1. >>
  2. Birds Online
  3. >>
  4. Unterbringung
  5. >>
  6. Freiflugzimmer oder Vogelzimmer
  7. >>
  8. Fenster unfallsicher gestalten

 

Fenster unfallsicher gestalten

Hier ist ein Vogel gegen eine Fensterscheibe geflogen.

Fensterscheiben stellen beim Freiflug für Heimvögel eine große Gefahr dar. Saubere, also frisch geputzte Fenster können sie nicht als Hindernis wahrnehmen, sie sehen das Glas nicht. Somit kommt es oft zu Zusammenstößen, die je nach Tempo des fliegenden Vogels schwere Verletzungen oder gar den Tod zur Folge haben können. Detaillierte Informationen über solche Kollisionsunfälle finden Sie im entsprechenden Kapitel.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, dass sich Vögel während des Freiflugs an Fensterscheiben verletzen, können Vogelhalter einige Maßnahmen ergreifen. So kann man beispielsweise eine Gardine oder einen anderweitigen Fensterbehang vor einer Glasfläche anbringen. Doch dies hat den Nachteil, dass die Vögel in der Gardine beim Klettern hängenbleiben können und dass sie viel Licht schluckt. Bei Gardinen, die im unteren Bereich mit Bleibändern beschwert werden, damit sie schön ordentlich hängen, besteht für Vögel höchste Vergiftungsgefahr. Wird das Bleiband angeknabbert, ziehen sich die meisten Vögel dabei eine lebensgefährliche Bleivergiftung zu. Verwenden Sie deshalb als Vogelhalter niemals Bleibänder in Gardinen!

Mit selbsthaftender Folie abgesichertes Fenster.
Mit selbsthaftender Folie abgesichertes Fenster.

Ein weiterer Punkt spricht gegen Gardinen. Etliche Vögel mögen es gern, sich zumindest vorübergehend im direkten Sonnenlicht in der Nähe des Fensters aufzuhalten. Diamanttäubchen sind diesbezüglich sehr extrem, sie sitzen am liebsten stundenlang in der Sonne und wirken ein wenig unglücklich, wenn das Licht durch eine Gardine teilweise verschluckt wird. Hinzu kommt, dass es für Vögel sehr spannend ist, aus dem Fenster zu sehen. Gardinen versperren die Sicht, was den „Spaßfaktor“ eines Platzes am Fenster erheblich reduziert. Aus all diesen Gründen sind Gardinen oft nicht die ideale Wahl, um ein Fenster unfallsicher zu gestalten. Zum Glück gibt es einige andere Möglichkeiten.

Fensterscheiben sichern mit dem BirdPen und mit transparenten UV-Stickern

Keine Sorge, hiermit ist nicht gemeint, dass Sie Ihre Fenster bunt anmalen – der Spezialstift namens BirdPen hinterlässt auf dem Glas zwar Spuren, sie sind aber für das menschliche Auge kaum wahrnehmbar. Ursprünglich ist der BirdPen entwickelt worden, um damit Glasflächen von außen zu bemalen, damit Wildvögel nicht gegen Fenster prallen. Dies ist ein häufiges Problem bei Terrassentüren und großen Fenstern zum Garten hin und es kommt dort leider häufig vor, dass sich Wildvögel das Genick brechen. Solche folgenschweren Unfälle zu vermeiden, ist mit dem BirdPen nach dem folgenden Prinzip möglich: Durch den feinen Belag, den man mit dem Stift auf das Fenster bringt, wird an den bemalten Stellen das UV-Reflexionsverhalten der Fensterscheiben geändert. Da Vögel im UV-Bereich sehen können, nehmen sie die aufgemalten Muster wahr und erkennen die Fensterscheiben dadurch als Hindernisse. Meist funktioniert dies sehr gut und Amsel, Meise und Co. prallen zum Beispiel in der Nähe von Futterplätzen nicht mehr gegen Fensterscheiben oder Terrassentüren.

Mit dem BirdPen lassen sich Fensterscheiben gegen Vogelschlag, also Kollisionen von Vögeln mit dem Glas, schützen.
Mit dem BirdPen lassen sich Fensterscheiben gegen Vogelschlag, also Kollisionen von Vögeln mit dem Glas, schützen.
So sieht der einsatzbereite BirdPen aus.
So sieht der einsatzbereite BirdPen aus.

