Vergiftungen

Achtung: Die auf Birds-Online.de angebotenen Texte und Bilder rund um das Thema Erkrankungen von Vögeln sind als Informationsquelle gedacht. Bitte bringen Sie Ihre erkrankten Vögel immer schnellstmöglich zu einem fachkundigen Tierarzt!
Die Symptome einer chronischen Vergiftung können unspezifisch sein, dazu gehört ein schlechter Gefiederzustand.
Die Symptome einer chronischen Vergiftung können unspezifisch sein, dazu gehört ein schlechter Gefiederzustand.

Schluckt ein Vogel etwas für ihn Giftiges, indem er zum Beispiel eine giftige Pflanze anknabbert oder eine giftige Flüssigkeit trinkt, kann dies für ihn zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen. Das Tückische daran ist: Mitunter ist der Auslöser einer solchen Vergiftung nur schwer erkennbar, weil es sich zum Beispiel um eine Vitamin-Überdosierung handelt, denn auch diese kann zu einer Vergiftung führen. Darüber hinaus kann es geschehen, dass sich ein Vogel vergiftet, weil er die toxischen Substanzen einatmet. Manche Vergiftungen treten schleichend in Erscheinung, andere zeigen sich innerhalb weniger Minuten oder Stunden. Das bedeutet, Vergiftungen können sich bei Vögeln auf sehr unterschiedliche Weise zeigen. In diesem Kapitel werden einige grundlegende Hintergründe erläutert. Weil das Themenfeld jedoch so komplex ist, kann hier nicht jedes denkbare Szenario skizziert werden.

Wichtig ist, dass im Fall eines Verdachts auf eine Vergiftung immer schnellstmöglich ein fachkundiger Tierarzt aufgesucht werden sollte.

Ursachen

Der Weihnachtsstern sieht schön aus, ist aber für Vögel giftig. © Andreas Lischka/Pixabay
Der Weihnachtsstern sieht schön aus, ist aber für Vögel giftig. © Andreas Lischka/Pixabay

Eine kleine Unachtsamkeit des Vogelhalters reicht aus, um Vögel während ihres Freiflugs im Haus in tödliche Gefahr zu bringen. Vieles von dem, was wir Menschen in unserer Wohnung aufbewahren, ist für Wellensittiche und andere Vögel hochgradig giftig. Die Palette der möglichen Auslöser einer Vergiftung ist breit gefächert und sie reicht von giftigen Flüssigkeiten bis hin zu Pflanzen, die für Vögel gefährlich werden können. Außerdem finden sich in vielen Haushalten Gegenstände und Reinigungsutensilien, die in Gasform in die Atemluft gelangt bei Vögeln zu schweren Vergiftungen führen können. An anderer Stelle von Birds-Online.de gibt es eine Liste gefährlicher Stoffe und Gegenstände, an denen sich ein Vogel vergiften kann. Klicken Sie hier, um zu dieser Auflistung zu gelangen. Zudem finden Sie innerhalb dieses Internetporjekts eine Liste gefährlicher Pflanzen.

An dieser Stelle seien die häufigsten Mechanismen zum Entstehen einer Vergiftung bei Vögeln nur grob zusammengefasst:

  • Vergiftung durch Anknabbern und Verschlucken
  • Vergiftung durch Trinken
  • Vergiftung durch Einatmen
  • Und selten: Vergiftung durch Körperkontakt (durch die Haut dringende Gifte)

Mögliche Verläufe

Bei einer akuten Vergiftung treten die Symptome kurz nach dem Kontakt mit dem Gift auf, also meist innerhalb weniger Minuten oder maximal Stunden. Die Schwere einer akuten Vergiftung ist abhängig von der aufgenommenen Menge des Giftes und von dessen Toxizität, also von dessen „Giftigkeit“. Je stärker ein Gift ist, desto heftiger fällt in aller Regel die akute Vergiftung aus.

Die zweite Verlaufsform ist die chronische Vergiftung. Hierbei setzen die Symptome schleichend ein, der Gesundheitszustand des Vogels verschlechtert sich über einen langen Zeitraum hinweg recht langsam, aber stetig. Zwischen dem Kontakt mit dem giftigen Stoff und den ersten deutlich sichtbaren Anzeichen einer chronischen Vergiftung können Tage bis Wochen oder in Extremfällen Monate vergehen.

