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  Weibchen mit Legezwang Immer wieder kommt es vor, dass ein Wellensittichweibchen geradezu zwanghaft Eier legt. Manchmal ist kein Partner vorhanden, weil das Tier als Einzelvogel gehalten wird, obwohl diese Art der Haltung nicht zu befürworten ist. In anderen Fällen soll ein Wellensittichpärchen nicht brüten, das Weibchen legt aber dennoch immer wieder neue Eier. Um gegen den unerwünschten Eiersegen vorgehen zu können, ist es wichtig, die Hintergründe für das gesteigerte Brutverhalten des Vogels zu kennen und dann gezielt die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.

Was ist ein Legezwang?
Unter dem Begriff Legezwang versteht man einen übersteigerten, abnormen Bruttrieb beim weiblichen Vogel. Das heißt, die betroffenen Vögel legen immens viele Eier ab oder aber sie produzieren Gelege, obwohl die Rahmenbedingungen dafür an sich nicht gegeben sind. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass Wellensittiche, die eigentlich Höhlenbrüter sind und Nistkästen zur Jungenaufzucht benötigen, ihre Eier einfach irgendwohin legen, siehe unten.

Unter welchen Umständen brüten Wellensittiche normalerweise?
Wellensittiche sind in ihrer australischen Heimat Nomadenvögel, die auf der Suche nach Nahrung ständig durchs Land ziehen. Nur zum Brüten werden sie vorübergehend sesshaft. Hierfür müssen mehrere günstige Faktoren zusammentreffen, sonst geraten wilde Wellensittiche nicht in Brutstimmung:

  • Es muss ein gesunder Geschlechtspartner vorhanden sein.
  • Die Konstitution (der Gesundheitszustand) muss bei dem Weibchen sehr gut sein.
  • Die Nahrungssituation muss stimmen. Das bedeutet, die australischen wilden Wellensittiche müssen in einen Bereich des Landes gelangen, in dem gerade frisches Gras mit (halbreifen) Samenständen vorhanden ist.
    Bei in Gefangenschaft lebenden Vögeln ist die Nahrungssituation für gewöhnlich generell gut, so dass dieser Punkt für sie praktisch immer entfällt. Obwohl hier unbedingt anzumerken ist, dass die Weibchen während der Produktion der Eier eine besonders abwechslungsreiche und vor allem mineralstoffhaltige Kost, also eine sogenannte Aufzuchtnahrung, benötigen (u. a. viel Kalzium).
  • Die Vögel benötigen einen Nistplatz, der vor Feinden sicher und trocken ist. Wellensittiche sind Höhlenbrüter, ohne das Vorhandensein einer Höhle (bzw. bei Heimvögeln ohne einen Nistkasten) brüten sie normalerweise nicht.
Vor allem bei im Haus gehaltenen Wellensittichen kann es zu Abweichungen von diesem Schema oder gar zu Verhaltensauffälligkeiten kommen. Eine solche Abweichung bzw. Verhaltensauffälligkeit ist der Legezwang. Im Folgenden finden Sie zwei relativ typische Fallbeispiele für einen Legezwang bei einem im Haus gehaltenen Wellensittichweibchen.

Fallbeispiel 1: Das einzeln gehaltene Weibchen
Wellensittiche sind Schwarmvögel. Sie einzeln zu halten, ist nicht tiergerecht, siehe auch die Birds-Online-Rubrik "Gegen Einzelhaltung". Dennoch halten viele Menschen - teils wider besseres Wissen - Wellensittiche einzeln. Solche Einzelvögel neigen zu einer Reihe von Verhaltensauffälligkeiten, unter ihnen auch der Legezwang.

Einzeln gehaltene Weibchen genießen oft die volle Zuneigung "ihrer" Menschen, die sie aufgrund ihrer Fehlprägung als ihre Sexualpartner ansehen. Alarmzeichen für einen bevorstehenden Legezwang sind die Aufforderungen zum Paarungsakt (das Weibchen macht sich ganz steif und streckt die hintere Körperhälfte empor) sowie kurz vor der Eiablage das Absetzen riesiger Kotballen. Außerdem verschwinden legewütige Weibchen gern in höhlenartigen Gegenständen wie Pappkartons, etc.

