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  Weibchen mit KopfwundeAufgrund unterschiedlicher Ursachen kann es unter Wellensittichen zu sehr aggressiven Kämpfen kommen, bei denen nicht selten Blut fließt. Häufig ist die Ursache für derlei Auseinandersetzungen, dass zwei Tiere um einen Artgenossen streiten, den beide als Partner begehren. Oder die Vögel sind in Brutstimmung und verteidigen ihren Nistplatz, das Gelege beziehungsweise später die Jungvögel. Aber auch andere Ursachen kommen in Frage. In diesem Kapitel werden die häufigsten Situationen geschildert, die zu blutigen Auseinandersetzungen unter Wellensittichen führen können.

Zwei Männchen streiten um ein Weibchen
Noch vor wenigen Jahrzehnten berichtete die Fachliteratur über Wellensittiche, dass die Vögel monogam sind, also in einer treuen Einehe leben. Dies entspricht jedoch keineswegs der Wahrheit. Wellensittiche, die in einem Schwarm gehalten werden, tauschen mitunter ihren Partner gegen einen anderen Vogel. Oft geschieht dies, wenn ein Männchen sich in die Beziehung eines Paares einmischt und versucht, das Weibchen für sich zu gewinnen.

Zwei kämpfende HähneIn aller Regel kommt es zu einem Kräftemessen zwischen den beiden Männchen, das meist in unmittelbarer Nähe des Weibchens ausgetragen wird. Zunächst nehmen die beiden Kontrahenten die Drohstellung ein und hüpfen selbstbewusst auf den jeweils anderen zu. Fühlt sich einer der Vögel unterlegen, tritt er den Rückzug an, siehe Film: bitte hier klicken (avi mit DivX-Kompression Externer Link, 662 kB; siehe Videostandbild rechts). Ergreift keiner der Kontrahenten die Flucht, stellen sich die beiden Männchen in geringer Entfernung voneinander auf und geben drohende Geräusche von sich oder zucken drohend mit den Flügeln. Als nächstes kann Treten als Kräftemessen oder als Dominanzgeste folgen, was jedoch nicht immer der Fall ist. Weicht weiterhin keiner der Kontrahenten zurück, gehen die Vögel mit geöffneten Schnäbeln aufeinander los, flattern umher und greifen nicht selten mit einem Fuß ins Gefieder des Kontrahenten. Während sie sich auf diese Weise streiten, rollen sie meist über den Untergrund, auf dem sie zuvor gestanden haben.

Kampf zweier HähneDer folgende Film zeigt einen solchen Kampf, bei dem der dunkelgrüne Vogel versucht, dem hellgrünen Hahn das graue Weibchen auszuspannen: bitte hier klicken (avi mit DivX-Kompression Externer Link, 764 kB; Videostandbild siehe rechts). Wem das Ganze zu schnell geht, der kann sich eine Animation ansehen, die den Kampf im Zeitlupentempo darstellt: bitte hier klicken (gif, 1,2 MB). Der Film und die Zeitlupen-Animation zeigen deutlich, dass Wellensittiche nicht zimperlich miteinander umgehen. Die meisten Schnabelhiebe zielen auf den Kopf des Gegners. Auch in die Beine und Füße wird heftig gebissen, weil diese besonders empfindlich sind, denn sie sind nicht durch ein dichtes Federkleid geschützt.

Beobachtet man als Vogelhalter solche Kämpfe, sollte man eingreifen und die Kontrahenten trennen. Oft ist es nicht leicht, weil sie sich ineinander verbissen haben und auch die Hand des Vogelhalters übel zurichten, wenn sie in Rage sind. In schweren Fällen hilft nur eine Ablenkung, um die Vögel zu trennen. Es hat sich bewährt, sie mit ein wenig Wasser zu beträufeln. Meist lassen sie dann sofort von einander ab. Gehen die Vögel innerhalb kürzester Zeit erneut auf einander los, muss über eine vorübergehende räumliche Trennung der beiden Streithähne nachgedacht werden. In sehr extremen Fällen kann es erforderlich sein, von einem Tierarzt eine Hormonbehandlung durchführen zu lassen, damit durch das Sinken des Testosteronspiegels im Blut auch der Hang zur Kampfbereitschaft sinkt. Der Einsatz von Hormonen ist allerdings umstritten, weil er Nebenwirkungen wie Organschäden mit sich bringen kann.

