Trauer nach dem Tod eines Vogels

Diamanttäubchen Padme in einem kleinen, liebevoll ausgestatteten Sarg.
Diamanttäubchen Padme in einem kleinen, liebevoll ausgestatteten Sarg.

Meist bringt die Vogelhaltung den größten Teil der Zeit sehr viel Freude, wenn man von den gelegentlichen kleinen Ärgernissen absieht, weil einer der gefiederten Mitbewohner beispielsweise die Tapete angefressen oder anderen Unsinn angestellt hat. Die überwiegende Mehrheit der Tierhalter lässt die Vögel nicht nur in ihr Leben, sie werden viel mehr ein wichtiger Teil davon und ein Dasein ohne sie ist kaum mehr vorstellbar. Irgendwann kommt jedoch leider in den meisten Fällen unweigerlich der Moment, vor dem sich etliche Menschen sehr fürchten: Der Augenblick, in dem ein gefiederter Freund aus dem Leben scheidet. Der Tod des geliebten tierischen Mitbewohners ist die Schattenseite der Tierhaltung, die im Alltag oft verdrängt wird, aber mit der man sich sehr wahrscheinlich eines Tages gezwungenermaßen auseinandersetzen muss, sofern einen selbst nicht vorher ein tragisches Schicksal ereilt.

Viele Vogelhalter haben ihre Tiere so sehr ins Herz geschlossen, dass für sie eine Welt zusammenbricht, wenn ein geliebter Vogel stirbt. Sie haben mit ihm lange Zeit Seite an Seite gelebt und eine innige Freundschaft aufgebaut oder kannten ihn erst kurz, haben ihn dafür aber umso stärker lieb gewonnen. Deshalb ist nicht irgendwer gegangen, sondern ein guter Freund – vielleicht sogar der beste Freund. Manchmal werden die Tiere gar als Familienmitglieder angesehen, deren Verlust immens schmerzt.

Nicht allein trauern

Trauernde Menschen fühlen sich oft sehr allein. © Free-Photos/Pixabay
Trauernde Menschen fühlen sich oft sehr allein. © Free-Photos/Pixabay

Wenn man begreift, dass der gefiederte Liebling für immer fort ist, trifft einen diese Erkenntnis wie ein Stich ins Herz und man glaubt, ins Bodenlose zu fallen – so beschreiben viele Halter die Gefühle nach dem Verlust ihrer Vögel. Diese tiefe Trauer, die einen Tierhalter überkommt, ist normal. Aber die Menschen aus dem sozialen Umfeld können diese Trauer nicht in jedem Fall nachvollziehen. Nach Ansicht mancher Außenstehender ist doch „nur ein Vogel“ gestorben und es werden Ratschläge gegeben wie: „Kauf Dir einfach einen neuen.“ Oder: „Was bist Du denn so traurig, Du hast doch noch andere Vögel.“ Oftmals geschieht es, ohne dass diese Menschen es beabsichtigen, doch sie verletzen den trauernden Tierhalter, indem sie solche Dinge sagen.

Ganz besonders kränkend sind in Momenten tiefer Trauer die Worte: „Jetzt lass Dich nicht so hängen, stell Dir mal vor, es wäre ein Mensch gestorben.“ Aus der Sicht eines Menschen, der keine innige Beziehung zu Tieren kennt, mag das nachvollziehbar und logisch sein. Doch ein Tierhalter, der gerade ein geliebtes Tier verloren hat, möchte eine solche Äußerung ganz bestimmt nicht hören und verkraftet sie emotional möglicherweise nicht. Der Trauernde fühlt sich unverstanden und mit seinen überwältigenden Gefühlen allein gelassen. Er empfindet vielleicht sogar einen Verrat an seinem aus dem Leben geschiedenen tierischen Freund, weil der Vogel von anderen Menschen als unwichtig abgetan wird. Das tut weh und verschlimmert die Trauer sowie das Gefühl der Einsamkeit und Verlorenheit meist erheblich.

