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Home > Wellensittichzucht > Lähmung durch ein verrutschtes Ei | |||
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Zwar geschieht es vergleichsweise selten, aber es kann durch ein innerhalb des Körpers
verrutschtes Ei oder einen Sturz zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der
Beweglichkeit eines Vogelweibchens kommen. Die Heilungschancen lassen sich nicht pauschal
vorhersagen. Es hängt von der Schwere der jeweiligen Verletzung, vom Alter
der Henne und auch von der Intensität der Betreuung des erkrankten Vogels durch seinen
Halter ab, ob eine Genesung möglich ist oder nicht.
Der Vogelkörper ist klein und kompakt gebaut, um möglichst leicht zu sein, damit die Tiere fliegen können. Normalerweise rutschen Eier im Körper der Weibchen durch den Legedarm und sind im Bauchraum so untergebracht, dass sie keinen Schaden anrichten können. Aufgrund einer Verkettung widriger Umstände kann ein Ei im Körper verrutschen und dadurch eine teilweise oder vollständige Lähmung eines Beines hervorrufen. In besonders schlimmen Fällen sind beide Beine gelähmt. Stürzt die Henne beispielsweise, während sie ein Ei in sich trägt, so kann es durch den Aufprall innerlich verrutschen. Durch die Volumenverdrängung baut sich an der Wirbelsäule, wo sich die Nervenkanäle befinden, kurzzeitig ein enormer Druck auf. Dieser Druck kann die Nerven schädigen, was zu Bewegungsstörungen und Lähmungen führt, die entweder sofort einsetzen oder aber innerhalb von etwa 24 Stunden. Weil die Nervenstränge im Bereich der unteren Wirbelsäule zu den unteren Extremitäten, also zu den Beinen, und auch zum unteren Rücken sowie zum Schwanz führen, sind von einer Lähmung meist die Beine betroffen, selten auch der Schwanz. Je nachdem, wo sich der Druck aufgebaut hat, kann die Nervenschädigung zu einer einseitigen oder zu einer beidseitigen Bewegungsbeeinträchtigung führen. Solche Lähmungen oder Bewegungsstörungen sind meist gravierend und müssen umgehend behandelt werden, damit die betroffene Henne eine Chance auf Genesung hat. Anhand des Fallbeispiels des Wellensittichweibchens Cordelia, das aufgrund eines verrutschten Eis beide Beine nicht mehr bewegen konnte, werden im Folgenden die Behandlungsschritte erläutert. Cordelia hatte Glück, sie wurde wieder gesund, was jedoch leider nicht für jeden betroffenen Vogel gilt. In manchen Fällen ist eine Wiederherstellung der Beweglichkeit der Beine nicht mehr möglich. Man kann dem schwerstbehinderten Vogelweibchen entweder ein Gnadenbrot in einem Umfeld, das für gehandicapte Vögel eingerichtet wurde, gewähren, oder aber man entscheidet sich gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt für das Einschläfern des Vogels.
Beidseitige Beinlähmung beim Wellensittich Cordelia
Glücklicherweise erholte sie sich rasch. Trotz einer hormonellen Behandlung legte sie in den kommenden Wochen weitere Eier. Sie erhielt Kalzium und hochwertiges Futter, um keine Windeier zu produzieren, was sehr wahrscheinlich weitere Probleme wie eine erneute Legenot nach sich gezogen hätte.
16. April 2005
Wenige Minuten später wurde sie von einem Tierarzt untersucht, der mir erklärte, das Ei läge noch zu weit innerhalb des Körpers und sei nicht bereit für die Ablage. Damit Cordelia es dennoch aus eigener Kraft würde legen können, gab der Arzt eine große Menge Gleitmittel in die Kloake. Weshalb der Vogel offenkundig Schmerzen hatte und das Ei loswerden wollte, konnte mir der Arzt nicht genau erklären, er konnte lediglich Vermutungen anstellen. Sehr wahrscheinlich hatte ein Sturz zu einer inneren Quetschung geführt, auf die das Ei drückte und somit Schmerzen verursachte. Er sagte, falls Cordelia die Nacht überleben würde, dann sollte ich am nächsten Morgen zunächst Gleitmittel in die Kloake träufeln und dann vorsichtig versuchen, das Ei heraus zu massieren.
17. April 2005
Der folgende Film zeigt, wie sich Cordelia mit ihrem einen gelähmten Bein robbend fortbewegte: Film 1 (avi, 2,40 MB). Ich wollte sie erneut zum Tierarzt bringen, der die Praxis allerdings erst um neun Uhr öffnete. Bis dahin war das rechte Bein ebenfalls schlaff gelähmt, diese Verschlechterung trat sehr schnell ein. In beiden Füßen fehlte der Greifreflex und Cordelia schien zudem kein Gefühl in den Beinen und Füßen zu haben, denn sie reagierte nicht, als ich ihr vorsichtig in die Zehen und Ständer kniff. Beide Füße waren zudem eiskalt. Der behandelnde Tierarzt tippte darauf, dass bei dem Sturz am Tag zuvor die Nerven zu Schaden gekommen waren. Daher rührte seiner Aussage nach die Lähmung beider Beine. Deshalb wurde Cordelia mit einer hohen Dosis eines Vitamin-B-Komplexes behandelt, um der Nervenschädigung entgegen zu wirken. Sie erhielt eine Injektion und ich sollte sie in den kommenden Tagen weiterhin oral mit dem Medikament (das damals noch in Tropfenform erhältliche Polybion N) versorgen. Zum Glück waren alle sonstigen motorischen Fähigkeiten nicht beeinträchtigt. Cordelia konnte den Kopf bewegen, hatte einen normalen Pupillenreflex und war auch dazu in der Lage, Kot abzusetzen. Die Flügel waren voll beweglich.
Gegen elf Uhr verfärbte sich ihr Oberschnabel blau, was auf ein schweres Herz-Kreislauf-Problem schließen ließ (siehe Foto rechts). Cordelias Körper wurde mit zu wenig Sauerstoff versorgt. Sehr wahrscheinlich war dies eine direkte Folge der allgemeinen Erschöpfung. Nach wie vor nahm sie selbst keine Nahrung auf, wurde aber ab dem späten Nachmittag von ihrem Partner gefüttert und nahm den Körnerbrei auch an.
18. April 2005
Ich gab ihr den Vitamin-B-Komplex, ein Herz-Kreislauf-Präparat und ein Schmerzmittel ein, das mir der Tierarzt mitgegeben hatte. Er meinte, dass sie mit Sicherheit unter Schmerzen leiden würde und wir ihr diese nehmen sollten, wenn wir auch sonst nicht viel tun könnten. Mit dem unguten Gefühl, mich wahrscheinlich für immer von ihr verabschiedet zu haben, fuhr ich an diesem Morgen zur Arbeit. Ich hatte kaum Hoffnung, dass sie wieder gesund werden würde. Als ich am Abend nach Hause kam, lebte Cordelia noch und sie hatte sogar selbst gefressen. Das war die erste eigenständige Nahrungsaufnahme seit Tagen. Ich schöpfte ein wenig neue Hoffnung.
19. April 2005
20. April 2005
21. April 2005
Am Abend gelang es ihr, sich auf einen der Käfige, die im Vogelzimmer auf dem Fußboden standen, hochzuziehen. Es war rührend, wie ihr Partner Pollux ihr dabei "moralische Unterstützung" zu geben schien. Als es ihr gelungen war, den Käfig zu erklimmen, begann er damit, sie zu kraulen. Der folgende Film zeigt Cordelia beim Klettern: Film 2 (avi, 2,63 MB).
Abschließende Anmerkungen
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