Obst

Dieser Katharinasittich lässt sich Weintraubenstücke aus einem Keramiknapf schmecken.
Dieser Katharinasittich lässt sich Weintraubenstücke aus einem Keramiknapf schmecken.

Frisches Obst ist bei vielen Vögeln meist heiß begehrt, sofern sie sich erst einmal an die gesunden Köstlichkeiten gewöhnt haben. Hierbei ist das Wort „Vögel“ bewusst gewählt und nicht immer gleichbedeutend mit „Wellensittiche“. Die wilden Verwandten unserer in Menschenobhut gehaltenen Wellensittiche leben in trockenen Gegenden Australiens und Obst gehört nicht zu ihrem natürlichen Speiseplan. Deshalb nehmen als Heimvögel gehaltene Wellensittiche oft Obst nicht sonderlich gern an. Entweder entscheidet man sich dann dafür, ihnen stattdessen lieber das für sie viel gesündere Gemüse anzubieten, oder aber man setzt auf Geduld. Bei süßen Äpfeln oder Birnen kommen meist sogar die hartnäckigsten „Frischkost-Verweigerer“ irgendwann auf den Geschmack. Außerdem bietet Obst nicht nur kulinarische Abwechslung, sondern es bringt darüber hinaus Spaß in den Vogelalltag, weil man mit den Leckereien hervorragend spielen kann, sofern der Halter sie als Belohnung in speziellen Futterspielzeugen (Treat-Spielzeugen) einsetzt. Dabei ist aber unbedingt auf die Hygiene zu achten.

Grundsätzlich sollten Vogelhalter Obst stets mit Bedacht reichen, denn aufgrund des darin enthaltenen Fruchtzuckers fördert es die Entstehung von Übergewicht, wenn die Tiere es in zu großen Mengen fressen. Zudem kann es bei einigen Tieren zu Verdauungsbeschwerden kommen. Vor allem Wellensittiche, aber auch einige andere Vogelarten sollten deshalb nicht zu viel Obst zu sich nehmen. Täglich ein kleines Stück zu reichen – am besten in Kombination mit viel Gemüse – ist ratsam. Einige Vogelarten wie Katharinasittiche brauchen hingegen täglich viel Obst, idealerweise verschiedene Sorten. Der Grund dafür ist, dass sie keine reinen Körnerfresser sind, sondern nur mit einer frischkostreichen Ernährung fit und gesund bleiben.

Hinsichtlich der Fütterung der Vögel mit Obst gibt es einige Aspekte zu beachten, mit denen Vogelhalter vertraut sein sollten, damit sie ihren Tieren nicht ungewollt schaden. So ist beispielsweise die Sauberkeit ein wichtiges Thema, das ebenso wie einige andere Aspekte auf dieser Seite aufgegriffen wird. Weiter unten finden Sie Informationen zu folgenden Themenfeldern rund um Obst:

Obst und Früchte von A bis Z

  • Açaí (Acai-Beeren)
  • Ananas
  • Apfel
  • Aprikose
  • Banane (nicht alle Vögel mögen diese klebrige Frucht)
  • Birne
  • Blaubeere
  • Blutorange1
  • Brombeere
  • Cherimoya
  • Clementine1
  • Drachenfrucht (Pitahaya)
  • Erdbeere
  • Feige (frisch oder getrocknet2)
  • Getrocknete Dattel2
  • Granatapfel
  • Guave
  • Heidelbeere
  • Himbeere
  • Holunderbeere (siehe eigenes Kapitel)
  • Holzapfel
  • Honigpomelo1
  • Japanische Mispel (Loquat)
  • Johannisbeere (rot, schwarz und weiß)
  • Jostabeere
  • Kaki3
  • Kaktusfeige
  • Kapstachelbeere (Physalis)
  • Karambole (Sternfrucht)
  • Kirsche
  • Kiwi
  • Litschi
  • Mandarine1
  • Mango
  • Maulbeere4 (siehe eigenes Kapitel)
  • Melone5
  • Mirabelle
  • Nashi
  • Nektarine
  • Orange1
  • Papaya
  • Pitahaya (Drachenfrucht)
  • Pfirsich
  • Pflaume
  • Quitte
  • Rambutan
  • Reneklode (Edel-Pflaume)
  • Sharon3
  • Stachelbeere
  • Tamarillo (Baumtomate)
  • Weintraube
  • Zimtapfel (Schuppenannone)
  • Zwetschge