Was draußen funktioniert, sollte auch von innen wirken, mag man nun denken. Es gibt jedoch einen kleinen Haken: Von innen strahlt Kunstlicht auf die Fensterscheiben, und das normale Kunstlicht enthält anders als das Sonnenlicht praktisch keinen UV-Anteil. Folglich können Heimvögel die mit einem Birdpen von innen auf die Glasscheiben aufgetragenen Markierungen nicht so gut sehen wie Wildvögel die von außen auf die Fenster gemalten Muster unter direktem Tages- beziehungsweise Sonnenlicht. Wird aber im Freiflugzimmer der Vögel eine spezielle Vogellampe verwendet, die auch UV-Licht abstrahlt, kann der Birdpen seine Wirkung auch entfalten, wenn er von innen auf Fensterscheiben aufgetragen wird. Eine entsprechende Versuchsreihe in meinem Vogelzimmer hat dies ergeben.

Zunächst habe ich die Fenster gründlich gereinigt. Anschließend habe ich gemäß Packungsbeilage mit dem Spezial-Filzschreiber das lösungsmittelfreie und völlig geruchsneutrale „Schreibmittel“ aufgetragen. Mein „Gemälde“ ist innerhalb weniger Sekunden getrocknet. Anders als in der Herstellerempfehlung vermerkt, habe ich allerdings nicht nur ein Streifenmuster auf die Fenstern gemalt, sondern ein Gitter aufgetragen. An den Kreuzungspunkten der waagerechten und senkrechten Linien wurde das Schreibmittel somit doppelt aufgetragen, weshalb man dort eine diffuse, leicht milchige Verfärbung erkennen kann. Mich störte es nicht, denn es sollte ja der Sicherheit meiner Vögel dienen.

Zusätzlich habe ich im oberen Bereich der Fensterscheiben einige durchsichtige Vogelsilhouetten (sogenannte Birdsticker) angebracht. Sie funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip wie der BirdPen. Auf dem Glas haften sie statisch, sie werden nicht mit Klebstoff befestigt. Das heißt, man kann die Birdsticker jederzeit wieder rückstandsfrei entfernen.

Die beiden folgenden Abbildungen zeigen die Fenster vorher und nachher.

Die drei Fenster vorher ohne Anflugschutz.
Die drei Fenster vorher ohne Anflugschutz.
Dieselben drei Fenster nach der Behandlung mit dem BirdPen und mit Birdstickern - beides ist praktisch nicht zu sehen.
Dieselben drei Fenster nach der Behandlung mit dem BirdPen und mit Birdstickern – beides ist praktisch nicht zu sehen.

Die folgenden Abbildungen zeigen die abgesicherten Fenster im Detail.

Aus der Nähe betrachtet, fallen die mit dem BirdPen aufgetragenen Doppelmarkierungen (1) und der Birdsticker (2) ein wenig auf.
Aus der Nähe betrachtet, fallen die mit dem BirdPen aufgetragenen Doppelmarkierungen (1) und der Birdsticker (2) ein wenig auf.
Der Pfeil eist auf eine doppelt aufgetragene BirdPen-Markierung, die direkt daneben oder darüber bzw. darunter liegende dünnere Einzelschicht ist hingegen nicht zu erkennen.
Der Pfeil eist auf eine doppelt aufgetragene BirdPen-Markierung, die direkt daneben oder darüber bzw. darunter liegende dünnere Einzelschicht ist hingegen nicht zu erkennen.

Nachdem ich die Fenster auf diese Weise präpariert hatte, durften die Vögel bei eingeschalteter Vogellampe (wichtig wegen der UV-Reflexion) im Zimmer frei fliegen. Einer meiner Katharinasittiche flog zunächst direkt auf die Fenster zu, bremste aber kurz davor abrupt ab, weil er offenkundig die Markierungen doch noch rechtzeitig gesehen hatte. Die Wellensittiche flogen gar nicht erst in unmittelbare Nähe der Fensterscheiben und meine Diamanttauben mieden sie ebenfalls. Nach kurzer Zeit hatten sich die Vögel gemerkt, dass man nicht durch das Glas fliegen kann und sogar bei ausgeschalteter Vogellampe und ohne UV-Reflexionen prallten die Tiere nicht mit hoher Geschwindigkeit gegen die Fenster. Lediglich die Diamanttauben rutschen manchmal an der Scheibe entlang, wenn sie von ihrem Lieblingsplatz – dies war in dem damaligen Vogelzimmer eine vor dem Fenster aufgehängte Schaukel – losflogen und nach unten gelangen wollten. Das Ganze sah aber eher wie ein kontrollierter Sinkflug entlang der Scheibe aus, die Vögel schienen das Glas sehr wohl als Hindernis erkannt zu haben.

