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Wellensittich entflogen – was nun?

Hinweis: Die in diesem Kapitel erläuterten Zusammenhänge beziehen sich vor allem auf Wellensittiche. Auf andere Vogelarten sind die Angaben nicht in jedem Fall direkt übertragbar.
Wer einen entflogenen Wellensittich einfangen möchte, sollte darauf achten, das Tier auf keinen Fall zu erschrecken, damit es nicht panisch auffliegt. © Andreas Lischka/Pixabay
Wer einen entflogenen Wellensittich einfangen möchte, sollte darauf achten, das Tier auf keinen Fall zu erschrecken, damit es nicht panisch auffliegt. © Andreas Lischka/Pixabay

Dass einer ihrer Vögel entfliegen könnte, ist für viele Vogelhalter eine erschreckende Vorstellung. Leider wird sie jedoch gar nicht so selten Wirklichkeit: Eine kleine Unachtsamkeit oder eine Verkettung ungünstiger Umstände genügt, und schon macht sich der gefiederte Hausgenosse aus dem Staub – meist ohne sich nach dem verzweifelt rufenden Halter umzuschauen. Dieses Kapitel soll Ihnen Hilfestellungen geben, damit Sie im Fall der Fälle die richtigen Schritte einleiten können. Am besten lesen Sie jedoch alles durch, während Sie gerade nicht in Sorge um ein entflogenes Tier sind. Denn dann besteht meist großer Zeitdruck und der Halter ist so aufgeregt beziehungsweise besorgt, dass konzentriertes Lesen kaum möglich ist. Lesen Sie also lieber alles in Ruhe, wenn gerade kein Notfall vorliegt.

Am besten wäre es ohnehin, wenn Sie erst gar nicht in die Situation kommen würden, dass einer ihrer gefiederten Schützlinge entflogen ist. Das Verhindern des Entfliegens ist sehr wichtig, weshalb ich den eigentlichen Tipps für den Ernstfall einige grundlegende Hinweise für die Prävention voranstellen möchte.

Was Sie vorab tun sollten

Notieren Sie die Nummer des Fußrings Ihres Vogels, damit Sie diese parat haben, falls Ihr Tier entfliegt.
Notieren Sie die Nummer des Fußrings Ihres Vogels, damit Sie diese parat haben, falls Ihr Tier entfliegt.

Fertigen Sie gut ausgeleuchtete und scharfe Fotos Ihrer Vögel aus unterschiedlichen Perspektiven an und speichern Sie sie an einer Stelle, an der Sie sie sofort finden können, falls Sie sie einmal brauchen. Das ist wichtig, wenn Sie im Fall des Falles Flyer oder Annoncen anfertigen müssen, weil Ihr Vogel entflogen ist.

Notieren Sie auch unbedingt die Ringnummer Ihres Vogels, falls er beringt ist. Denn gegebenenfalls müssen Sie einem Finder gegenüber durch Vorlage der Ringnummer belegen können, dass Sie der tatsächliche Besitzer eines Fundvogels sind.

Nie leichtsinnig handeln

Beim Lüften sollte man nicht darauf vertrauen, dass die Vögel schon nicht rausfliegen werden. © KRiemer/Pixabay
Beim Lüften sollte man nicht darauf vertrauen, dass die Vögel schon nicht rausfliegen werden. © KRiemer/Pixabay

„Es wird schon nichts passieren, die Tiere sind immer so entspannt. Da kann ich während sie Freiflug haben durchaus das Fenster mal kurz ein bisschen öffnen oder mal schnell auf den Balkon gehen, die Vögel hauen nicht ab.“ Sätze wie diese höre ich immer wieder. Und ebenso regelmäßig höre ich auch: „Der hat das doch noch nie gemacht, ich verstehe das nicht. Auf einmal ist er doch durch das gekippte Fenster entwischt, obwohl das früher nie so war.“ Daran gibt es nichts schönzureden: Wer Vögel im Freiflug hat und wissentlich ungesicherte Fenster oder Türen öffnet, und sei es auch nur für ein paar Sekunden, der handelt grob fahrlässig. Diesen Leichtsinn ihres Halters bezahlen viele Vögel mit dem Leben, wenn sie entfliegen und draußen zu Tode kommen, siehe weiter unten.