Symptome

Ein sicheres Zeichen dafür, dass es einem Vogel schlecht geht, ist apathisches Verhalten, das vom normalerweise üblichen Verhaltensmuster abweicht. Da bei Heimvögeln eine Reihe unterschiedlicher Vergiftungsarten vorkommt, die verschiedene Therapieformen erfordern, ist es notwendig, den Vogel genau zu beobachten, um auf die Art der Vergiftung schließen zu können, sofern man die Ursache nicht kennt.

Die Fugen von Tiffanylampen enthalten Blei, das von Vögeln häufig aufgenommen wird, weiß es süßlich schmeckt - und dann zu schweren Vergiftungen führt. © avantrend/Pixabay
Die Fugen von Tiffanylampen enthalten Blei, das von Vögeln häufig aufgenommen wird, weiß es süßlich schmeckt – und dann zu schweren Vergiftungen führt. © avantrend/Pixabay

Bei Schwermetallvergiftungen, die zum Beispiel durch das Fressen oder Benagen von Blei, Zink oder Kupfer häufig innerhalb kürzester Zeit hervorgerufen werden, zeigen viele betroffene Vögel relativ plötzlich eine enorme Schwäche, sind schlapp und zittern am gesamten Körper. Orientierungslosigkeit und Taumeln können weitere Symptome sein. Die aufgenommene Giftmenge ist so hoch, dass die Symptome unvermittelt auftreten und sich der Gesundheitszustand der Vögel rasch dramatisch verschlechtert. Viele Tiere können sich bald nicht mehr auf der Stange halten und setzen sich auf den Boden ihres Käfigs oder verkriechen sich in eine ruhige Ecke des Zimmers, in dem sie für gewöhnlich ihren Freiflug genießen. Darüber hinaus kann starker Durchfall auftreten. Nach kurzer Zeit ist dieser Durchfall in vielen Fällen mit Blut durchmischt, wenn der Verdauungstrakt des Vogels durch das Gift zu Schaden gekommen sind. Gelegentlich tritt in diesem Stadium außerdem Erbrechen auf.

Manche Metallvergiftungen verlaufen hingegen chronisch und steigern sich somit sehr langsam. Es kann hierbei in unregelmäßigen Abständen zu Erbrechen, zu Durchfall oder verstärktem „Pinkelreiz“, einer gravierenden Leberschädigung, zu einem erhöhten Schlafbedürfnis, zu Gefiederschäden und -ausfall oder sogar zur Erblindung des gefiederten Patienten kommen. Starkes Zittern kann ebenfalls ein Symptom sein. Häufig leiden die Vögel aufgrund der chronischen Vergiftung unter einer allgemeinen Schwächung des Immunsystems, sodass sie wieder und wieder an unterschiedlichen Infektionskrankheiten leiden. Chronische Vergiftungen zu erkennen, ist nicht leicht und sie werden deshalb häufig übersehen.

Salzige Lebensmittel und vom Vogel aufgepickte Salzkörner können bei den Tieren zu einer Kochsalzvergiftung führen. © Brun-nO/Pixabay
Salzige Lebensmittel und vom Vogel aufgepickte Salzkörner können bei den Tieren zu einer Kochsalzvergiftung führen. © Brun-nO/Pixabay

Vor allem Vögel, die bei ihren Haltern am Tisch willkommen sind, erleiden mitunter eine Kochsalzvergiftung. Da die Tiere das zu salzhaltige Futter meist über einen längeren Zeitraum in geringen Dosen zu sich nehmen, ist der Verlauf der Vergiftung schleichend. Die Symptome zeigen sich anfangs nur in milder Form, nehmen jedoch im Laufe der Zeit an Intensität zu. Mit zunehmender Schädigung des Nierengewebes kommt es zu verstärktem Harndrang, das heißt der erkrankte Vogel pinkelt überdurchschnittlich häufig und die Kotbällchen sind deutlich zu nass. Diese Ausscheidungen werden vom Laien oft irrtümlich für Durchfall gehalten. Wer sich nicht sicher ist, ob ein Vogel an einer Durchfallerkrankung oder an einem eventuell vergiftungsbedingten Nierenproblem leidet, sollte schnellstmöglich einen erfahrenen Tierarzt zurate ziehen.

