Budgerigar Fledgling Disease (BFD)

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16 Tage alter, an BFD erkrankter Bourkesittich
16 Tage alter, an BFD erkrankter Bourkesittich

Die englische Bezeichnung Budgerigar Fledgling Disease, kurz BFD, bedeutet auf Deutsch „Wellensittich-Nestlings-Krankheit“. Anhand des Namens lässt sich also bereits ableiten, dass von dieser gravierenden Erkrankung Jungvögel betroffen sind. Doch anders als es der Name vermuten lässt, erkranken keineswegs ausschließlich Wellensittiche daran, sondern auch andere Sitticharten.

Verursacht wird BFD durch Polyomaviren und manche Experten gehen davon aus, dass es sich bei der Erkrankung um eine starke Verlaufsform derselben Infektion handeln könnte, die in einer milden Form die Französische Mauer hervorruft. Gänzlich gesichert ist diese Erkenntnis jedoch noch nicht, weshalb es unter den Experten auch gegenteilige Ansichten gibt.

Wie gravierend die Auswirkungen eines Befalls mit BFD sind, darüber informiert dieses Kapitel von Birds Online. Seit vielen Jahren hält die Vogelliebhaberin Andrea Szabo bereits verschiedene Sitticharten und andere Vögel. Sie hat ihre Tiere in der Vergangenheit auch Nachwuchs großziehen lassen. Vor einiger Zeit hat sich in ihrem Vogelbestand eine seltsame Erkrankung gezeigt, der immer wieder Jungvögel zum Opfer gefallen sind. Inzwischen weiß Andrea Szabo, dass es sich dabei um BFD handelt. Um ihr Wissen zu teilen, hat sie Anfang 2013 einen Erfahrungsbericht über diese tückische Erkrankung geschrieben, der viele wichtigen Informationen enthält.


Wie alles anfing

Erfahrungsbericht und Bilder von Andrea Szabo (Budgie Bytes), Februar 2013

14 Tage alter, an BFD erkrankter Bourkesittich
14 Tage alter, an BFD erkrankter Bourkesittich

Im Jahr 2006 begann ich mit der sporadischen Zucht von Neophemen. Seither sind vereinzelt immer wieder junge Vögel nach dem Schlupf verkümmert und schließlich gestorben. Jedoch wurde mir erst Jahre später bewusst, dass es sich dabei stets um dasselbe Phänomen handelte. Zugute kamen mir dabei im Nachhinein die vielen Fotos, die ich seinerzeit während der Bruten angefertigt hatte.

Weil sich immer wieder Fälle verkümmerter Jungvögel zeigten, gab ich die Zucht im Sommer 2012 auf. Doch es sollte noch etliche Monate dauern, bis ich zu einem Ergebnis kam, was die Ursache für diese Todesfälle betrifft. Denn die zugrunde liegende Viruserkrankung ist im deutschsprachigen Raum bisher nicht sehr beachtet oder sie wird oft mit der Französischen Mauser gleichgesetzt, da die Krankheitserreger in beiden Fällen zur Polyomagruppe gehören.

Meine Erfahrung lehrte mich, dass sich die Symptome der beiden Erkrankungen jedoch erheblich unterscheiden. Die Französische Mauser zeigt sich erst ab einem Alter, in dem die an BFD erkrankten Küken meist bereits längst aus dem Leben geschieden sind. Man kann sagen, dass die Gefiederprobleme bei der Französischen Mauser für gewöhnlich ab einem Alter von drei Wochen beginnen, wenn die Küken bereits einen Großteil ihrer Federn tragen, wohingegen die von BFD betroffenen Jungvögel oft nicht älter als ein bis zwei Wochen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt bildet sich bei ihnen aufgrund der verzögerten Entwicklung in aller Regel kein nennenswertes Gefieder.