Fallbeispiel 2: Das paarweise gehaltene Weibchen
Weibchen bei der Bodenbrut Natürlich können auch paarweise gehaltene Wellensittiche in Brutstimmung geraten. Meist stehen ihnen jedoch keine Nistplätze zur Verfügung. Dass ein Weibchen trotzdem Eier ablegt, und zwar beispielsweise auf dem Boden des Käfigs, in einem Regal oder an einem anderen "freien" Ort, kommt dennoch gelegentlich vor. Beobachtet man Paarungsakte bei seinen Vögeln, so ist dies an sich noch kein Alarmsignal. Erst wenn das Weibchen damit beginnt, sehr große Kotballen abzusetzen, zeichnet sich sehr wahrscheinlich der Beginn eines Legezwangs ab.

Achtung: Küken, die bei einer solchen "Bodenbrut" schlüpfen, haben teils sehr schlechte Überlebenschancen! Deshalb sollte man ein solches "Bodengelege" unbedingt sterilisieren! Oft erleiden am Boden ausgebrütete Küken schwere Hüftdeformationen, die zu seitlich vom Körper abstehenden Beinen, sogenannten Spreizbeinen, führen. Man sollte es nach Möglichkeit nicht so weit kommen lassen!

Wie lässt sich ein Legezwang stoppen?
Das extreme Eierlegen sollte möglichst rasch gestoppt werden. Früher konnte man in solchen Fällen von Legewut oder -zwang ein männliches Geschlechtshormon vom Tierarzt spritzen lassen, danach stoppte die Eiproduktion sofort. Es standen verschiedene Präparate zur Auswahl, von denen eines vom Markt genommen worden ist. Dieses Mittel verursachte oft Leberschäden bei den Vögeln. Ein weiteres Mittel ist heute noch erhältlich, aber man sollte sich gut überlegen, ob man es tatsächlich anwenden möchte.

Dieses Präparat, in dem der Wirkstoff Leuprolit enthalten ist, hat in letzter Zeit bei mehreren Wellensittichen zu einer Diabeteserkrankung unmittelbar nach der Behandlung geführt. Deshalb sollte man nur im äußersten Notfall auf die Hormontherapie zurückgreifen. Hilfreich kann in Bezug auf den Legezwang ein Besuch beim Tierheilpraktiker sein, der mit homöopathischen Präparaten regulierend einwirken kann, ohne dass dies gleich mit massiven Nebenwirkungen einhergehen würde. Ansonsten gilt: Meist hilft eine Änderung der Haltungs- und Ernährungsbedingungen.

Legewütige Weibchen sollten auf gar keinen Fall einen Nistkasten oder Ähnliches erhalten, denn dadurch wird der Legezwang geradezu gefördert. Ist bereits ein Gelege vorhanden, sollte man es nicht einfach zusammen mit dem Nistkasten entfernen, sondern wie im Kapitel über sterile Gelege beschrieben vorgehen.

Klettern gegen Langeweile Eine ausgewogene Ernährung ist immer wichtig. Nur ist es leider so, dass bei besonders legewütigen Weibchen eiweißreiche Kost wie beispielsweise Keimfutter den Bruttrieb fördert. Deshalb sollte es - zumindest für einige Zeit - vom Speisezettel gestrichen werden.

Ferner braucht ein Vogel, bei dem ein Legezwang vorliegt, in aller Regel ein Aufbaumittel sowie zusätzliches Kalzium. In diesem Zusammenhang sollte man unbedingt einen Tierarzt oder -heilpraktiker zu Rate ziehen.

Wichtig ist es auch, für weitere Beschäftigungsmöglichkeiten zu sorgen, siehe Foto rechts. Ein Vogel, der zusammen mit seinem Partner viele Naturspielzeuge erkunden kann, ist seelisch ausgeglichener und gerät nicht so leicht unter Legezwang wie ein Vogel, der sich langweilt.

 
 
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