Zwei Weibchen, die um ein Männchen streiten
Nicht nur Wellensittichmännchen streiten zuweilen um eine potentielle Partnerin. Auch die Weibchen können gegenüber ihresgleichen extrem aggressiv werden, wenn es darum geht, ihren gewünschten Partner für sich zu gewinnen oder gegen eine aufdringliche Henne zu verteidigen. Die Kämpfe laufen genauso ab, wie es bereits für zwei Männchen beschrieben wurde. Um solche Kämpfe zu beenden oder vermeiden, sollte man wie oben beschrieben vorgehen.

Zwei Weibchen, die um einen Nistplatz streiten
Streiten zwei Weibchen um einen Nistplatz, dann fließt garantiert Blut. Der Fortpflanzungstrieb ist so stark, dass die Hennen aufs Ganze gehen und grundsätzlich die Konfrontation suchen. Besonders häufig kommt es zu schweren Kopf- und Augenverletzungen sowie Quetschungen und Blutungen an den Füßen; auch abgebissene Zehen sind keine Seltenheit.

Weil Wellensittichweibchen untereinander nicht zimperlich sind, wenn sie in Brutstimmung geraten und um eine Nistgelegenheit konkurrieren, sollte man aus Sicherheitsgründen auf eine Koloniebrut verzichten und lieber die einzelnen Brutpaare vom Rest des Schwarms separieren. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

Ein Vogel verteidigt sein Gelege oder seine Jungtiere
Die bereits erwähnte Koloniebrut kann dazu führen, dass eine Henne, die entweder selbst keinen Partner hat und nicht brütet oder aber die ihr Gelege verloren hat, extrem aggressiv gegenüber anderen brütenden Weibchen wird. Solche Hennen klettern in den Nistkasten einer brütenden Artgenossin und versuchen deren Gelege zu zerstören oder die Jungtiere tot zu beißen. Die Henne, deren Nest angegriffen wird, duldet dies nicht und verteidigt ihre Nachkommen.

In einem solchen Kampf geht es um Leben oder Tod des Nachwuchses, weshalb er mit aller Härte geführt wird. Schwerste Verletzungen - meist mit Todesfolge bei mindestens einem der Weibchen - sind die Regel. Dies ist ein weiterer Grund, von einer Kolonie- oder Gruppenbrut abzusehen. Gegen derlei aggressives Verhalten hilft nur das Separieren der brütenden Paare, so dass sie außerhalb der Reichweite ihrer Artgenossen sind.

Ein geschwächtes oder krankes Schwarmmitglied wird attackiert
Eine weitere typische Situation, in der heftige Kämpfe und äußerst aggressive Angriffe stattfinden können, erscheint vielen Menschen moralisch verwerflich, aber Wellensittiche leben ohne Moralvorstellungen. Ist ein Schwarmmitglied krank, so kann es vorkommen, dass es von seinen Artgenossen attackiert und schwer verletzt wird. Sogar Vögel, die zuvor bestens mit dem geschwächten Artgenossen harmoniert haben, können plötzlich ein solches Verhalten an den Tag legen. Leider kommt es zuweilen sogar vor, dass ein Wellensittich einen kranken Artgenossen so lange beißt, bis dieser tot ist.

Verhindern lässt sich dies nur, indem der geschwächte Vogel von seinen Artgenossen separiert wird, bis er wieder zu Kräften gekommen ist. Abgewöhnen kann man den Wellensittichen die beschriebene Verhaltensweise nicht, denn sie ist ihnen angeboren. In der Natur ist es sinnvoll, sich eines kranken Schwarmmitglieds zu entledigen, um nicht die Blicke der Feinde auf sämtliche Vögel zu ziehen.

Glücklicherweise tritt diese brutale Verhaltensweise bei im Haus gehaltenen Wellensittichen nicht allzu häufig in Erscheinung und es gibt unter ihnen sogar einige Individuen, die sich im Krankheitsfall rührend um ihren schwachen Artgenossen kümmern und ihn sogar gegen andere Wellensittiche verteidigen.

Es ist unbedingt erforderlich, jede Situation als Einzelfall individuell zu beurteilen und beim Aufkommen der kleinsten Anzeichen beginnender Aggressionen den geschwächten Vogel zu seiner eigenen Sicherheit vorübergehend von den anderen Tieren zu trennen.

