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  Flirtende Wellensittiche So mancher Vogelhalter meint es gut, wenn er seinem über einen langen Zeitraum einzeln gehaltenen Wellensittich einen Partner dazugesellt. Der Grundgedanke ist ohne Zweifel richtig, denn Einzelhaltung von Wellensittichen ist nicht artgerecht. Oft ist die Enttäuschung jedoch groß, wenn sich die neu miteinander vergesellschafteten Tiere nicht gleich von Beginn an miteinander verstehen. In den harmlosesten Fällen straft der alteingesessene Sittich den Neuling mit Verachtung, in schlimmen Fällen kann es zu blutigen Kämpfen kommen, was aber glücklicherweise nur selten geschieht. Insbesondere fehlgeprägte Vögel kann man oft nicht leicht von einem arteigenen Partner überzeugen, aber auch hinsichtlich ihres Sozialverhaltens normale Wellensittiche können wählerisch sein.

Normalerweise sind Wellensittiche ausgesprochen soziale Zeitgenossen und vertragen sich mit neuen Schwarm- oder Käfiggenossen nach einer mehr oder minder kurzen Eingewöhnungszeit recht gut. Sich miteinander zu vertragen, heißt aber noch lange nicht, eine feste, innige Beziehung miteinander einzugehen. Was ist es also, das Wellensittiche dazu veranlasst, sich mit einem Artgenossen des anderen Geschlechts fest verpaaren zu wollen?

Verhaltensforscher haben in der Vergangenheit an dieser Stelle stets die schwammige Vermutung geäußert, bei den Wellensittichen sei es wie bei den Menschen: Sympathie und Antipathie spielen demnach die entscheidende Rolle bei der Partnerwahl. Das stimmt allerdings nicht ganz. Anfang 2002 veröffentlichte eine internationale Forschergruppe ihre erstaunlichen Ergebnisse, die sie mit Hilfe von Versuchs-Wellensittichen gewonnen hat und die einen bemerkenswerten Zusammenhang zwischen dem Gefieder und der Attraktivität der einzelnen Vogelindividuen belegen.

Wer die Wahl hat ...
Ein Weibchen und zwei Männchen Werden Wellensittiche zu zweit gehalten, bilden sie in Ermangelung einer größeren Auswahl an potentiellen Partnern meist ein Paar, sofern sie sich einigermaßen gut verstehen. Meist handelt es sich allerdings um eine Zweckbeziehung. In einem Vogelschwarm haben die Tiere hingegen die Wahl. Wie die Wissenschaftler herausfanden, spielt das Gefieder der Wellensittiche oft eine entscheidende Rolle bei der Partnerwahl.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass so mancher Vogel gewisse Farbvorlieben hat. So war beispielsweise der Wellensittichhahn Orion, siehe Abbildung unten links, stets an weißen Hennen interessiert (siehe Abbildung unten Mitte und rechts). Weibchen anderer Farbschläge fand er nur auf den zweiten Blick attraktiv, wie es schien. Derlei persönliche Vorlieben sind ausgesprochen subjektiv und sie werden durch ein angeborenes Schönheitsempfinden ergänzt oder gar überlagert. Allem Anschein nach spielt auch eine sehr frühe Prägung auf die Farbe der Eltern eine Rolle, legen einige neuere Untersuchungsergebnisse nahe. Anfang August 2010 sind zudem Studienergebnisse veröffentlicht worden, die darauf schließen lassen, dass Wellensittiche sogar die Stimme ihres Partners beachten. Weibchen bevorzugen demnach Männchen, die ähnlich rufen wie sie selbst. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in einem Artikel auf der Seite Wissenschaft aktuell Externer Link.

Orion Paula Rhea

Schönheit unter UV-Licht
Der Sehapparat der Wellensittiche sowie derjenige vieler weiterer Vogelarten nimmt einen größeren Bereich elektromagnetischer Wellen wahr als das menschliche Auge. So sind Wellensittiche dazu in der Lage, ultraviolettes Licht zu sehen. Die Sonne strahlt in diesem Bereich ebenso wie im infraroten oder für uns sichtbaren Teil des Spektrums. Im Sonnenlicht betrachtet, bietet das Gefieder eines Wellensittichs einem Artgenossen demnach einen Farbenrausch, den der Mensch nicht wahrnehmen kann, da seinen Augen die Empfindlichkeit für den UV-Bereich fehlt.

Vögel, deren Gefieder besonders stark fluoresziert, stehen laut Aussage der schottischen Biologin Kathryn E. Arnold von der Universität Glasgow sowie einiger australischer Kollegen besonders hoch in der Gunst ihrer Artgenossen. Im US-Wissenschaftsjournal "Science Externer Link" (Bd. 295, S. 92) berichtete das Team über die Erkenntnisse, die Versuche an Wellensittichen erbracht haben. Man wollte wissen, ob die im ultravioletten Licht fluoreszierenden Federn auf dem Kopf sowie den Wangen der Wellensittiche zufällig diese Eigenschaft aufweisen oder aufgrund einer gezielten Auslese im Sinne der Evolutionstheorie von Charles Darwin entstanden sind. In diesen Federn eingelagerte Pigmente leuchten auf, sobald sie ultraviolette Strahlung absorbieren.

In ihren für die Vögel vermutlich wenig angenehmen Versuchen cremten die Forscher die normalerweise fluoreszierenden Federn einiger Männchen und Weibchen mit Sonnenmilch ein. Das Sonnenschutzmittel verhinderte die Absorption von UV-Licht, so dass die Federpigmente nicht aufleuchten konnten. Da die Forscher die Creme äußerst sparsam aufgetragen hatten, sah das Gefieder der mit den Kosmetika behandelten Vögel im für uns Menschen sichtbaren Licht identisch mit nicht eingecremtem Gefieder aus. Im UV-Bereich war die Leuchtkraft der Federn hingegen stark eingeschränkt beziehungsweise gänzlich unterbunden.

Ein Großteil der am Test beteiligten Vögel wählte einen Partner aus, der nicht eingecremt war und somit fluoreszierendes Kopfgefieder aufwies. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass sich die Fluoreszenz der Wellensittichfedern als evolutionäres Merkmal bei den Vögeln herausgebildet hat und dass ein stärkeres Leuchten eine höhere Chance bei der Partnerwahl verspricht.

Für die meisten Stubenwellensittiche ist dieses visuelle Signal jedoch eher unbedeutend, da sie meist unter Kunstlicht gehalten werden. Glühlampen strahlen im Unterschied zur Sonne ein UV-armes Licht ab beziehungsweise ihr Licht enthält überhaupt keinen UV-Anteil.

Linktipps in englischer Sprache:

  • Budgies use fluorescent feathers to attract sexual partners Externer Link

  • BBC News | SCOTLAND | Love birds glow crazy Externer Link - englische Website mit Foto eines Wellensittichs unter UV-Licht
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