Die Aufnahme von Sauerstoff ist überlebenswichtig, nicht nur für uns Menschen. Aber die Atemluft ist vor allem in geschlossenen Räumen und im Winter oftmals reich an schädlichen Gasen, wenn auch in geringen Konzentrationen. Auf den Menschen haben diese in niedriger Dosis kaum eine Wirkung. Vögel sind jedoch durch kleine Mengen giftiger Gase stark gefährdet. Zu den Ursachen einer sogenannten Inhalationsvergiftung gehören unter anderem Treibgase aus Sprühdosen, verflüchtigte Lösungsmittel aus Lacken und Farben, verdampfte Antihaftbeschichtungen (zum Beispiel Bratpfannen in der Küche!) und Kohlenmonoxid. Letzte Vergiftungsart tritt vor allem in Räumen auf, die mit einem Ofen beheizt werden.

Ohne Vorwarnung fallen Vögel bei zu hohem Kohlenmonoxidgehalt in der Raumluft oder wegen darin befindlicher Giftstoffe, zum Beispiel aus Duftkerzen oder -ölen, um Atem ringend von der Stange und sterben binnen weniger Minuten, wenn man nicht rasch reagiert. Eine Rettung ist bei einer Kohlenmonoxidvergiftung praktisch nicht möglich, da der Tod ausgesprochen schnell einsetzt. Deshalb sollte man unbedingt entsprechend vorsorgen und einen Raum, der mit einem Ofen beheizt wird, regelmäßig lüften. Ähnliches gilt für Inhalationsvergiftungen mit toxischen Substanzen in der Raumluft, auch sie können sehr schnell tödlich verlaufen. Am besten beugt man dem Auftreten einer solchen Vergiftung grundsätzlich sehr sorgfältig vor.

Schimmelpilze auf Nahrungsmitteln oder die Sporen dieser Pilze in der Raumluft können bei Vögeln zu Erkrankungen und Vergiftungen führen. © stux/Pixabay
Schimmelpilze auf Nahrungsmitteln oder die Sporen dieser Pilze in der Raumluft können bei Vögeln zu Erkrankungen und Vergiftungen führen. © stux/Pixabay

Vergiftungen durch verdorbene Nahrungsmittel führen zu einem breiten Spektrum an Beschwerden, die typischerweise sehr plötzlich auftreten, aber auch zu schleichenden Vergiftungsverläufen führen können. Vor allem Schimmelpilze sind für Vögel gefährlich. Sie bilden sich auf Nüssen (vor allem in Großpapageienfutter), auf Frischkost (Obst und Gemüse) sowie auf Keimfutter. Gifte, die in den Schimmelpilzen enthalten sind, schädigen insbesondere die Leber der betroffenen Vögel. Die Tiere fressen bei einer leichten Vergiftung normale Mengen, magern aber dennoch ab. Bei einer schwereren Vergiftung treten neurologische Ausfälle wie Krämpfe, Lähmungen und Gleichgewichtsstörungen auf; diese können auf eine schwere Schädigung oder Entzündung des Gehirns hindeuten. Aber auch Durchfall kommt in manchen Fällen vor. Eine schleichende Vergiftung, die von verdorbener Nahrung herrührt, kann bei Wellensittichen und anderen Vogelarten zu Unfruchtbarkeit führen. Darüber hinaus können eingeatmete Schimmelsporen zu einer Erkrankung der Atemwege führen, die als Aspergillose bezeichnet wird.

An dieser Feder eines Wellensittichs haften Rückstände von Zigarettenrauch, was an der bräunlich-gelblichen Verfärbung zu sehen ist; diese Ablagerungen sind für Vögel giftig.
An dieser Feder eines Wellensittichs haften Rückstände von Zigarettenrauch, was an der bräunlich-gelblichen Verfärbung zu sehen ist; diese Ablagerungen sind für Vögel giftig.