Ein Tierhalter sollte es in einer solchen Situation nicht zulassen, sich von seinen traurigen und negativen Gefühlen völlig übermannen zu lassen. Stattdessen sollte man sich an Gleichgesinnte wenden, zum Beispiel in einem Internetforum für Vogelliebhaber oder in einer Facebook-Gruppe. In solchen Online-Gemeinschaften trifft man Menschen, die wie man selbst dazu fähig sind, tiefe Gefühle für Vögel zu empfinden und die den Verlustschmerz basierend auf eigener Erfahrung nachvollziehen können. Meist fällt es viel leichter, um ein Tier zu trauern und dessen Tod zu verarbeiten, wenn man weiß, man steht nicht allein da und wird von anderen einfühlsamen Menschen verstanden.

Tränen zulassen

Viele Menschen weinen, wenn ihr geliebtes Haustier gestorben ist. © Counselling/Pixabay
Viele Menschen weinen, wenn ihr geliebtes Haustier gestorben ist. © Counselling/Pixabay

Der Tod eines geliebten Vogels ist für viele Menschen eine emotionale Belastung. Stehen Sie in jedem Fall zu Ihren Gefühlen. Wenn Sie beispielsweise mit einem schwer kranken Vogel in einer Tierarztpraxis sind und Ihr Schützling eingeschläfert werden muss, dann sollten Sie nicht unbewegt tun und sich verstellen, um gesellschaftlichen Normen zu entsprechen. Sehr viele Menschen reagiert in einer solchen Situation mit Trauer oder gar mit Tränen, das weiß auch der behandelnde Tierarzt. Sofern Sie in normalem Maße weinen und nicht gleich hysterisch schreiend in der Praxis zusammenbrechen, wird es Ihnen niemand übel nehmen, dass Sie Tränen vergießen. Im Gegenteil: Ein Tierarzt hat mir vor einigen Jahren gesagt, dass ihn Unbehagen überkommt, wenn der Tod eines Tieres den Halter völlig kalt lässt.

Wenn Sie zu Hause sind und Ihr Vogel dort soeben gestorben ist oder wenn Sie vom Tierarztbesuch mit tragischem Ende zurückgekehrt sind, dann werden vermutlich viele, viele Tränen fließen. Denn nach der Rückkehr an ihren privaten sicheren Rückzugsort müssen Sie sich nicht mehr „zusammenreißen“ oder verstellen. Lassen Sie das Weinen zu, wenn Ihnen danach ist. Häufig lindert der Fluss der Tränen die erste Anspannung ein wenig.

Zu weinen ist allerdings kein Muss. Manche Menschen stehen unmittelbar nach dem Tod ihres geliebten Vogels so sehr unter Schock, dass sie erst einmal zu keiner Gefühlsregung in der Lage sind. Wer in einer solchen Situation nicht weinen kann, sollte sich nicht schuldig fühlen. Man kann sehr tiefe Trauer empfinden, ohne zu weinen. Außerdem tut man dem verstorbenen Tier nicht unrecht, wenn man anfangs nicht weinen kann. Mitunter braucht es seine Zeit, bis die Tränen fließen können. Eine Regel gibt es hierbei nicht.

Abschiedsrituale können helfen

Das Anzünden einer Kerze kann ein schönes Ritual für Trauernde sein. © Myriams-Fotos/Pixabay
Das Anzünden einer Kerze kann ein schönes Ritual für Trauernde sein. © Myriams-Fotos/Pixabay

Nachdem der erste Schock überwunden ist, können Sie versuchen, mit einem kleinen Ritual Abschied von Ihrem gefiederten Freund zu nehmen. Wie dieses Ritual aussieht, bleibt Ihnen überlassen. Viele Tierhalter stellen beispielsweise eine Kerze auf und zünden sie für ihren verstorbenen tierischen Freund an, wobei sie liebevoll an ihn denken oder gar mit ihm sprechen. Sollte seine Seele noch irgendwo sein, so werden dabei geäußerte gute Wünsche sicher ankommen, weil zwischen dem Halter und dem Tier einmal eine enge Verbindung bestanden hat – das glauben viele Menschen und diese Vorstellung wird deshalb als tröstlich empfunden. Lassen Sie sich von Skeptikern nicht herunterziehen. Wenn es Ihnen hilft, mit Ihrem verstorbenen Vogel zu sprechen, dann ist das gut und richtig. Sogar dann, wenn Ihre Worte ihn nicht erreichen, so tut es doch Ihnen gut und hilft dabei, die Trauer zu bewältigen.

