foto rechts). Man ist im Begriff, sich ihm unerlaubt und vor allem unaufgefordert zu nähern und riskiert, gebissen zu werden. Nur dann, wenn ein Vogel interessiert schaut und sich ein wenig nach vorn beugt, sich also auf die Hand zu bewegt, besteht von seiner Seite her sehr wahrscheinlich ein Einverständnis für eine Annäherung.

Beißen aufgrund körperlichen Unwohlseins
Vögel, die an einer Erkrankung leiden, zeigen nahezu immer Verhaltensänderungen. Meist schlafen sie viel oder benötigen deutlich mehr Ruhe als sonst üblich. Zahme Vögel ziehen sich nicht selten von ihren Bezugspersonen zurück und beißen, wenn man sich ihnen nähert. Sie reagieren so aggressiv, weil sie sich schlecht fühlen und ganz einfach in Ruhe gelassen werden möchten. Beobachtet man bei einem seiner Vögel ein erhöhtes Ruhe- oder Schlafbedürfnis, das mit einer unübersehbaren Neigung zum Beißen einher geht, sollte man sofort einen Tierarzt zu Rate ziehen, weil der betroffene Wellensittich sehr wahrscheinlich krank ist.

Bestrafungen sind der falsche Weg
Egal, aus welchem Grund ein Vogel beißt, es ist grundsätzlich falsch, ihn dafür mit Gewalt zu bestrafen. Sperrt man einen beißenden Wellensittich in seinen Käfig und straft das Tier dadurch, dass man es nicht beachtet, leidet das Selbstbewusstsein des Vogels und er wird noch unausgeglichener. Auch ist es nicht ratsam, den beißenden Vogel zum Beispiel mit einem Wasserstrahl aus einem Wasserzerstäuber für Pflanzen zu bespritzen, wie es manche selbst ernannten "Vogelexperten" gern empfehlen. Eine solche Geste ist ein Übergriff, der für einen Vogel unverzeihlich sein kann.

Grundsätzlich gilt, dass man immer nach der Ursache für das Beißen suchen und niemals durch Bestrafungen an den "Symptomen", also der eigentlichen aggressiven Handlungsweise, herumdoktern sollte. Nur, wenn man das Problem erkennt, welches zur Bissigkeit führt, kann man es dauerhaft beseitigen. Strafen zerstören die ohnehin oft gestörte Beziehung zwischen Mensch und Vogel, so dass es noch schwieriger wird, sich dem Tier anschließend erneut zu nähern, ohne dass es aggressiv reagiert.

Wenn die Situation eskaliert ...
Die weiter oben erläuterten Gründe für Beißattacken stellen nur einen sehr geringen Teil der Bandbreite möglicher Ursachen dar. So kann ein Vogel beispielsweise auch deshalb aggressiv und bissig sein, weil sein Käfig an einem falschen Ort steht und er nachts zu wenig Ruhe findet. Ist er unausgeglichen und übermüdet, schlägt sich dies in einem erhöhten Aggressionspotential nieder.

Es ist folglich oft nicht leicht, die Ursache für die Bissigkeit eines Wellensittichs herauszufinden. Außenstehende sind bei der Ursachenforschung oft noch chancenloser als der Vogelbesitzer selbst, weil sie die Haltungsbedingungen und den Umgang zwischen Halter und Vogel nicht kennen. Deshalb ist es meist wenig hilfreich, zum Beispiel in Internetforen andere Vogelhalter um Rat zu fragen, wie es die Autorin schon oft an solchen virtuellen Treffpunkten erlebt hat.

Einzig echte Spezialisten auf dem Gebiet der Vogelpsychologie können helfen und sich gegebenenfalls sogar an eine Ferndiagnose wagen. In den USA sind so genannte Parrot Behaviour Consultants vergleichsweise leicht zu finden. Diese "Vogelpsychologen" können den Tierhaltern dabei helfen, Ursachen für eventuelles Fehlverhalten ihrer Tiere aufzuspüren. In Deutschland sind solche Spezialisten leider extrem rar und entsprechend schwer zu finden. Die Diplom-Biologin Hildegard Niemann ist eine solche Spezialistin und sie bietet ihre Hilfe den Haltern aller Arten von Papageienvögeln an, also auch Wellensittichhaltern. Ihre Dienstleistungen sind freilich nicht kostenlos, aber wer sein Tier liebt und an einem bestehenden Problem arbeiten möchte, der ist vermutlich auch dazu bereit, Geld in eine fachkundige und hilfreiche Beratung zu investieren. Frau Niemann ist über ihre Website zu erreichen: Parrot Behaviour Consulting - Hildegard Niemann Externer Link.

 
 
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