Bedenken Sie deshalb immer, dass ein Vogel im Freiflug sogar durch einen winzigen Fenster- oder Türspalt entfliegen kann, obwohl er sich zuvor nie für die Öffnung interessiert hat. Es kann zum Beispiel geschehen, dass sich das Tier erschreckt und zufällig auf den Spalt zufliegt. Oder aber es ist plötzlich neugierig, inspiziert den Spalt und entwischt nach draußen. Nicht umsonst gibt es im deutschen Sprachraum den Spruch „einmal ist immer das erste Mal“.

Ganz wichtig ist auch, dass Sie kleine Kinder immer im Blick haben. Es kann vorkommen, dass sie plötzlich eine Tür öffnen, durch die ein Vogel in einen Nachbarraum fliegen kann, in dem ein Fenster geöffnet ist. Auch wenn Sie Ihren Kindern alles noch so gut erklärt haben, können diese ins Spielen vertieft vergessen, dass die Gefahr des Entfliegens für Ihre Vögel besteht. Kalkulieren Sie dies immer mit ein und sichern Sie deshalb lieber Fenster und Türen, damit Vögel nicht versehentlich entfliegen können.

Fenster, Türen und Käfige oder Volieren sichern

Vergitterte Fenster verhindern ein Entfliegen.
Vergitterte Fenster verhindern ein Entfliegen.

Wenn Sie Ihre Vögel nicht einsperren möchten, während Sie lüften, sollten Sie ein Schutzgitter am Fenster anbringen. Wer handwerklich geschickt ist, kann so ein Gitter aus stabilem, zinkfreiem Volierendraht selbst bauen oder man nimmt Kontakt zu einem Volierenbauer auf, der maßangefertigte Fenstergitter herstellen kann. Türen sollten ebenfalls gesichert werden, was für gewöhnlich am besten durch Schleusen zu bewerkstelligen ist. Das heißt, wenn Ihre Vögel in einem Raum frei fliegen und Sie in anderen Räumen lüften, kann zum Beispiel eine Diele als Schleuse dienen. Bevor Sie in einen der Räume mit geöffnetem Fenster gehen, verlassen Sie das Freiflugzimmer, schließen die Tür hinter sich, gehen durch die Diele und öffnen dann erst die Tür zum Raum mit geöffnetem Fenster – sofern Ihnen kein Vogel gefolgt ist. Haben Ihre Vögel in einem Raum Freiflug, der eine Balkontür hat, sollte diese strikt geschlossen bleiben, während die Vögel außerhalb ihres Käfigs oder ihrer Zimmervoliere sind.

Falls Sie eine Balkontür haben, die vom Freiflugzimmer aus zu öffnen ist, und außerdem kleine Kinder in Ihrem Haushalt leben, sollten Sie einen abschließbaren Griff an der Tür anbringen. Schließen Sie die Balkontür ab und nehmen Sie den Schlüssel an sich, damit Ihre Kinder nicht versehentlich die Tür öffnen und einer Ihrer Vögel entfliegen kann. Balkontüren stattdessen mit einem Gitter zu sichern, ist meist viel zu unpraktisch; das Abschließen des Türgriffs ist leichter umsetzbar.

Denken Sie auch daran, Volieren und Käfige zu sichern, damit sich keine Türchen öffnen oder eingehängte Futternäpfe herunterfallen und Öffnungen freigeben, während Sie gerade lüften. Auch ins geöffnete Käfigtürchen eingehängte Badehäuschen, wie sie im Zoofachhandel angeboten werden, können herunterfallen und den Vögeln ein Entkommen ermöglichen.

Rückruftraining absolvieren

Viele Vögel lassen sich darauf trainieren, auf Zuruf angeflogen zu kommen.
Viele Vögel lassen sich darauf trainieren, auf Zuruf angeflogen zu kommen. © Ann Castro

Mit Papageien, Sittichen und einigen anderen gelehrigen Vogelarten lassen sich bestimmte Verhaltensweisen trainieren. Hierzu gehört es, auf Zuruf zum Halter zu fliegen. Man bezeichnet dies als Rückruftraining. Viele Halter verwenden hierbei das Wort „Komm“, um einen Vogel zu locken und halten ihm den erhobenen Arm als Landeplatz hin. Papageientrainer können Tipps dabei geben, wie das Rückruftraining am besten zu gestalten ist. Sofern das Training gut funktioniert, wird ein Vogel es bald lernen, sich vom Halter rufen zu lassen. Wenn Sie in Ihrer Wohnung trainieren, sollten Sie auch einen höheren Schwierigkeitsgrad einbauen: Sie rufen von einem anderen Zimmer aus Ihren Vogel zu sich, der Sie zunächst nicht sehen kann. Das ist wichtig, denn falls ein Vogel entfliegt, Sie ihn draußen aufspüren, weil Sie ihn hören, ist es nicht unbedingt immer so, dass Sie ihn auch sehen. Umgekehrt ist das ebenso. Falls Ihr Vogel dann aber weiß, dass er sich nach seinem Gehör richten und auf Ihre Stimme zufliegen muss, ist oft schon viel gewonnen.

