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Die Vogelgrippe ist ein Thema, das in letzter Zeit die Medien dominiert. Aus Asien hat sie
sich zunächst bis zum Ural, nach Rumänien, nach Griechenland und Kroatien
ausgebreitet. Anfang 2006 gingen Schreckensmeldungen aus der Türkei um die Welt, weil
dort Menschen an der Vogelgrippe erkrankt und sogar gestorben sind.
Nachdem die Krankheit die Türkei erreicht hatte, traten erste Fälle in Afrika auf. Mitte Februar erreichten die Viren dann letztlich auch Deutschland. Auf der Ostseeinsel Rügen wurde die für Menschen gefährliche Virusvariante bei zwei toten Höckerschwänen erstmals innerhalb unseres Landes nachgewiesen, danach begann sich die Vogelgrippe in weiteren Bundesländern auszubreiten. Angesichts dieser alarmierenden Meldungen fragen sich nun viele Tierhalter, ob sie selbst und auch ihre Wellensittiche bzw. Ziervögel durch die Vogelgrippe in Gefahr sind. In diesem Punkt besteht derzeit kein Grund zur Panik, und das obwohl die Krankheit Deutschland erreicht hat. Wellensittiche und andere im Haus gehaltene Ziervögel sind - sofern man entsprechende Vorsichtsmaßnahmen walten lässt - praktisch nicht in Gefahr! Lediglich Ziervögel in Außenvolieren könnten unter widrigen Umständen gefährdet sein, falls die Vogelgrippe in unmittelbarer Nähe unter Wildvögeln wütet und ein direkter Kontakt zu diesen besteht. Man muss hierbei jedoch dringend bedenken, dass unter den Wildvögeln keineswegs sämtliche Vogelarten betroffen sind oder als Überträger in Frage kommen. In diesem Kapitel von Birds Online erfahren Sie mehr über die Hintergründe und Zusammenhänge sowie Auswirkungen für Ihre Ziervögel.
Was ist die Vogelgrippe eigentlich?
Unter dem Begriff "Geflügel" werden mehrere verschiedene Vogelarten und -gattungen zusammengefasst. In Deutschland kommt beispielsweise folgendes (gefährdetes) Geflügel in freier Natur vor: Enten, Gänse, Schwäne und Hühnervögel (z. B. Fasane). Ausgelöst wird die Vogelgrippe - wie übrigens alle Grippeerkrankungen - durch ein Virus, in diesem Fall trägt es den Namen H5N1. Dieses spezielle Grippevirus ist zwar sehr aggressiv, das heißt hochgradig ansteckend, aber es bisher zum Glück nur in einigen wenigen Fällen auf Menschen übergesprungen. Normalerweise kann dies nur unter bestimmten Bedingungen geschehen: Es muss ein sehr enger Kontakt zwischen Mensch und Tier, hierbei insbesondere mit Nutzgeflügel, bei schlechten hygienischen Verhältnissen bestehen. In Deutschland sind solche Bedingungen in Privathaushalten nicht gegeben, weil es hierzulande nicht üblich ist, dass beispielsweise Hühner oder Gänse im Haus gehalten werden. Deshalb besteht in Bezug auf eine Ansteckung bei Nutzgeflügel praktisch keine Gefahr. Lediglich Besitzer sehr großer Geflügelbestände müssen sich an spezielle Vorsichtsmaßnahmen halten, die von der Regierung vorgegeben werden. Wenn in den Medien von der Vogelgrippe die Rede ist, dann werden hierbei genau genommen zwei Dinge miteinander vermischt. Einerseits bezeichnet dieser Begriff die ursprüngliche Vogelgrippe, die nur Vögel erkranken lässt, weil sie sich von Vogel zu Vogel überträgt. Ferner ist sie ein Synonym für die Krankheitsform, die von Tieren auf Menschen übertragen werden kann. In den vergangenen Wochen hat sich deshalb in den meisten Medien der Begriff "die für den Menschen gefährliche Virusvariante" eingebürgert, wenn diese spezielle Form des Krankheitserregers beschrieben werden soll.
Bisher ist eine Ansteckung von Menschen bei infizierten Vögeln wie bereits erwähnt sehr selten geschehen,
aber Seuchenexperten fürchten, dass sich der Krankheitserreger weiterentwickeln könnte.