Erläuterungen zum Obst und zu Früchten

Orangen und andere Zitrusfrüchte sind relativ säurehaltig und werden nicht von allen Vögeln gut vertragen. © LoggaWiggler/Pixabay
Orangen und andere Zitrusfrüchte sind relativ säurehaltig und werden nicht von allen Vögeln gut vertragen. © LoggaWiggler/Pixabay

1. In Zitrusfrüchten steckt viel Fruchtsäure. Diese kann bei einigen Vögeln zu Reizungen der Schleimhäute des Verdauungstraktes führen. Zeigt ein Ziervogel nach dem Genuss von Zitrusfrüchten Unwohlsein, sollte ihm diese Frischkost zukünftig nicht mehr gereicht werden. Generell sollten Orangen und Co. nur in geringen Mengen verfüttert werden, um keine Verdauungsprobleme zu riskieren.

2. Es gibt ungezuckerte getrocknete Datteln, sogenannte Soft-Datteln; auch entsprechende Feigen sind im Handel erhältlich. Diese Soft-Früchte können Sie Ihren Vögeln gelegentlich als Futter reichen. Geben Sie sie ihnen nicht zu oft, da getrocknete Datteln und Feigen aufgrund ihres hohen natürlichen Zuckergehalts echte Dickmacher sind.

3. Kaki und Sharon sollten nur in reifem Zustand verfüttert werden, wenn die Früchte angenehm süß schmecken. Unreife Kaki/Sharon enthalten zu viele Gerbstoffe und werden von Vögeln deshalb meist nicht gut vertragen.

4. Tipp: Wellensittiche und viele andere Heimvögel essen nicht nur gern die Beeren selbst, sondern auch die Blätter des Maulbeerbaums.

5. Jede Art von Melone ist bei Wellensittichen und vielen anderen Vögeln gleichermaßen beliebt. Von der Wassermelone über die Galia bis hin zur Honigmelone sind sämtliche Sorten für die Tiere ein gesunder Leckerbissen.

Schädliches und unverträgliches Obst

Viele Vogelarten vertragen frische Zitrusfrüchte wegen der darin enthaltenen Säure nur in Maßen. © Alexas_Fotos/Pixabay
Viele Vogelarten vertragen frische Zitrusfrüchte wegen der darin enthaltenen Säure nur in Maßen. © Alexas_Fotos/Pixabay

Bitte verfüttern Sie folgendes frisches Obst entweder gar nicht oder nur in geringen Maßen:

  • frische Datteln (enthalten viele Gerbstoffe)
  • Grapefruit, Pampelmuse (enthält viel Fruchtsäure und ist den Vögeln oft zu bitter)
  • Kumquat (enthält viel Fruchtsäure)
  • Passionsfrucht bzw. Maracuja (enthält viel Fruchtsäure)
  • unreife Kaki beziehungsweise Sharon (enthält viele Gerbstoffe)
  • Zitrone und Limette/Limone (enthalten viel Fruchtsäure)

Obst vorbereiten und servieren

Ein Grünwangen-Rotschwanzsittich an einem Stück Obst. © vargazs/Pixabay
Ein Grünwangen-Rotschwanzsittich an einem Stück Obst. © vargazs/Pixabay

Oft kommt es darauf an, wie Sie Obst oder Früchte Ihren Vögeln anbieten. Die Darreichungsform entscheidet häufig darüber, ob die Tiere diese gesunde Nahrung annehmen oder nicht. Darüber hinaus kann es ratsam sein, die Früchte so aufzubereiten, dass von ihnen keine Gesundheitsgefahr für die Vögel ausgeht.

Beispielsweise werden Äpfel von vielen Vögeln mit Genuss gefressen. Doch nahezu sämtliche Apfelsorten, die aus dem Ausland stammen, haben eine gewachste Schale. Es empfiehlt sich deshalb, die Schale solcher Äpfel zu entfernen, bevor man den Vögeln Apfelstücke reicht. Die Schale deutscher Äpfel ist hingegen normalerweise grundsätzlich nicht gewachst, dieses Obst kann den Vögeln mitsamt der Schale gereicht werden. Außerdem sind in Deutschland geerntete Äpfel in aller Regel mit erheblich weniger Schadstoffen belastet als Obst aus fernen Ländern, die für den Transport haltbar gemacht und hierfür mit verschiedenen Mitteln behandelt werden. Grundsätzlich ist es daher empfehlenswert, Vögel mit einheimischem Obst zu füttern.