Aber bitte beachten Sie: Auch wenn Ihr Vogel das Rückruftraining erfolgreich durchlaufen hat und im gewöhnten Umfeld zuverlässig auf Zuruf zu Ihnen fliegt, ist dies kein Garant dafür, dass es draußen in einer Stresssituation auch funktioniert. Das Vermeiden des Entfliegens sollte deshalb trotzdem immer allerhöchste Priorität haben, obwohl Ihr Vogel aufs Wort hört.

Wenn es doch passiert: das Verhalten entflogener Wellensittiche

Einen entflogenen Wellensittich draußen einzufangen, gelingt meist nur mit einem Lockmittel. © Andreas Lischka/Pixabay
Einen entflogenen Wellensittich draußen einzufangen, gelingt meist nur mit einem Lockmittel. © Andreas Lischka/Pixabay

Wie eine Reihe anderer Papageienarten auch, leben Wellensittiche in ihrer natürlichen Heimat, also in Australien, als Nomadenvögel. Sofern sie gerade nicht brüten, durchstreifen sie in großen Schwärmen riesige Gebiete auf der Suche nach Nahrung, Wasser und geeigneten Nistplätzen. Dabei richten sie sich überwiegend nach lokal vorherrschenden Umweltbedingungen und meiden zu trockene oder anderweitig unwirtliche Areale. Um als nicht standorttreue Vögel überleben zu können, verfügen wilde Wellensittiche über ein hervorragendes Flugvermögen, das ihnen die Bewältigung weiter Strecken problemlos ermöglicht.

Anders als etwa bei entlaufenen Katzen, die sich oft gern in einem bevorzugten Revier aufhalten, ist es daher bei entflogenen Wellensittichen meist so, dass sie sich innerhalb kürzester Zeit vom ehemaligen Zuhause entfernen. Oft sitzen die Sittiche zwar anfangs in Sichtweite ihres einstigen Heimes, erkennen dieses aber aufgrund der abweichenden und für sie unbekannten Perspektive nicht. Denn draußen sieht alles völlig anders aus als von zu Hause aus, wo die Vögel die Umgebung durch ein Fenster betrachten.

Erschrickt ein entflogener Vogel, streift ihn starker Wind oder packt ihn einfach die Lust aufs Fliegen, verliert er binnen weniger Sekunden sein Zuhause aus den Augen und damit jedweden Bezug zum Vogelhalter, den er bis dahin vielleicht noch von einem Baum aus beobachtet haben mag. Über einen angeborenen Instinkt für eine sichere Heimkehr, wie ihn beispielsweise Brieftauben haben, verfügen Wellensittiche nicht. Sie erkunden stattdessen auf der Suche nach guten Futterplätzen die Umgebung, ohne dabei zielgerichtet vorzugehen. Das heißt, es lässt sich kaum vorhersagen, wohin ein entflogener Wellensittich fliegen wird. Als Nomadenvogel lässt er sich buchstäblich einfach treiben.

Eventuell hält sich ein solcher Vogel kurz nach dem Entfliegen in einem Radius von bis zu einem Kilometer um sein altes Heim auf. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass er sich, spätestens wenn er hungrig wird, auf die Suche nach Futter begeben und sich dabei immer weiter vom ehemaligen Zuhause entfernen wird. Ihn zu finden oder gar einzufangen, ist dann ein überaus schwieriges Vorhaben. Man hat entflogene Wellensittiche nach nur drei bis vier Tagen schon in bis zu 50 km Entfernung von ihrem alten Heim aufgegriffen, was deutlich zeigt, wie gut viele dieser kleinen Papageien trotz vorheriger Haltung im Haus fliegen können. Völlig untrainierte oder stark übergewichtige Wellensittiche kommen hingegen meist nicht so weit und entfernen sich häufig nur rund maximal ein bis zwei Kilometer von ihrem Zuhause.

