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  Aggressive Henne Wer mehrere Wellensittichpaare hält, die normalerweise bestens miteinander harmonieren, sollte sich dessen bewusst sein, dass es während der Brutphase zu Problemen kommen kann. Vor allem die Hennen entwickeln gegenüber ihresgleichen ein enormes Aggressionspotential, das sich zuweilen in blutigen Kämpfen entlädt. Aber auch die Hähne sind während der Brutphase sehr viel angriffslustiger als zu anderen Zeiten. Es ist deshalb wichtig, einige Regeln zu beachten und über ein solides Grundwissen bezüglich der Versorgung von Bisswunden sowie über eine gut ausgestattete Hausapotheke zu verfügen.

Der attraktivste Nistplatz
Das oberste Gebot beim Züchten von Wellensittichen in einer größeren Gruppe lautet: Eher zu viele Nistkästen anbieten als zu wenige und den Tieren zudem sehr viel Platz (und damit Rückzugsmöglichkeiten) zur Verfügung stellen! Nachdem sich die Paare gefunden haben, suchen sich die Weibchen je einen Nistplatz, der ihren persönlichen Vorlieben entspricht. Selbst wenn die angebotenen Nistkästen für unser Auge vollkommen gleich aussehen mögen, so wird es mit großer Wahrscheinlichkeit unter den Hennen mehr oder minder heftigen Streitigkeiten um den Kasten an der in ihren Augen besten Position in der Voliere kommen. Prinzipiell gilt: Je mehr Auswahlmöglichkeiten für die Weibchen bestehen, desto weniger Konflikte tragen sie untereinander aus.

Eben weil es zu solchen Streitigkeiten kommt, wenn mehrere Paare in einer gemeinsamen Voliere untergebracht sind und dort brüten sollen - man spricht hierbei von einer sogenannten Koloniebrut oder Gruppenbrut -, bevorzugen viele Züchter die Einzelbrut. Das heißt, sie setzen die einzelnen Paare in separate Brutkäfige, die mit jeweils einem Nistkasten ausgestattet sind. So lassen sich Streit und Blutvergießen unter den Hennen am sichersten vermeiden. Das Foto unten zeigt eine Henne und ihren schon rund drei Wochen alten Nachwuchs. Die Vögel sind von einer eifersüchtigen Henne attackiert worden. Sie erlagen kurze Zeit später leider alle ihren schweren Verletzungen. Selbst der sofort zu Rate gezogene Tierarzt konnte für die Mutter und ihre beiden Küken nichts mehr tun.

Henne und ihre verletzten Küken

Frustrierte Hennen
Henne zerbeißt ein Ei Kompliziert wird es, wenn eine der Hennen des Schwarms aus irgendeinem Grund keinen festen Partner hat. Während die anderen Hennen bereits einen Nistkasten bezogen und eventuell schon mit der Eiablage begonnen haben, hängen die unverpaarten, aber meist ebenfalls brutlustigen Weibchen regelrecht in der Luft. Ihre Frustration schlägt nicht selten in Aggression um, die sie an verpaarten Hennen oder an deren Gelege auslassen, siehe Foto rechts.

Im harmlosesten Fall stören Single-Hennen die Artgenossen des Schwarms wieder und wieder beim Geschlechtsakt, so dass diese echte Schwierigkeiten dabei haben, ein befruchtetes Gelege zustande zu bringen.

Erheblich gefährlicher ist es, wenn eine frustrierte Single-Henne Besitzansprüche auf einen bereits besetzten Nistkasten stellt. Das unverpaarte Weibchen dringt in den Kasten ein und greift die darin brütende Henne brutal an. Weil die Besitzerin des Kastens meist überraschend angegriffen wird und aus ihrem Instinkt heraus das Gelege beziehungsweise die Nestlinge schützen will, wehrt sie sich kaum und erleidet oft schwere Bisswunden. Gebrochene Zehen, abgesplitterte Schnäbel, Fleischwunden, verletzte Augen sowie stark blutende Nasen oder Zungen sind bei solchen Kämpfen an der Tagesordnung. Leider kommt es immer wieder vor, dass bei einem solchen Angriff das brütende Weibchen von der eindringenden Henne tot gebissen wird.

Untreue Hähne
Auch die gefiederten Herren der Schöpfung können für schwelende Konflikte im Vogelschwarm verantwortlich sein. Manche Hähne nehmen es sogar während der Brutphase mit der Treue nicht allzu genau. Meist ist es die Nebenfrau, die irgendwann vollkommen frustriert auf ihre Nebenbuhlerin, die Hauptfrau, losgeht, weil diese vom Männchen gefüttert und umsorgt wird. Im Grunde ist es verständlich, dass die Nebenfrau so reagiert, nur können derlei Konflikte sehr leicht tödlich für die brütende und damit wehrlose Hauptfrau enden.

Wie man Konflikte vermeidet
Egal, worin das Problem auch liegen mag, oft ist es nur eine Henne, die den Frieden im Vogelzimmer oder in der Voliere empfindlich stört. Einem unter Einfluss großer Hormonmengen aggressiv gewordenen Wellensittichweibchen kann man sein schlechtes Benehmen nicht austreiben. Die Henne ist im Grunde nicht ganz sie selbst und meist rasend vor Eifersucht oder zutiefst betrübt, weil sie verschmäht wurde.

So hart es auch sein mag, aber sofern man auf einer Gruppenbrut besteht, muss ein solcher Störenfried schnellstmöglich aus dem Schwarm genommen werden, bis die Nestlinge der brütenden Paare ausgeflogen sind. Notfalls muss eine aggressive Henne über mehrere Wochen vom Schwarm getrennt werden. Da es um Leben und Tod der brütenden Hennen und der Nestlinge geht, ist die zeitweise Separierung einer aggressiven Henne ein durchaus angemessenes Mittel. Besser wäre es jedoch, das Tier mit einem ruhigen Artgenossen zu vergesellschaften, wenn es sich wieder ein wenig beruhigt hat oder ganz auf die Gruppenbrut zu verzichten, um Konflikte gar nicht erst aufkommen zu lassen.

 
 
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