Darüber hinaus war ich hinsichtlich der Ursache bedauerlicherweise relativ lang auf der falschen Fährte. Der Grund dafür war, dass einerseits eine Untersuchung eines verstorbenen Jungvogels in Bezug auf Polyoma ein negatives Ergebnis zutage brachte. Andererseits war ich aufgrund eines Hinweises eines Vogelexperten der Ansicht, dass ein Befall meines Vogelbestandes mit Bakterien, genau genommen E. coli, die Ursache für die Todesfälle unter den Jungvögeln sein würde. Da sich zunächst keine passendere Erklärung anbot, recherchierte ich lange Zeit erfolglos weiter. Allerdings konnte mir kein Züchter, kein Tierarzt und keine Tierklinik einen Zusammenhang zwischen diesen Bakterien und den in meinem Vogelbestand aufgetretenen Symptomen erklären. Wirklich ausschließen konnte ich E. coli als Ursache dennoch nicht, weil ein mäßiger Befall mit diesem Erreger bei meinen Tieren nachgewiesen wurde.

Folgender Verlauf ergab sich bei den Bruten in meinem Vogelbestand:

  Jahrgesunde Kükenverkümmerte Kükenungeklärter Todtaube Eier
  20050012
  20064112
  20070103
  20081006
  20091102
  20102307
  2011131211
  201201044
  Gesamt218477

BFD und die Verwechslungsgefahr mit anderen Erkrankungen

Zwei gleich alte Bourkesittiche, von denen einer an BFD leidet: Beide Vögel sind 23 Tage alt. Deutlich ist zu sehen, dass der rechte Vogel in seinem Wachstum stark zurückgeblieben ist
Zwei gleich alte Bourkesittiche, von denen einer an BFD leidet:
Beide Vögel sind 23 Tage alt. Deutlich ist zu sehen, dass der
rechte Vogel in seinem Wachstum stark zurückgeblieben ist

Zuerst wurde die Erkrankung bei Wellensittichen beschrieben, woraus sich der Name Budgerigar Flegdling Disease (BFD) ableitet. Zu Deutsch heißt diese Bezeichnung wörtlich übersetzt „Wellensittich-Nestlings-Krankheit“. Sie ist außerdem unter den alternativen Namen Nestlingskrankheit, Jungvogelkrankheit, Nestlingssterblichkeit bei Wellensittichen oder anderen ähnlich lautenden Bezeichnungen in der Fachliteratur zu finden. Auslöser dieser Erkrankung ist ein Virus aus der Polyomafamilie.

BFD sollte nicht mit „Polyoma“ verwechselt werden. Damit ist im allgemeinen Sprachgebrauch für gewöhnlich die die Französische Mauser (Hopser-, Rennerkrankheit) gemeint. Auch mit PBFD (Psittacine Beak and Feather Disease), einer schweren Erkrankung mit einer recht ähnlichen Abkürzung, sollte BFD nicht verwechselt werden. Tatsächlich wird die Französische Mauser zwar ebenfalls durch ein Virus aus der Polyomagruppe hervorgerufen. Doch es handelt sich wahrscheinlich um eine andere Polyomaviren-Art als bei BFD. Die Erkrankung PBFD wird wiederum durch ein Circovirus ausgelöst.

An manchen Stellen wird als Ursache für BFD zudem Papova genannt. Dies ist heute jedoch nicht mehr korrekt, da der früher geltende Oberbegriff Papoma für Viren der Familien Polyoma, Papilloma und SV40 inzwischen abgelöst wurde. Das heißt, er ist in der heutzutage offiziellen Taxonomie nicht mehr gültig.

Symptome der BFD

13 Tage alter, an BFD erkrankter Bourkesittich mit stark gerötetem Bauch
13 Tage alter, an BFD erkrankter Bourkesittich mit stark gerötetem Bauch

Gelegentlich traten in meinem Bestand Küken auf, deren Wachstum ab einem gewissen Alter endete. Vermutlich litten sie jedoch bereits von Beginn an unter einem verzögerten Wachstum. Betroffen waren insgesamt acht Vögel, darüber hinaus gab es vier weitere ungeklärte Todesfälle innerhalb von acht Jahren. Beobachten ließen sich Spreizbeine, rachitisch wirkende Beine, verkümmerte Zehen, verkümmerte Flügel, bei einigen Tieren eine Asymmetrie des Körpers sowie ein roter, geschwollen wirkender Unterbauch. Bei einigen Individuen öffneten sich die Augen nicht oder, sofern das Küken lange genug lebte, erst viele Tage nach dem Termin, an dem dies normalerweise geschehen sollte. Einige meiner Küken hatten verengte Lider und manche der Jungtiere konnten nicht stehen oder sitzen.