Überlebenschancen entflogener Wellensittiche

Im Winter haben es entflogene Vögel schwer damit, Nahrung zu finden. © moniquayle/Pixabay
Im Winter haben es entflogene Vögel schwer damit, Nahrung zu finden. © moniquayle/Pixabay

Für viele Besitzer entflogener Vögel ist die Ungewissheit über das Schicksal ihrer Schützlinge kaum zu ertragen. Sie stellen sich wieder und wieder die Frage, ob ihre Wellensittiche hierzulande draußen überhaupt überleben können und wie lange sie durchhalten. Pauschal lässt sich das nicht beantworten, denn es hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Ist das Wetter schlecht mit niedrigen Temperaturen und viel Regen, kann ein entflogener Wellensittich – wenn überhaupt – nur wenigen Tage in freier Natur überleben. Bei tiefen Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt und geschlossener Schneedecke gelingt es ihm mit großer Wahrscheinlichkeit nicht einmal, die erste Nacht im Freien lebend zu überstehen.

Während des Sommers und im Herbst stehen die Chancen für gefiederte Ausreißer am besten. Die Natur bietet den Tieren dann meist genügend Nahrung, sofern es nicht gerade eine längere Dürreperiode gegeben hat und die Heimvögel das hiesige Nahrungsangebot überhaupt kennen. Wellensittiche, die außer Körnerfutter nie etwas Frisches zu Gesicht bekommen haben, werden sich draußen schwer tun, etwas Essbares zu finden. Kennt ein Wellensittich aus seiner Haltung beispielsweise Wildgräser als schmackhaftes Futter, wird er sich schnell an die Bedingungen in freier Natur anpassen und dort die Samenstände der Gräser als Nahrung für sich zu nutzen wissen – sofern es ihm gelingt, welche zu finden.

Aufgrund der meist in ausreichenden Mengen verfügbaren Nahrung und der moderaten Temperaturen im Sommer und frühen Herbst können Wellensittiche theoretisch einige Wochen in der mitteleuropäischen Natur überleben. Es kommt jedoch bedauerlicherweise ebenso vor, dass ein entflogener Wellensittich etwas für ihn Ungenießbares oder Schädliches frisst und an einer Vergiftung stirbt. Ein trauriges Beispiel hierfür ist mein früherer Wellensittich Ceti, der mir 1993 zugeflogen ist und zu diesem Zeitpunkt bereits an einer Vergiftung gelitten hat, an deren Spätfolgen er trotz aller Bemühungen meines Tierarztes wenige Wochen später gestorben ist.

Wer sich nun fragt, wie die Chancen für einen entflogenen Wellensittich im Frühling stehen, der sei daran erinnert, dass es in dieser Zeit des Jahres vor allem nachts noch empfindlich kühl werden kann. Zudem gibt es im zeitigen Frühling noch nicht allzu viel passende Nahrung für Wellensittiche in unserer heimischen Natur, weshalb ihnen das Überleben während dieser Jahreszeit draußen oftmals etwas schwerer fällt als im Sommer und Herbst.

In einigen Großstädten schließen sich in den Stadtgärten übrigens im Sommer mitunter kleine Trupps entflogener Wellensittiche zusammen oder sie schließen sich Haussperlingen (Spatzen) an. Die Vögel handeln klug, denn im Schwarm sind sie erheblich weniger durch Fressfeinde gefährdet als wenn sie sich allein durchschlagen würden. Ein ohne Artgenossen umherziehender Wellensittich ist ständig durch Greifvögel, Katzen und einige weitere Fleischfresser bedroht. Die Gefahr, durch einen Beutegreifer erlegt zu werden, ist für entflogene Wellensittiche das gesamte Jahr über sehr groß. Besonders schwierig ist es, wenn Heimvögel von zu Hause den Anblick von Katzen kennen und diese nicht fürchten. Wenn sie dann in freier Natur irgendwo am Boden sitzen und nach Fressbarem suchen, haben Freigängerkatzen mit diesen entflogenen Wellensittichen ein leichtes Spiel.

Ebenso gefährlich ist es für im Siedlungsraum entflogene Vögel, wenn sie an dicht befahrenen Straßen entlang fliegen. Sie haben anders als unsere heimischen Wildvögel keine Erfahrung mit dem Straßenverkehr und prallen deshalb leider vergleichsweise oft mit Autos oder Lkw zusammen und sterben.