Jeder Vogelhalter, der in der Nähe seiner Tiere raucht oder Raucher im Zimmer seiner Vögel duldet, sollte sich vor Augen halten, dass er das Leben seiner Tiere dadurch gefährden könnte. Immer wieder kommt es zu Nikotinvergiftungen, die je nach aufgenommener Menge des Giftes bei den Tieren zum Tode führen können. Knabbert ein Heimvogel Tabak an, sind häufig Störungen seines Zentralen Nervensystems sowie (blutige) Durchfälle die Folge. Auch das permanente Einatmen von Zigarettenrauch ist für Vögel alles andere als gesund, es schädigt ihr empfindliches Atmungssystem und verursacht mit der Zeit oft schwere Atemprobleme. Wie beim Menschen kann es sogar zu Lungenkrebs kommen. Weil sich bei Vögeln in Raucherhaushalten der „kalte Rauch“ auf allen Oberflächen ablagert – man kennt die berüchtigten vergilbten Tapeten -, haftet er auch an den Federn der Vögel. Während der täglichen Gefiederpflege nehmen die Tiere die giftigen Substanzen wieder und wieder auf, was zu einer schleichenden Vergiftung führen kann. Bei Tieren, die einer ständigen starken Rauchbelastung ausgesetzt sind, verfärben sich die Federn oftmals gelblich. Zu diesem Thema gibt es auch einen Podcast von Ann Castro.

Lesetipp
WP-Magazin 6/2013In der Ausgabe 06/2013 des WP-Magazins, einer Zeitschrift über Wellensittiche und Papageien, habe ich gemeinsam mit dem Vogel-Tierarzt Dr. Carlo Manderscheid einen Artikel über Zink und Zinkvergiftungen veröffentlicht, den Sie hier als kostenlose PDF-Datei herunterladen können. Das Magazin mit zahlreichen weiteren interessanten Artikeln rund um Sittiche und Papageien können sie hier bestellen. Außerdem möchte ich Ihnen den Erfahrungsbericht über eine Zinkvergiftung bei ihrem Wellensittich von Isolde Aufschläger empfehlen.

Was ist bei einer Vergiftung zu tun?

Wenn Sie vermuten, dass sich Ihr Vogel eine Vergiftung zugezogen haben könnte, ist schnelles Handeln gefragt. Geraten Sie nicht in Panik, handeln Sie stattdessen besonnen und gehen Sie vorsichtig mit dem Patienten um. Hausmittel sind meist wirkungslos, weil der Stoffwechsel der Vögel enorm rasch abläuft und sich das Gift mit hoher Geschwindigkeit im Körper ausbreitet. Sie müssen ein betroffenes Tier deshalb so schnell wie möglich zum Tierarzt bringen und diesem so präzise wie möglich die Ursache der Vergiftung mitteilen oder noch besser eine Probe der in Verdacht stehenden Substanz mit in die Praxis nehmen.

Halten Sie den Vogel während des Transports zum Tierarzt warm und dunkel, damit er keinem unnötigen Stress ausgesetzt ist oder wichtige Energie zum Warmhalten seines Körpers verliert. Nehmen Sie Erbrochenes oder Kot des Vogels ebenfalls mit zum Arzt, da diese Ausscheidungen bei der Diagnosestellung hilfreich sein könnten.

Wie Sie dem Vogel sonst noch helfen können

Leider kann man einem Vergiftungsopfer neben der vom Tierarzt angeordneten Therapie nur wenige weitere unterstützende Maßnahmen angedeihen lassen. Daher sollten Sie all Ihr Augenmerk auf die Unfallverhütung legen, damit es gar nicht erst zu einer Vergiftung kommen kann. Sollte sich Ihr Vogel dennoch vergiftet haben, halten Sie sich bitte genau an die Anweisungen Ihres Tierarztes. Eine Therapie in Eigenregie ohne ärztliche Absprache durchzuführen, wäre grob fahrlässig!

Die im Zoofachhandel erhältliche Vogelkohle sowie Heilerde helfen bei einer akuten Vergiftung nicht in jedem Fall, die Vögel benötigen meist eine speziell auf die Art der Vergiftung abgestimmte medikamentöse Behandlung sowie eine Leberschutztherapie. Eine solche zielgerichtete Behandlung hilft meist nur dann, wenn sie rasch begonnen wird. Verlieren Sie im Notfall also keine Zeit mit Hausmittel-Experimenten, denn die hat Ihr Vogel nicht! Unterstützend kann man auch naturheilkundliche Mittel zur Entgiftung des Körpers einsetzen. Sie sollten hierzu einen erfahrenen Tierheilpraktiker befragen, nachdem Sie die genaue Diagnose des Tierarztes kennen.

Lesetipp
Erfahrungsbericht über eine Zinkvergiftung

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