Ganz bewusst an die schönen Momente mit dem verstorbenen gefiederten Freund zu denken, ist ebenfalls wichtig. Außerdem kann eine Vorbereitung des Begräbnisses, sofern man den Vogel selbst bestatten kann und möchte, hilfreich beim Abschiednehmen sein. Eine hübsche Blume für das Grab auszusuchen und sie einzupflanzen, ist ebenso legitim wie das Aussuchen von Grabbeigaben wie zum Beispiel eine kleine Portion des Lieblingsfutters des verstorbenen Vogels.

Die Trauer bewältigen

Sich bewusst an Schönes zu erinnern, kann manchen Menschen bei der Trauerbewältigung helfen. © StockSnap/Pixabay
Sich bewusst an Schönes zu erinnern, kann manchen Menschen bei der Trauerbewältigung helfen. © StockSnap/Pixabay

Am schwierigsten sind für die meisten betroffenen Menschen die Tage und Wochen nach dem Verlust. Denn Trauer ist ein Gefühl, das naturgemäß eine Weile anhält. Oft hilft die sogenannte Trauerarbeit. Dr. Carmen Stäbler, die ein Buch über den Abschied vom geliebten Tier veröffentlicht hat (siehe weiter unten), empfiehlt beispielsweise, einen Brief an das verstorbene Tier zu schreiben, in dem man das zum Ausdruck bringt, was man der kleinen Seele gern mit auf den Weg geben möchte. Ein schöner Ort für einen solchen offenen Brief oder einen Nachruf ist zum Beispiel eine virtuelle Gedenkstätte eines Internetforums, in dem sich Vogelfreunde treffen, sofern man seine Trauer öffentlich aufarbeiten möchte. Ansonsten ist auch ein Brief geeignet, den man niemandem zeigt. Die Hauptsache ist, dass man formuliert, was man dem Tier mitteilen möchte.

Wann immer Sie der Verlustschmerz überkommt, denken Sie an etwas Schönes, das Sie mit Ihrem Vogel erlebt haben. Führen Sie sich vor Augen, welches Glück es gewesen ist, ihn gekannt und ihm ein Zuhause gegeben zu haben. Halten Sie an der Vorstellung fest, dass diese schönen Momente Geschenke an Sie und die geliebte Seele gewesen sind, die Ihnen das Schicksal oder eine höhere Macht zuteil werden lassen hat – wie auch immer man das sehen möchte. Seien Sie dankbar dafür und seien Sie sich dessen bewusst, dass diese schönen Erinnerungen noch immer da sind. So wird ein Teil des geliebten Tieres weiterhin bei Ihnen sein.

Wie lang die Trauerphase dauern sollte, lässt sich pauschal nicht sagen. Jeder Mensch verarbeitet von ihm als gravierend empfundene Verluste anders. Ist man nach dem Tod eines Vogels aber beispielsweise nach einer Woche noch immer so sehr vor Schmerz gelähmt, dass man krank im Bett liegt und nicht unter Menschen gehen kann, benötigt man höchstwahrscheinlich fachkundige Unterstützung bei der Bewältigung der Trauer. Scheuen Sie sich nicht, eine psychologische Hilfsdienststelle zu kontaktieren. Jemanden zu verlieren, der einem nahe stand, ist ein Trauma und in bestimmten Lebenssituationen lässt es sich unter Umständen nicht allein verarbeiten. Geistliche, die Telefonseelsorge und andere fachkundige Ansprechpartner geben hierbei gern Hilfestellungen und lachen nicht darüber, wenn man um ein Tier trauert.

Literaturtipps

Eva Dempewolf
Abschied nehmen – Trauer um ein geliebtes Tier: Ein Begleit- und Praxisbuch
Erscheinungsjahr 2015
FRED & OTTO – Der Hundeverlag
ISBN-10: 3956930126
ISBN-13: 978-3956930126

 

Susann Scherschel
Abschied vom geliebten Haustier: 12×12 Anregungen zur Trauerbewältigung
Erscheinungsjahr 2011
Books on Demand
ISBN-10: 3842302681
ISBN-13: 978-3842302686

 

Dr. med. vet. Carmen Stäbler
Abschied vom geliebten Tier – Ein Ratgeber für den Umgang mit Trauer
Erscheinungsjahr 2004
Books on Demand
ISBN-10: 3833416157
ISBN-13: 978-3833416156
Hinweis: Dieses Buch ist nur noch gebraucht erhältlich