Erste Maßnahmen nach dem Entfliegen

So mancher Wellensittich entwischt nach draußen, wenn der Halter in der Nähe ist und versehentlich unachtsam oder leichtsinnig gewesen ist. Sollte Ihr Sittich entflogen sein und draußen noch in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnung zum Beispiel in einem Baum oder Strauch sitzen, kann es durchaus gelingen, ihn wieder einzufangen. Wichtig ist dabei jedoch, dass Sie Ihren Vogel auf gar keinen Fall erschrecken und zum panischen Auffliegen veranlassen sollten. Vermeiden Sie jedwede hektische Bewegung sowie schrille Rufe und werfen Sie niemals Gegenstände – zum Beispiel ein Handtuch zum Einfangen – in seine Richtung. Viel mehr sollten Sie beruhigend auf den Vogel einreden und ihn beispielsweise mit seinem Lieblingsfutter anlocken oder mit dem zuvor möglicherweise geübten Rückruf-Kommando zu sich lotsen.

Bei Vögeln, die das „Komm“-Kommando nicht beherrschen, ist ein Lockvogel oft die beste Hilfe dabei, sie wieder einzufangen. Nehmen Sie den Partnervogel oder einen anderen gefiederten Freund im sicher verschlossenen (!) Käfig mit nach draußen. Ruft dieser Vogel seinen entflogenen Gefährten, wird der Ausreißer sich mit etwas Glück anlocken lassen und auf den Käfig fliegen. Sitzt der entflogene Vogel dann tatsächlich dort, sollten Sie sehr vorsichtig zurück ins Haus gehen. Erst wenn Sie in geschlossenen Räumen sind – zum Beispiel im Hausflur -, ist es ratsam, den entflogenen Vogel mit der Hand oder einem Kescher einzufangen. Falls Sie ihn nicht erwischen sollten und er auffliegt, hat er im Haus keine Chance, Ihnen gänzlich zu entkommen, was draußen hingegen der Fall sein könnte.

Heute haben viele Menschen ein Smartphone, mit dem sich draußen Vogelrufe abspielen lassen, die entflogene Vögel anlocken können. © TeroVesalainen/Pixabay
Heute haben viele Menschen ein Smartphone, mit dem sich draußen Vogelrufe abspielen lassen, die entflogene Vögel anlocken können. © TeroVesalainen/Pixabay

Manchmal ist der entflogene Vogel ein Stück weit von zu Hause weg oder man kann keinen Lockvogel dorthin mitbringen, wo er sich aufhält. Dann sollten Sie einen leeren Käfig mit nach draußen nehmen und versuchen, Ihren Vogel mit den Rufen seines Partners oder seiner Artgenossen anzulocken, die Sie mit Ihrem Handy laut abspielen. Dafür müssen Sie die Rufe nur vorher aufnehmen oder aus dem Internet herunterladen – und schon haben Sie sie immer griffbereit, falls Sie sie draußen in einem Notfall benötigen.

Bitte befolgen Sie auf gar keinen Fall den an manchen Stellen gegebenen Rat, einen im Geäst sitzenden entflogenen Wellensittich mittels eines Gartenschlauches zu durchnässen. Für so kleine Vögel wie Wellensittiche ist der Wasserstrahl meist zu hart und er könnte die Tiere verletzen oder gar töten. Hinzu kommt, dass sie sich meist vor dem Wasser erschrecken und davonfliegen, noch bevor ihr Gefieder so durchnässt ist, dass kein Wegfliegen mehr möglich ist. Denn auf letzteres soll diese Methode abzielen, aber sie funktioniert in der Praxis meist nicht und bewirkt eher das Gegenteil: Der völlig panische Vogel fliegt so schnell er kann so weit wie möglich davon.

Das sofortige Einfangen hat nicht geklappt – was nun?

Auch Unzertrennliche gehören zu den beliebten Heimvögeln und viele von ihnen entfliegen in unbeobachteten Momenten. © Xenya/Pixabay
Auch Unzertrennliche gehören zu den beliebten Heimvögeln und viele von ihnen entfliegen in unbeobachteten Momenten. © Xenya/Pixabay

Ist Ihr Wellensittich aus Ihrer Sichtweite verschwunden, ist es wichtig, es systematisch zu suchen. Informieren Sie so viele Menschen wie möglich darüber, dass Ihr Tier davongeflogen ist. Holen Sie sich im Freundes- und Bekanntenkreis Unterstützer, die mit Ihnen einerseits draußen nach dem Vogel suchen und Sie andererseits dabei unterstützen, Informationen über Ihren entflogenen Sittich zu streuen. Sie oder einer Ihrer Helter sollten umgehend Annoncen in Tageszeitungen in Ihrem Wohnort und in den umliegenden Städten schalten. Auch in der Onlineausgabe Ihrer regionalen Tageszeitung oder einer ähnlichen Publikation sollten Sie eine Anzeige schalten beziehungsweise nach einer Anzeige Ausschau halten, denn eventuell hat der Finder Ihres Vogels dort inseriert.