Die Haltbarkeit der Markierungen ist laut Hersteller bei der Nutzung auf der Außenseite der Fenster auf etwa ein halbes Jahr begrenzt, sofern das Fenster nicht geputzt wird. Nach dem Fensterputzen muss das Muster erneut aufgetragen werden, denn Glasreiniger und auch Putzwasser lösen es sehr leicht ab. Ich habe zudem festgestellt, dass sich an den Kreuzungspunkten der Gitterlinien mitunter kleine Federn verklebten, wenn die Vögel während der Mauser im Flug beispielsweise Dunen verloren und diese zufällig auf ein Fenster fielen. Auch wenn die Diamanttauben wie oben beschrieben kontrolliert an den Fensterscheiben entlang rutschten, blieb oft etwas Gefiederstaub an den Mustern kleben. Doch das empfand ich nicht als störend, zumal alles nach dem nächsten Fensterputzen wieder verschwunden war. Dem Gefieder der Vögel machte es nichts aus, dass sie an dem aufgemalten Muster entlang gerutscht sind.

In meinem damaligen Vogelzimmer und bei meinen Vögeln war der Birdpen in Kombination mit der speziellen Vogellampe ein sehr guter Kollisionsschutz. Ob dies in allen Freiflugzimmern so ist, muss wohl im Einzelfall ausprobiert werden. Ganz ohne Vogellampe dürfte es schwierig für die Vögel sein, ein mit dem Stift aufgetragenes Muster zu erkennen. Doch wer seinen Vögeln mit einer Vogellampe eine optimale Beleuchtung bietet, für den könnte der Birdpen eine gute Möglichkeit zum Absichern der Fensterscheiben oder anderer Glasflächen sein.

Erhältlich ist der Spezialstift über die gleichnamige Webseite sowie im gut sortierten Vogelfutter-Fachhandel, der Wildvogelfutter und Fütterungszubehör führt.

Achtung: Es handelt sich hier nicht um Werbung. Ich habe den BirdPen ausprobiert, um meine Vögel vor Unfällen zu schützen und möchte meine Erfahrungen mit Ihnen teilen.

Fenster absichern mit statisch haftender Folie

Statisch haftende Fensterfolie hilft Vögeln dabei, Fensterscheiben als Hindernisse wahrzunehmen.
Statisch haftende Fensterfolie hilft Vögeln dabei, Fensterscheiben als Hindernisse wahrzunehmen.

Im Sommer 2019 bin ich umgezogen und das neue Zimmer meiner Vögel ist seitdem mit einem kleinen und einem großen Fenster ausgestattet, die direkt nebeneinander liegen und somit zusammen eine breite Fensterfront ergeben. Da die Fenster nicht nur breit, sondern auch recht hoch sind, fällt entsprechend viel Sonnenlicht ins Vogelzimmer – sehr zur Freude meiner Diamanttäubchen, die gern Sonnenbäder nehmen. Weil diese Lichtmenge aber den Katharinasittichen wiederum zu viel ist und weil ich Sorge hatte, dass doch einmal ein Vogel im Flug gegen diese große Fensterfront prallen würde, musste eine Lösung her.

Ich entschied mich zum Kauf einer statisch haftenden, überwiegend transparenten Fensterfolie. Diese Folien sind für wenig Geld im Handel erhältlich, beispielsweise in Baumärkten. Das Anbringen ist kinderleicht. Als erstes schneidet man die Folie auf die richtige Länge beziehungsweise Breite. Dann reinigt man das Fenster gründlich. Im nächsten Schritt befeuchtet man jenen Bereich, der mit der Folie bedeckt werden soll, mit aufgesprühtem Wasser. Dafür eignet sich eine Blumenspritze. Nun muss nur noch die Folie auf die angefeuchtete Fensterscheibe gebracht werden. Dabei muss man aufpassen, dass sie keine Falten wirft. Außerdem schnürt man leicht Luftblasen ein, die mit einem Lappen vorsichtig zum Rand gedrückt werden können. Ist das Wasser getrocknet, bleibt die Folie dank der statischen Anziehung von selbst an der Fensterscheibe haften.

Man kann die so beklebte Fensterscheibe vorsichtig putzen, ohne dass sich die Folie löst. Falls sie doch einmal von der Glasscheibe abrutscht, kann man sie leicht erneut wieder anbringen. Da sie nicht mit Klebstoff befestigt wird, verbleiben auf dem Glas keinerlei Rückstände, wenn man die Folie entfernt.

Bringt man diese Folie in Streifen auf, sehen die Vögel sehr deutlich, dass sich dort ein Hindernis befindet. Fensterscheiben werden dadurch in aller Regel gut erkannt.

Einziger Nachteil der Folien: Viele Fabrikate riechen anfangs arg nach „Plastik“. Wer sie anbringt, sollte am besten die Vögel ein bis zwei Wochen lang nicht im selben Raum haben und ständig gut lüften. Danach sollte der Großteil der flüchtigen Substanzen ausgedünstet sein, die möglicherweise gesundheitsgefährdend für die Vögel sein könnten.