Aus fernen Ländern importiere Äpfel haben oft eine gewachste Schale, weshalb man sie am besten vor dem Servieren schälen sollte. © cocoparisienne/Pixabay
Aus fernen Ländern importiere Äpfel haben oft eine gewachste Schale, weshalb man sie am besten vor dem Servieren schälen sollte. © cocoparisienne/Pixabay

Für viele weitere Obstsorten, die beispielsweise aus Neuseeland oder Südamerika stammen, gilt in Bezug auf die Schadstoffbelastung und die Behandlung der Schale dasselbe wie für Äpfel. Man sollte seinen Tieren beispielsweise Orangen, Mandarinen und Clementinen niemals mit Schale anbieten, wenn diese zuvor mit Chemikalien imprägniert worden ist. Es ist viel eher sinnvoll, den Vögeln diese Zitrusfruchtsorten in der von der Natur vorgesehenen Portionierung zu servieren. Die einzelnen Fruchthäppchen kann man für mäkelige Esser unter den Vögeln zuvor von der dünnen Haut, die das Fruchtfleisch umgibt, befreien. Auf diese Weise zubereitet, fressen beispielsweise Wellensittiche das saftige Fruchtfleisch am liebsten. Aber bitte beachten Sie: Zitrusfrüchte sollten nicht zu oft gereicht werden, weil sie bei empfindlichen Vögeln zu Verdauungsbeschwerden führen können, siehe unter Punkt 1.

Wer unbehandelte Zitrusfrüchte oder Äpfel aus biologischem Anbau kauft, kann den Tieren das Obst normalerweise ruhigen Gewissens ungeschält beziehungsweise in der Schale reichen. Doch auch hier gilt, dass eine Kontrolle immer sinnvoll ist. Reiben Sie an der Schale und fühlt sich diese irgendwie „behandelt“ an, sollten Sie sie sicherheitshalber vor dem Servieren entfernen.

Hygiene rund um Obst und Früchte

Frisches Obst wie Äpfel sollten Vögeln maximal zwei Stunden zur Verfügung stehen, weil Hefe- und Schimmelpilze dazu neigen, sich auf der süßen Frischkost sehr schnell zu vermehren.
Frisches Obst wie Äpfel sollten Vögeln maximal zwei Stunden zur Verfügung stehen, weil Hefe- und Schimmelpilze dazu neigen, sich auf der süßen Frischkost sehr schnell zu vermehren.

Beim Verfüttern von Obst oder Früchten ist es notwendig, auf eine größtmögliche Sauberkeit zu achten. Weil die Belastung mit Hefepilzen bei zuckerhaltigem Obst innerhalb kürzester Zeit rasant steigt, sollten Früchte und Obststücke für die Vögel nicht länger als zwei Stunden zugänglich sein. Dies gilt auch dann, wenn die Frischkost augenscheinlich sauber aussieht und am selben Tag für die Tiere aufgeschnitten wurde. Vor allem in der warmen Jahreszeit kann Obst außerdem nicht nur massiv von Hefepilzen überwuchert werden, sondern rasch schimmeln oder faulen. Von Schimmel geht für Heimvögel ein großes Gesundheitsrisiko aus!

Zum Befestigen von Obststücken am Käfig oder an der Zimmervoliere bietet der Fachhandel spezielle Klammern an. Diese auch als Universalklemmen oder Hirseclips bezeichneten Hilfsmittel zum Befestigen müssen täglich gründlich gereinigt werden, damit sich an ihnen keine Obstreste sammeln. Falls Sie Kunststoff-Clips verwenden, sollten Sie diese nach spätestens ein bis zwei Monaten durch neue ersetzen; Edelstahlklemmen können hingegen so lange genutzt werden, bis ihr Klemm-Mechanismus nicht mehr funktioniert. Darüber hinaus gibt es spezielle Obstspieße aus Edelstahl, mit deren Hilfe sich diese Frischkost ebenfalls hygienisch befestigen lässt.