Das Ergebnis einer solchen Mutation könnte sein, dass sich Menschen bei Menschen anstecken
können. Bisher ist diese Virusvariante der Vogelgrippe jedoch nicht
aufgetreten! Sollte diese Mutation dennoch in Zukunft erfolgen, könnte dies eine
weltweite Grippewelle auslösen. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer sogenannten
Pandemie. Im vergangenen Jahrhundert hat es bereits eine Pandemie gegeben,
die laut Aussagen der Experten durch dasselbe Virus verursacht wurde: die
Spanische Grippe Falls es so schlimm wird, dass die Grippe in Deutschland von Mensch zu Mensch übertragen werden kann, dann helfen Impfungen sowie Quarantäne. Die Bundesregierung wird in diesem Fall, der hoffentlich nicht eintreten wird, entsprechende Sicherheits- sowie Hilfsmaßnahmen einleiten und über die Medien die Bevölkerung informieren.
Welche Vögel sind von der Vogelgrippe betroffen?
Bisher sind fast nur Hühner- und Entenvögel - sowohl Nutztiere als auch Wildvögel - betroffen. Einige wenige andere Vogelarten sind ebenfalls bisher an der Vogelgrippe erkrankt. Dies sind aber Ausnahmefälle! Von Gartenvögeln wie Amseln, Meisen und Co. geht keine Gefahr aus. Rein theoretisch können sie zwar erkranken, aber sie scheiden eine so geringe Virenmenge mit dem Kot aus, dass sich selbst die überempfindlichen Hühnervögel nicht bei ihnen anstecken. Für uns Menschen stellen Singvögel keine Gefahr dar. Dasselbe gilt für Tauben aller Art, auch Stadttauben. Für Vogelhalter alarmierend ist jedoch die Tatsache, dass in Großbritannien Ende Oktober 2005 ein Papagei gestorben ist, der einige Wochen zuvor aus Südamerika importiert wurde und noch in der Quarantänestation die ersten Symptome der Vogelgrippe zeigte. Somit kann das Virus also tatsächlich auch Papageienvögel infizieren, wenn man ihm die Möglichkeit dazu bietet (engen Kontakt der Tiere). Der in London gestorbene Papagei wurde aus seinem Ursprungsland nach Großbritannien gebracht und zunächst in Quarantäne gehalten. Wie sich später herausgestellt hat, war er in der Quarantänestation mit infizierten Vögeln aus Südostasien in engsten Kontakt gekommen. Dieser tragische Fall zeigt: Leider gilt also, dass rein theoretisch auch Wellensittiche an der Vogelgrippe erkranken könnten. Sie müssten direkten Kontakt mit erkrankten Wildvögeln haben, die das Virus verbreiten, um sich anstecken zu können. Oder aber der Vogelhalter selbst müsste Kontakt zu erkrankten Wildvögeln und deren Exkrementen haben und diese mit seinen eigenen Vögeln in Kontakt bringen. Allerdings ist dies derzeit extrem unwahrscheinlich, denn weder kommen Stuben-Wellensittiche mit Zugvögeln an deren Rastplätzen (z. B. Gänserastplätze in Feuchtgebieten) in Kontakt, noch sind die meisten Tierhalter so leichtsinnig, sich in Risikogebiete zu begeben und dann mit ihren eigenen Vögeln umzugehen, als wäre nichts gewesen. Wellensittiche, die in Gartenvolieren gehalten werden, könnten theoretisch in Gefahr sein, falls das Virus in der Nähe wütet. Besondere Schutzvorkehrungen müssten dann getroffen werden, es wäre besser, die Tiere vor dem direkten Kontakt mit Kot von Wildvögeln und auch mit Spritzwasser zu schützen. Wer auf Nummer sicher gehen will, holt seine Wellensittiche ins (Schutz-)Haus und lässt sie nicht mehr nach draußen, falls die Vogelgrippe in der Nähe nachgewiesen wurde. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass in jedem Bundesland andere Regelungen für die Einstallung von Geflügel gelten. Es ist durchaus möglich, dass in besonders harten Fällen auch das Unterbringen anderer Vogelarten in Schutzhäusern behördlich angeordnet wird. Jeder Vogelhalter, der seine Ziervögel in Gartenvolieren hält, sollte sich deshalb rechtzeitig beim zuständigen Amtsveterinär über gegebenenfalls gültige Vorschriften erkundigen!
Trotzdem kann die Vogelgrippe praktisch jederzeit überall in Deutschland einen neuen Ausbruchsherd bilden, und das auf einem völlig anderen Wege: Sehr groß ist die Gefahr, die von (zum Teil illegalen) Nutztierimporten aus den von der Krankheit bereits getroffenen Gebieten und deren Nachbarschaft ausgeht. Auch der Kauf geschmuggelter, in ihrem Ursprungsland illegal gefangener Ziervögel geht mit einem Infektionsrisiko einher!
Woran erkennt man einen an der Vogelgrippe erkrankten (Wild-)Vogel?
