Jupp

Jupps linker Flügel war gebrochen, weshalb dem Vogelmann das Fliegen nun schwerfällt.
Jupps linker Flügel war gebrochen, weshalb dem Vogelmann das Fliegen nun schwerfällt.

Während der ersten Jahre seines Lebens hat Jupp in einem Haushalt gewohnt, in dem die Vogelhaltung einfach dazu gehörte. Seit ihrer Kindheit hatten seine Halter Vögel um sich, deshalb war die Anwesenheit von Jupp und seinen drei Gefährten für sie selbstverständlich. In einer Voliere waren die vier Vögel untergebracht, und die meiste Zeit verstanden sie sich gut. Irgendwann hatte Jupp dann aber einen Unfall, über den nichts Genaues bekannt ist. Seit jenem verhängnisvollen Tag hat er eine Fehlstellung im linken Flügel und kann nicht mehr richtig fliegen. Seine Schwarmgefährten begannen damit, ihn zu mobben. Ob dies geschah, weil er plötzlich körperlich eingeschränkt war, ist schwer zu sagen. Es könnte auch andere Gründe gehabt haben, beispielsweise Eifersüchteleien.

Wann das wildfarbene Wellensittichmännchen Jupp geboren wurde, ist mir leider nicht bekannt.
Wann das wildfarbene Wellensittichmännchen Jupp geboren wurde, ist mir leider nicht bekannt.

Um ihn vor den Attacken der anderen Vögel zu schützen, die ihn immer wieder von den Stangen warfen, wurde Jupp in einen separaten Käfig gesetzt. Das war zwar gut gemeint, doch er vereinsamte, war er doch ständige Gesellschaft gewohnt. Letztlich wurde entschieden, ihn abzugeben. Eine tierliebe Frau nahm sich zunächst seiner an und pflegte ihn, während sie nach einem behindertengerechten Zuhause für ihn suchte. Sie brachte ihn auch zu einer Vogel-Tierärztin, die feststellte, dass Jupps Flügel gebrochen war und schief verheilt ist, weil die Verletzung seinerzeit nicht behandelt worden ist. Daran ließ sich nun nichts mehr ändern, was auch für die Tatsache galt, dass Jupp Circoviren in sich trägt. Diese Viren verursachen eine Erkrankung namens PBFD, die bei vielen infizierten Vögeln zu Gefiederschäden führt und ihr Immunsystem angreift. Leider ist diese Krankheit für andere Vögel gefährlich, denn sie ist hochansteckend. Damit war klar, dass Jupp nicht einfach irgendwohin ziehen können würde.

Jupp ist neugierig und sehr an Freundschaften mit anderen Vögeln interessiert.
Jupp ist neugierig und sehr an Freundschaften mit anderen Vögeln interessiert.

Weil ich in meinem Vogelschwarm mehrere Vögel beherberge, die ebenfalls Träger von Cirvoviren sind, sprach nichts dagegen, Jupp aufzunehmen. Noch dazu ist mein Vogelzimmer so eingerichtet, dass Vögel mit Handicap dort gut leben können. Also sagte ich zu, den grünen Vogelmann aufzunehmen. Am 1. November 2020 zog Jupp also ein. Er schaute sich mit großen Augen um, wirkte anfangs recht entspannt und lernte schnell die besten Kletterstrecken kennen. Ein wenig tragen ihn seine Flügel und er fliegt deshalb hin und wieder auch kurze Strecken. Dabei kann er jedoch nicht an Höhe gewinnen, sondern nur waagerecht fliegen oder von einem erhöhten Punkt starten und sich flatternd nach unten bewegen.

Die ersten Tage waren recht hart für ihn. Obwohl er die Gesellschaft der anderen Vögel zu schätzen wusste, was man ihm deutlich anmerkte, hatte er am Futternapf große Angst vor ihnen. Niemand mobbte ihn mehr, und doch fürchtete er sich, wann immer ein anderer Vogel auch nur in seine Nähe kam, während er fressen wollte. Das führte dazu, dass er anfangs immer als Letzter frühstückte, weil er sich dann nicht mehr gestört fühlte. Zum Glück änderte sich das bald und schon nach etwas mehr als einer Woche mischte er sich mitten „unters Vogelvolk“ und genoss mit den anderen gemeinsam seine Mahlzeiten. Besonders hat es ihm der gekeimte Weizen angetan. Auch frischen Blattsalat futtert er für sein Leben gern.

Mit den Mädels zu flirten, ist für Jupp das Größte - hier baggert er gerade Brit an.
Mit den Mädels zu flirten, ist für Jupp das Größte – hier baggert er gerade Brit an.

Es dauerte nicht lang, bis Jupp erste Kontakte knüpfte. Mit dem flugunfähigen Wellensittichmännchen Leo verstand er sich zu dessen Lebzeiten sehr gut. Neben dem sehr alten Neil saß er zu dessen Lebzeiten gern, wenn er ein wenig Ruhe haben wollte. Und selbstverständlich hat Jupp als echter Kerl auch bald die Damenwelt für sich entdeckt. Dass es mehr Weibchen als Männchen gibt, scheint er gut zu finden. Mal flirtet er mit Brit oder Sue, dann mit Alana und gelegentlich sogar mit der draufgängerischen Else, als sie noch lebte. Das traute er sich aber nur, wenn deren Partner Helios gerade nicht hinschaute. Denn Streit mit anderen Männchen sucht Jupp nicht, da lässt er lieber das Flirten bleiben. Ich bin gespannt, ob er irgendwann eine wirklich feste Beziehung führen wird. Doch das ist an sich nicht entscheidend. Das Wichtigste ist, dass er sich nun wohlfühlt und nicht mehr gemobbt wird.