Massiver Stress führt zu plötzlichen Aggressionsausbrüchen
Henne mit KampfspurenGeraten Wellensittiche in ungewohnte, für sie mit starkem Stress verbundene Situationen, kann selbst der friedlichste Zeitgenosse plötzlich äußerst aggressiv auf die Anwesenheit seinesgleichen reagieren. Meist wird die innerliche Spannung, die sich durch den Stress aufgebaut hat, durch einen Angriff auf einen (schwächeren) Artgenossen abgebaut.

Weil jeder Wellensittich anders reagiert, lässt sich nicht pauschal sagen, welche Bedingungen zu Angriffen aufgrund von Stress führen können. Der Tierhalter muss seine Vögel sehr genau beobachten und in Extremsituationen damit rechnen, dass sie plötzlich aggressiv werden könnten. Eine Situation, in der ich ein solches Verhalten bei meinen Tieren erlebt habe, war ein Transport meiner Vögel während des Umzugs von Hannover ins Ruhrgebiet. Die Vögel waren in Kleingruppen (maximal zu viert) in Käfigen untergebracht und mussten eine mehrere Stunden dauernde Autofahrt über sich ergehen lassen. Ein Vogel wurde durch die Enge im Käfig - er war ständigen Freiflug gewohnt - so sehr gestresst, dass er ohne Vorwarnung auf einen Artgenossen losging und diesen mit einigen Schnabelhieben leicht am Kopf verletzte.

Beengte Verhältnisse (zu kleiner Käfig) führen zu Kämpfen
Werden Wellensittiche auf zu engem Raum gehalten, sprich wird ein Käfig oder eine Voliere mit zu vielen Vögeln besetzt, kann dies zu Aggressionen unter den Tieren führen, weil sie einander bei kleineren Konflikten nicht ausweichen können. Deshalb sollte man sich an den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestmaßen für die Käfiggröße orientieren, wenn es darum geht, wie viele Vögel man in einer gemeinsamen Behausung unterbringen kann. Dient der Käfig lediglich als Schlafplatz und haben die Vögel den gesamten Tag über Freiflug, kommt es normalerweise nicht zu blutigen Kämpfen aufgrund der beengten Verhältnisse im Käfig.

Kampfspuren im KäfigEine Situation, in der sich Vögel aufgrund der Enge in ihrem Käfig gegenseitig angegriffen und blutig gebissen haben, konnte ich während einer Rettungsaktion beobachten. Es waren fast 15 Vögel in einen winzigen Käfig gesperrt worden, um sie abzutransportieren. Weitere Artgenossen waren in anderen Käfigen untergebracht, die Vögel waren allesamt panisch. Als ich die 43 teils schwer kranken Wellensittiche übernahm, um sie mit einer Freundin sofort zum Tierarzt zu bringen, konnte ich beobachten, wie eines der Weibchen im Käfig aufgrund der Enge so sehr unter Stress geraten war, dass sie wahllos auf die anderen Vögel einhackte und eine Artgenossin am Fuß verletzte (graublauer Vogel auf der oberen Stange). Die mit Blut beschmierte Stange zeigt an, wo die attackierte Vogeldame während des Angriffs gesessen hat.

Ein Altvogel attackiert einen neu eingezogenen Jungvogel
Wird ein soeben flügge gewordener Jungvogel zu älteren Wellensittichen gesellt, wird er diese in den ersten Tagen sehr wahrscheinlich um Futter anbetteln, weil er noch nicht sonderlich geübt darin ist, seine Nahrung selbst zu sich zu nehmen und nach wie vor an die Fütterung durch seine Eltern gewöhnt ist.

Jungvögel können äußerst aufdringlich sein und einen fremden Wellensittich dadurch reizen. Weil sie sich bedrängt fühlen, attackieren die erwachsenen Wellensittiche bettelnde Jungtiere recht häufig. Meist bleibt es bei warnenden Schnabelhieben, aber je nachdem, wie aufdringlich das Jungtier weiter bettelt, kann sich die Aggression so sehr aufschaukeln, dass der Altvogel seinen jungen Artgenossen blutig beißt.

Altvogel hackt JungvogelDer folgende Film, aus dem das rechts gezeigte Standbild stammt, zeigt einen Jungvogel (hellblau), der einen fremden Altvogel um Futter anbettelt und weggehackt wird: bitte hier klicken (avi mit DivX-Kompression Externer Link, 0,99 MB). Würde ein Jungtier in einer solchen Situation weiter betteln, würde es riskieren, durch heftigere Schnabelhiebe verletzt zu werden.

 
 
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