Aufgrund der extremen Schwächung und des schnellen Verlaufs der Krankheit können infizierte Wildvögel kaum große Distanzen zurücklegen. Sie sterben meist ganz in der Nähe des Ortes, an dem sie sich angesteckt haben. Anders ist dies nur bei Nutztieren, die vom Menschen über weite Strecken transportiert werden. Aus eigener Kraft würde ein kranker Vogel nie so weit kommen, wie es durch die Tiertransporte möglich ist.
Wie kann man sich und seine Wellensittiche vor der Vogelgrippe schützen?
Ganz wichtig: Wenn man in der Nähe großer Ansammlungen von Wassergeflügel spazieren gegangen ist (zum Beispiel beim Gassigehen mit einem Hund oder auf einer Wanderung), dann sollte man seine Schuhe nach Möglichkeit vor der Wohnungstür belassen und diese desinfizieren, denn an den Sohlen könnte rein theoretisch infizierter Vogelkot kleben.
Sämtliche Experten raten davon ab, tote Schwäne und anderes Wassergeflügel anzufassen. Sollte man es - aus welchen Gründen auch immer - dennoch tun müssen, dann sollte man sie am besten nur mit Schutzkleidung inklusive Atemschutz berühren und auf gar keinen Fall länger als nötig Kontakt mit ihnen haben. Anschließend müssen Kleidung und Schuhe desinfiziert werden, außerdem muss man sich selbst einer Desinfektionsdusche unterziehen. Man sollte hierbei jedoch unbedingt bedenken, dass nicht gleich jeder tote Singvogel im Garten auf das Konto der Vogelgrippe geht, denn Singvögel erkranken nur selten an dieser Virusinfektion, bisher ist nur Wassergeflügel betroffen!
Was ist, wenn man einen neuen Ziervogel kaufen möchte?
Wellensittiche werden normalerweise ausschließlich hier in Deutschland oder in unseren Nachbarländern gezüchtet. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie direkten Kontakt zu infizierten Vögeln haben, ist äußerst gering. Insbesondere dann, wenn man Vögel aus kleinen Hobbyzuchten kauft, stammen die Vögel aus einer reinen Wohnungshaltung. Auch Ziervögel aus Tierheimen stellen keine Gefahr dar, sie sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht an der Vogelgrippe erkrankt.
Kann man gefahrlos Grünfutter und Naturäste draußen sammeln?
Grünfutter aus der Natur stellt für viele Vogelhalter einen wichtigen Bestandteil der täglichen Ernährung ihrer Vögel dar - zumindest während des Sommerhalbjahres. Es ist theoretisch möglich, dass ein infizierter Vogel seinen Kot auf die Futterpflanzen fallen lässt. An der Luft überleben die Viren nicht lange (eine genaue Zeit konnte die Verfasserin in der Literatur bedauerlicherweise nicht finden). Dennoch könnten rein theoretisch lebende Viren mit Futterpflanzen ins Haus gelangen. Weil man Pflanzen nicht auf über 70 Grad Celsius erhitzen kann, ohne sie als Futter unbrauchbar zu machen, entfällt diese Desinfektionsmethode. Auch kann man Futterpflanzen nicht mit Desinfektionsmitteln waschen, sie würden für die Vögel gefährliche Giftstoffe aufnehmen und somit im schlimmsten Fall zu einer tödlichen Vergiftung führen. Wer also Grünfutter, Beeren oder Wildgräser in der Natur sammelt, sollte sehr genau darauf achten, dass sich kein Vogelkot an den Pflanzen befindet. Vor dem Verfüttern sollte man die Pflanzen gründlich waschen, und zwar so heiß, wie es gerade möglich ist, ohne sie als Futter zu zerstören, sprich matschig werden zu lassen. Möchten man ganz auf Nummer sicher gehen, sollte man Futterpflanzen auf der eigenen Fensterbank innerhalb der Wohnung ziehen. Bestens geeignet für die Fensterbankkultur sind beispielsweise Löwenzahn, Vogelmiere oder Kräuter wie Basilikum. Auch Golliwoog-Pflanzen kann man im Fachhandel beziehen und bedenkenlos verfüttern.
Darf man seine Vögel z. B. zum Tierarzt transportieren?
Wie sich dieses Transportverbot auf einen nötigen Tierarztbesuch auswirkt, ist derzeit leider nicht bundesweit klar definiert. Wer in einer Sperrzone wohnt und einen kranken Wellensittich oder anderen Vogel zum Arzt bringen möchte, sollte sich nach den lokalen Vorschriften erkundigen. Zum Beispiel das zuständige Kreisveterinäramt kann hierzu Auskunft erteilen.
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Zuletzt aktualisiert am 03. Oktober 2008 |
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