Meist trat der Tod zwischen dem zehnten und 16. Lebenstag ein, in zwei Fällen erst im Alter von 24 Tagen. Lediglich ein einziges von dem stark verzögerten Wachstum betroffenes Küken überlebte. Bei meinen erwachsenen (adulten) Vögeln zeigen sich keine Symptome, dies gilt sowohl für die Bourkesittiche als auch für die Schönsittiche. Meine Schmucksittiche sind bislang von der Erkrankung verschont geblieben.

Das letzte Küken, das verkümmert wirkte, ließ ich nach seinem Tod sezieren. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse waren leider eher spärlich. Aus dem Bericht von VetMed Wien ging hervor, dass bei dem jungen Schönsittichweibchen unklare unspezifische Lebernekrosen (Nekrose = abgestorbenes Gewebe) vorlagen. Es konnte keine konkrete Ursache für den Tod des Kükens gefunden werden.

Endlich erste Erkenntnisse

21 Tage alter, an BFD erkrankter Schönsittich
21 Tage alter, an BFD erkrankter Schönsittich

Ich steckte viel Mühe in eine langwierige Recherche. Dabei wurde ich zufällig in einem Wellensittichforum fündig. In jenem Forum beschrieb jemand exakt die Symptome, die in meinem Vogelbestand aufgetreten waren. Diese Spur verfolgte ich weiter und ich trat mit Gerd Bleicher, einem sehr renommierten deutschen Wellensittichzüchter, in Kontakt. Er erklärte mir, dass es sich um BFD handle und dass diese Viruserkrankung im deutschsprachigen Raum kaum Gegenstand von Diskussionen rund um verstorbene Küken sei. Dagegen gebe es einige Publikationen aus England und Kanada.

Mittels einiger englischsprachiger wissenschaftlicher Veröffentlichungen konnte ich schließlich eine Übereinstimmung mit meinem Fall feststellen. Dies galt sowohl in Bezug auf die Symptome der betroffenen Vögel als auch für ihr Sterbealter und das Auftreten der Symptome. Ferner deckten sich meine Erfahrungen und die Aussagen der Veröffentlichungen in Bezug darauf, dass eine bakteriologische und virologische Untersuchung bei toten Jungvögeln keinen Nachweis von BFD erbringt. Dies erklärt, weshalb in dem von mir in Auftrag gegebenen Untersuchungsbericht das Ergebnis negativ war. Gemäß Literaturangaben ist die erste Isolierung des Virus bei einem Wellensittich-Embryo gelungen.

Die folgenden beiden englischsprachigen Veröffentlichungen waren für mich besonders hilfreich:

Therapie der BFD

Nach intensiver Recherche steht für mich fest, dass es derzeit keine Behandlungsmöglichkeit gegen diese Erkrankung gibt. Falls ein Bestand betroffen ist, ist eine Zuchtpause sinnvoll, darüber hinaus ist eine gründliche Desinfektion mit jodhaltigen Reinigungspräparaten beziehungsweise Bleichmitteln ratsam.

Laut Literaturangaben wurde versucht, die betroffenen Sittiche nach Geschlecht zu trennen und für sieben oder acht Monate aus dem Bestand zu entfernen. Vereinzelt brachte dies Erfolge, in anderen Fällen brachten diese Maßnahmen jedoch nichts. Für mich käme dies ohnehin nicht in Betracht, da mir die entsprechenden Räumlichkeiten zur getrennten Unterbringung der Tiere fehlen.

Sobald ich über neue Erkenntnisse verfüge, werde ich diese gern mitteilen.

Für 2013 plane ich bis auf Weiteres keine Bruten – und es beruhigt mich ein wenig, dass zumindest für meine Altvögel keine Gefahr von dem Virus ausgeht.

Danksagung

Bei Gerd Bleicher möchte ich mich ganz besonders bedanken. Er hat mir erheblich weiterhelfen können und er hat mich trotz seines gefüllten Terminplanes ausführlich beraten.


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Titelbild dieser Seite © Petra Schröder