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Home > Wellensittichzucht > Verwaiste Jungvögel | |||
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Auch bei noch so guter Pflege kann es jederzeit geschehen, dass eine Wellensittichhenne
während der Brut oder Jungenaufzucht stirbt oder aus anderen Gründen den Nachwuchs nicht mehr versorgen kann. Sind die Eier erst
wenige Tage bebrütet, sind sie nur dann zu retten, wenn man sie einer anderen
brütenden Henne (oder mehreren) unterlegen kann. Allerdings sollte der voraussichtliche
Schlupftermin der Jungtiere der verschiedenen Gelege zusammenpassen und keine zu großen
zeitlichen Differenzen aufweisen (nicht mehr als vier Tage). Die Eier mit einer Wärmelampe
zu bestrahlen und exakt die richtige Temperatur zu treffen, um sie künstlich
auszubrüten, ist für Laien
praktisch unmöglich, zumal die Luftfeuchtigkeit bei einer Kunstbrut nicht zu niedrig sein darf.
Wer einen automatischen, elektronisch betriebenen Brutschrank besitzt, kann
ein verwaistes Gelege darin ausbrüten lassen. Weitere Möglichkeiten zur Rettung
eines verwaisten Geleges existieren leider nicht.
Sind die Jungtiere bereits geschlüpft, wenn die Henne stirbt oder aus anderen Gründen die Jungenaufzucht nicht mehr fortsetzen kann, hängt es vom Alter der Nestlinge sowie von den zur Verfügung stehenden Alternativen zur Hilfestellung ab, wie hoch die Überlebenschancen der jungen Vögel sind. Viele Vogelzüchter möchten in einem solchen Fall die Jungtiere von Hand großziehen, was jedoch komplizierter ist, als man es zunächst annehmen mag, denn mit dem Verabreichen irgendeines Breifutters ist es bei weitem nicht getan.
Etwa bis zu ihrem sechsten Lebenstag werden junge Wellensittiche von ihren Müttern mit der sogenannten Vormagenmilch gefüttert. Dies ist ein milchiges Sekret, das von den Weibchen im Vormagen gebildet wird. Ernst wenn sie etwa eine Woche alt sind, erhalten die Jungvögel einen vorverdauten Körnerbrei als Nahrung, weil sie davor nicht in der Lage sind, ihn überhaupt verdauen zu können. Die nährstoffreiche Vormagenmilch zu ersetzen, wenn die Henne ausfällt, ist äußerst schwierig. Brauchbare und erprobte Rezepte finden sich in den unten genannten Fachbüchern, sie sind jedoch keine Garantie für das Überleben der verwaisten Jungtiere. Ein weiteres Problem bei der Handaufzucht sehr junger Wellensittiche stellt die Häufigkeit der Fütterungen dar. Sehr junge Küken müssen rund um die Uhr, also auch nachts, mit jeweils recht kleinen Mengen Brei gefüttert werden. Pausen von mehreren Stunden, wenn man beispielsweise bei der Arbeit ist, würden sie nicht überleben. Verwaiste Nestlinge haben nur dann eine Überlebenschance, wenn sie von einem erfahrenen Pfleger rund um die Uhr betreut werden können und zudem ein dem jeweiligen Alter angemessener Futterbrei gereicht wird, denn die Zusammensetzung des idealen Futters verändert sich mit zunehmendem Alter der Küken.
Sehr hoch sind die Überlebenschancen für verwaiste Küken, die nur wenige Tage alt sind, wenn man sie einer anderen brütenden Henne ins Nest legen kann, die zur selben Zeit eigenen Nachwuchs großzieht. Wellensittiche sind für gewöhnlich gute und verlässliche Ammen, sie nehmen fremde Jungtiere in den allermeisten Fällen sofort ohne Probleme an. Es besteht jedoch das geringe Risiko, dass sie die fremden Nestlinge töten. Weibchen, die gerade selbst nicht brüten, kümmern sich normalerweise nicht um bedürftige Jungtiere, sie beißen die Küken in fast allen Fällen tot! Sind die Jungvögel bereits über zwei Wochen alt, wenn ihre Mutter stirbt, schafft es meist der Hahn, sie problemlos allein großzuziehen, sofern sich die Nestlinge gegenseitig wärmen können. Ein einzelnes Jungtier braucht unbedingt eine künstliche Wärmequelle, um nicht zu sehr auszukühlen. Sprechen Sie mit ihrem vogelkundigen Tierarzt über dieses Thema, denn das Wärmen von Jungtieren ist nicht leicht! Kontrollieren Sie zudem regelmäßig den Ernährungszustand solcher Nestlinge, die nur vom Vater aufgezogen werden, und füttern Sie gegebenenfalls selbst ein wenig artgerechten und auf die Bedürfnisse der Jungtiere angepassten Nahrungsbrei mit der Futterspritze zu; auch hierzu ist unbedingt Rücksprache mit einem fachkundigen Tierarzt oder sehr erfahrenen Vogelzüchter erforderlich!
Geschwächte ältere Jungvögel, die mindestens drei Wochen alt sind, können von Experten mit einer sogenannten Kropfsonde oder -kanüle ernährt werden. Hierbei handelt es sich um einen speziellen Spritzenaufsatz, der bis in den Kropf geschoben wird. Entleert man die Futterspritze, gelangt der Futterbrei direkt in den Kropf.
Bei Vögeln verläuft die Luftröhre in unmittelbarer Nähe der Speiseröhre. Trifft man mit der Kropfsonde durch eine falsche Bewegung die Luftröhre, erstickt der Vogel binnen weniger Sekunden. Aber selbst dann, wenn man die Speiseröhre trifft und die Sonde ordnungsgemäß in den Kropf einbringt, kann es zu einem folgenschweren Unfall kommen, wenn man mit der Hand zittert oder verrutscht, denn dann durchsticht die Kropfsonde die Kropfwand und das Küken stirbt binnen weniger Sekunden unter Qualen. Ältere Jungtiere, die nicht besonders geschwächt sind und vom Vater gut versorgt werden, kann man mit ein wenig Geschick mit Hilfe einer normalen Spritze und später mit einem Löffel zusätzlich ernähren. Allerdings sollte auch dies nicht ohne grundlegende Kenntnisse über die Handaufzucht und eine Einweisung durch einen vogelkundigen Tierarzt erfolgen.
Handaufzucht von Wellensittichen
Literaturtipps
Kunstbrut und Handaufzucht von Papageien und Sittichen und
Handaufzucht von Papageien
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Vereinigung
für Artenschutz, Vogelhaltung und Vogelzucht (AZ) e.V. |
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