Außerdem sollten Sie in jedem Fall das örtliche Tierheim sowie diejenigen der unmittelbaren Nachbarstädte benachrichtigen und Ihren Vogel dort als vermisst oder entflogen melden. Das ist wichtig, weil viele Menschen, die ein Tier finden, im Tierheim anrufen oder es dort abgeben. Tierarztpraxen im Umkreis einiger Kilometer sollten Sie ebenso informieren, denn möglicherweise wird Ihr Vogel geschwächt oder verletzt aufgefunden und zum Arzt gebracht. Wird er dort erkannt, nimmt man womöglich Kontakt zu Ihnen auf und informiert Sie darüber, dass er in Behandlung ist. Immer wieder kommt es außerdem vor, dass sich Vogelfinder an die Polizei, die Feuerwehr oder gar an Zoofachgeschäfte in der Nähe wenden. Diese Anlaufstellen zu kontaktieren und darauf hinzuweisen, dass Ihr Vogel entflogen ist, kann folglich meist nicht schaden.

In der näheren Umgebung Ihres Hauses sollten Sie Zettel (Flyer) aufhängen, die darauf hinweisen, dass Ihnen ein Vogel entflogen ist. Wichtig ist dafür, dass ein Foto Ihres Vogels auf dem Flyer zu sehen ist, auf dem er gut zu erkennen ist. Sehr hilfreich ist es, eine möglichst hohe Belohnung auszuloben. Wer einen niedlichen entflogenen Wellensittich findet, möchte ihn vielleicht nicht mehr abgeben. Wird auf dem Flyer eine hohe Belohnung versprochen, kann dies den Finder möglicherweise doch überzeugen, den Fundvogel wieder herzugeben.

Website 'Suchdienst für Vögel' des ZZF e. V.
Website ‚Suchdienst für Vögel‘ des ZZF e. V.

Darüber hinaus besteht auf einigen Internetseiten die Möglichkeit, eine meist kostenlose Online-Annonce aufzugeben. Eine sehr gute Anlaufstelle ist zum Beispiel Tiersuchdienst.org. Auf Facebook gibt es Gruppen, in denen entflogene Vögel gemeldet werden können. In Foren über Wellensittiche wie beispielsweise das Forum des VWFD, das von Welli.net oder das Forum der Wellensittich- und Nymphensittich-Community sollten Sie ebenfalls Beiträge veröffentlichen. Sofern Ihr Vogel beringt ist und Sie die Ringnummer kennen, könnte der Suchdienst für Vögel des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe e. V. (ZZF) eine weitere gute Anlaufstelle sein. Dort können Sie zu bestimmten Zeiten auch anrufen. Hinweise zu den Sprechzeiten finden Sie auf der Website des ZZF.

Suchen Sie außerdem im Internet auf den genannten Webseiten nach Annoncen von Menschen, denen Vögel zugeflogen sind. Eventuell hat ja jemand Ihren Vogel aufgegriffen und versucht nun, dessen Besitzer, also Sie, zu finden. In sozialen Online-Netzwerken wie Facebook gibt es ebenfalls bestimmte virtuelle Anlaufstellen, um entflogene oder zugeflogene Vögel zu melden. Schauen Sie sich dort unbedingt um! Wenn Sie selbst dort nicht aktiv sind, kann Ihnen möglicherweise jemand aus Ihrer Verwandtschaft oder dem Freundeskreis helfen.

Es bleibt zu hoffen, dass Sie Ihren entflogenen Vogel wieder zurückbekommen. Seien Sie sich aber immer dessen bewusst, dass die Chancen in vielen Fällen leider nicht sehr gut stehen. Stellen Sie sich emotional darauf ein, dass Sie Ihren Vogel mit einer vergleichsweise hohen Wahrscheinlichkeit nie mehr wiedersehen. Trotzdem wünsche ich Ihnen natürlich von Herzen, dass Sie und Ihr Ausreißer Glück haben und ein Wiedersehen feiern können.

Linktipp
Die Papageienexpertin Ann Castro hat einen hilfreichen Podcast zum Thema veröffentlicht: Vogel entflogen – Diese Tipps helfen dir, ihn wiederzufinden

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