Obstreste am Futternapf und in dessen Umgebung können rasch schimmeln oder von Hefepilzen besiedelt werden und sollten deshalb umgehend entfernt werden. © AlexisLeon/Pixabay
Obstreste am Futternapf und in dessen Umgebung können rasch schimmeln oder von Hefepilzen besiedelt werden und sollten deshalb umgehend entfernt werden. © AlexisLeon/Pixabay

Auf keinen Fall dürfen nach dem Reinigen Obstreste an den Klammern, Fruchtspießen oder Futternäpfen verbleiben, denn sie sind ein perfekter Nährboden für Hefen, Schimmelpilze und viele Bakterienarten, was der Gesundheit der Vögel schaden würde. Auch die nähere Umgebung des Futterplatzes könnte mit Obstresten bedeckt sein, die die Vögel beim Fressen am Schnabel kleben hatten und durch Reiben an Gegenständen oder durch kräftiges Schütteln des Kopfes losgeworden sind. Diese klebrigen Obststücke müssen genau wie das Obst selbst immer schnell aus der Reichweite der Tiere entfernt werden.

Weitere Tipps zum Befestigen von Frischkost und rund um die Reinigung der Hilfsmittel finden Sie in einem separaten Kapitel zu diesem Thema.

Vorsicht, Schad- und Giftstoffe!

Oftmals sind Obst und Früchte aus dem städtischen Raum nicht für das Verfüttern an Vögel geeignet, sofern sie aus Gärten stammen, in denen mit Pestiziden gearbeitet wird. Denn dies geschieht erschreckend häufig und es sind keineswegs ausschließlich die Landwirte, die Pflanzenschutzmittel einsetzen. Mitunter lassen sich Früchte auch auf Brachflächen ernten. Hierbei ist zu beachten, dass der Boden möglicherweise aufgrund der vorherigen Nutzung beispielsweise mit Schwermetallen kontaminiert sein könnte. Das ist in Industrie- und Ballungsräumen leider relativ häufig der Fall. Die Schadstoffe aus Autoabgasen, die früher ein großes Problem dargestellt haben, sind inzwischen jedoch kaum mehr der Rede wert. In diesem Punkt hat sich glücklicherweise in den vergangenen Jahren sehr viel getan.

„Obstsalat“ für gefiederte Feinschmecker

Gelbbrustara mit Obstsalat. © Fablegros/Pixabay
Gelbbrustara mit Obstsalat. © Fablegros/Pixabay

Manche Vögel bevorzugen es, ihre tägliche Obstration selbst zu zerkleinern, indem sie große Stücke zerbeißen. Aber es gibt auch Vögel, die lieber „Obstsalat“ essen, also klein geschnittene Früchte. Solche Obstsalate haben den Vorteil, dass der Halter eine breite Geschmacksvielfalt bieten kann, denn wenn beispielsweise schnabelgerechte Stücke von fünf oder sechs Obstsorten gereicht werden, ist meist für jeden Geschmack etwas dabei. Selbstverständlich können Obstsalate auch mit Gemüsestücken vermischt werden. Auch frische Küchenkräuter werden von vielen Wellensittichen und anderen Vögeln als Bestandteil eines solchen Frischkostsalates geschätzt. Getrocknete Kräuter können selbstverständlich ebenfalls verwendet werden, sie durchfeuchten meist recht schnell im Obstsalat. Wird sehr flüssigkeitsreiche Frischkost wie etwa Melone im Obstsalat verwendet, geschieht dies besonders rasch.

Bitte beachten Sie, dass für den Obstsalat dieselben Hygieneregeln gelten wie für Obst an sich. Er sollte zur Vermeidung einer Verpilzung nicht länger als zwei Stunden für die Vögel zugänglich sein.

