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Zum normalen Alltag eines gesunden Wellensittichs, der in Gesellschaft mindestens eines Artgenossen lebt, gehört es unter anderem, den Sexualtrieb auszuleben. Wie stark dieser ausgeprägt ist, ist individuell unterschiedlich und hängt meist von der Situation ab. In Bezug auf den Sexualtrieb können beim Wellensittich mehrere unterschiedliche Formen von Störungen beobachtet werden. Im Folgenden werden einige typische Fälle beschrieben, die relativ häufig vorkommen.
Extrem häufige Kopulationen fest verpaarter Vögel Mehrere Kopulationen pro Stunde sind dann keine Seltenheit, so dass sich an nur einem Tag über 50, in extremen Fällen sogar über 100 Paarungsakte ereignen. Das ist erheblich zu viel und damit stressen die hyperaktiven Vögel ihren jeweiligen Partner, der kaum Ruhe vor ihnen findet.
Nicht selten ist die Kloakengegend beider betroffener Partner wund gescheuert von den zahlreichen Paarungsakten. Die geschundene Haut kann sich leicht entzünden, der Vogelhalter sollte dies unbedingt im Blick behalten und gegebenenfalls eine dünne Schicht pflegende Hautsalbe (z. B. Bepanthen) auftragen, wenn die Kloakengegend zu stark gerötet ist. Mitunter kann es zudem sinnvoll sein, das Weibchen vom Männchen zu trennen, damit es zur Ruhe kommen kann. Gleichgeschlechtlichen Artgenossen gegenüber verhalten sich Männchen, die sexuell hyperaktiv sind, meist äußerst aggressiv. Es kann zu heftigen Beißereien und Verfolgungsjagden in der Luft kommen. In besonders schlimmen Fällen greifen die Hähne auch fremde Weibchen an. Hält dieser Zustand des übersteigerten Paarungstriebes länger als einige Tage an, sollte ein vogelkundiger Tierarzt kontaktiert werden, um mit ihm das Problem zu erörtern. Das Futterangebot sollte in Absprache mit dem Arzt auf ein Mindestmaß reduziert werden, Nistgelegenheiten sollten nicht mehr zur Verfügung stehen, sofern man nicht züchten möchte, und in besonders schweren Fällen sollte eine hormonelle Behandlung des hyperaktiven Vogels in Erwägung gezogen werden. Diese bringt leider je nach verwendetem Medikament mehr oder minder stark ausgeprägte unerwünschte Nebenwirkungen mit sich, deshalb sollte dieser Schritt wohl überlegt sein. Extrem häufige Masturbation (Selbstbefriedigung) Dass ein gesunder Wellensittich
gelegentlich masturbiert, ist normal. Ist der Vogel jedoch völlig darauf fixiert, sich ständig selbst zu befriedigen, sollte man versuchen, die Haltungsbedingungen dahingehend zu optimieren, ihm mehr Abwechslung zu bieten. Wenn der Vogel die Hand seines Halters als Objekt seiner Begierde ausgewählt hat, sollte man ihm dies nicht gestatten und ihn sanft vertreiben. Würde man ihn hingegen immer gewähren lassen, würde dies den übersteigerten Sexualtrieb nur noch mehr anfachen. Gegebenenfalls sollte ein vogelkundiger Tierarzt zu Rate gezogen werden, wenn ein Vogel zu häufig masturbiert. Außerdem ist es wichtig, auf Hautveränderungen oder -abschürfungen im Kloakenbereich des betroffenen Vogels zu achten. Übrigens masturbieren auch Wellensittichweibchen gelegentlich, wie das folgende Video zeigt: bitte hier klicken (avi mit DivX-Kompression Übersteigerter Fortpflanzungstrieb beim Weibchen Einem Wellensittichweibchen, das unter einem Legezwang leidet, muss unbedingt geholfen werden, weil die permanente Eiproduktion sehr viel Kraft kostet. Der Vogel legt sich buchstäblich zu Tode, wenn man nicht eingreift. Leider kann der Legezwang meist nur durch die Verabreichung von Hormonpräparaten oder durch einen chirurgischen Eingriff (Entfernung des Legedarms) gestoppt werden.
Was tun, wenn der eigene Vogel auffälliges Verhalten zeigt?
Seriöse Experten geben nicht einfach basierend auf einigen wenigen
Informationen eine Therapieempfehlung. Wichtig ist, dass sie das Tier, den
Halter, dessen Beziehung zu dem Vogel und auch die Haltungsbedingungen
genau betrachten. Häufig ist es zudem sinnvoll, wenn so viele
Informationen über das Leben bei vorherigen Haltern wie irgend möglich
vorhanden sind. Basierend auf der Gesamtheit dieser Fakten kann ein
Spezialist einen Plan entwickeln, der dem psychisch erkrankten Tier hilft.
Mitunter ist es zudem sinnvoll, zusätzlich einen fachkundigen Tierarzt zu
Rate zu ziehen, um eine organische Ursache für eine
Verhaltensauffälligkeit auszuschließen. Eine Expertin, die bei
Verhaltensauffälligkeiten ihre Hilfe anbietet, ist zum Beispiel die
Diplom-Biologin Hildegard Niemann, siehe Internet-Seite |
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