Trockenfrüchte, Tiefkühl- und Konservenobst

Obst und Beeren sind nach dem Einfrieren oft matschig und werden von vielen Vögeln so nicht gern genommen. © Free-Photos/Pixabay
Obst und Beeren sind nach dem Einfrieren oft matschig und werden von vielen Vögeln so nicht gern genommen. © Free-Photos/Pixabay

Falls Sie Ihren Vögeln Trockenfrüchte anbieten möchten, müssen Sie darauf achten, dass diese nicht geschwefelt sind. Der Organismus der Vögel reagiert extrem empfindlich auf Chemikalien wie Schwefel oder andere Konservierungsstoffe. Was für den Menschen eine harmlose Dosis darstellt und vom Gesetzgeber erlaubt ist, kann für kleine Vögel wie zum Beispiel Wellensittiche äußerst gefährlich sein. Am besten verfüttert man daher ausschließlich ungeschwefeltes Trockenobst, das in manchen Drogeriemärkten, in Reformhäusern oder Bio- beziehungsweise Naturkostläden erhältlich ist. Kandierte Trockenfrüchte sollte man Vögeln wegen des hohen Zuckergehalts am besten nicht anbieten oder allenfalls hin und wieder in kleinen Mengen als besondere Leckerbissen reichen.

Obst aus Konservendosen oder Gläsern sollte ebenfalls nicht auf dem Speiseplan der Vögel stehen, weil es für gewöhnlich stark gezuckert ist. Durch das Einkochen sind überdies die meisten Vitamine, die in der frischen Frucht enthalten waren, zerstört worden. Deshalb ist Obst aus der Gläsern oder Konservendosen für Vögel lediglich eine süße Kalorienbombe ohne eine nennenswerte Menge verwertbarer wertvoller Inhaltsstoffe. In etlichen Dosenobstsorten sind außerdem Konservierungsstoffe enthalten, die für Vögel schädlich sein können. Ungezuckertes Tiefkühlobst, zum Beispiel Beeren, können nach dem Auftauen hingegen normalerweise ohne Bedenken verfüttert werden, sofern die Hygieneregeln eingehalten werden und sich auf dem Obst keine Bakterien vermehren können. Viele Vögel fressen einmal eingefrorenes und wieder aufgetautes Obst aber aufgrund der matschigen Konsistenz nicht gern.

Obst und Früchte für Jungvögel

Nicht nur für erwachsene Vögel, sondern auch für Jungtiere ist Gemüse gesund.
Nicht nur für erwachsene Vögel, sondern auch für Jungtiere ist Gemüse gesund.

Das Gerücht, junge Heimvögel dürften keine Frischkost zu sich nehmen, hält sich leider sehr hartnäckig. Immer wieder liest man in Online-Foren oder in Facebook-Beiträgen, dass Züchter oder sogar Tierärzte den Haltern empfehlen, zum Beispiel ihren Wellensittichen erst dann Frischkost zu reichen, wenn sie mindestens ein halbes Jahr alt sind, weil der Darm vorher angeblich nicht vollständig ausgebildet sei. Das ist jedoch blanker Unsinn.

Ein Jungvogel, der aus dem Ei schlüpft, hat einen voll ausgereiften (=entwickelten) Darm, sonst könnte er keine Nahrung verdauen. Weil er kurz nach dem Schlupf schon von den Eltern mit Nahrung versorgt wird, muss der Darm funktionieren, anderenfalls könnte der Vogel nicht heranwachsen.

Was ihm zu Beginn fehlt, ist eine natürliche Darmflora. Der anfangs noch „jungfräuliche“ Darm wird mit gutartigen Bakterien „geimpft“, die das Jungtier über den Nahrungsbrei von seinen Eltern erhält. Diese gutartigen Keime nisten sich sogleich im Darm ein. Normalerweise baut sich auf diesem Wege bei Jungvögeln die natürliche Darmflora innerhalb weniger Wochen vollständig auf. Das heißt, sobald zum Beispiel ein junger, gesunder Wellensittich das Nest verlässt, was meist im Alter von ca. fünf Wochen geschieht, ist sein Darm so beschaffen wie der der Altvögel – inklusive der natürlichen Darmflora.

Es handelt sich bei den jungen Tieren somit um körperlich vollständig ausgewachsene, jugendliche Wellensittiche und keine Jungtiere (= Küken) im eigentlichen Sinne. Sobald ein junger Wellensittich das Nest verlassen hat und futterfest ist, kann man ihm deshalb ruhigen Gewissens Frischkost reichen. Die darin enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe wirken sich positiv auf seine Gesundheit aus. Und auch während der Jungenaufzucht brauchen die Eltern frische, vitaminreiche Kost, um ihren Nachwuchs optimal mit Nährstoffen versorgen zu können.