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Käfig und Voliere

Im Käfig oder in der Voliere sollten sich Vögel nicht gefangen fühlen, sondern geborgen und rundherum wohl.
Im Käfig oder in der Voliere sollten sich Vögel nicht gefangen fühlen, sondern geborgen und rundherum wohl.

Der Käfig oder die Zimmervoliere sollte für Vögel ein angenehmer Ort sein, also gewissermaßen ein sicheres „Zuhause“ und ein als positiv empfundener Rückzugsort. Idealerweise sollten sich die Tiere darin wohlfühlen und nicht wie in einem „Gefängnis“. Weil der Käfig oder die Voliere so viel mehr als ein bloßer „Aufbewahrungsort“ für die Tiere sein sollte, sollten schon bei der Anschaffung einige wichtige Details berücksichtigt werden. Denn wer das richtige Modell wählt, nimmt entscheidenden Einfluss darauf, wie angenehm sich das Bewohnen dieser Behausung später für die Vögel anfühlt.

Viele der im Handel angebotenen Käfige oder Volieren sind bedauerlicherweise vor allem auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt und etliche Halter versäumen es, sich in ihre Tiere hineinzuversetzen und deren Bedürfnisse zu berücksichtigen. So kommt es vor, dass – oft für vergleichsweise viel Geld – ein für die Tiere an sich ungeeignetes Käfig- oder Volierenmodell gekauft wird. Im ungünstigsten Fall kann die Vogelbehausung sogar gefährlich für die Tiere sein, wenn sie nicht sauber verarbeitet ist oder aus giftigen Materialien besteht.

In diesem Kapitel finden Sie einige grundlegende Detailinformationen. Darüber hinaus sind weitere Details wichtig, die in eigenen Kapiteln behandelt werden. Eine Liste der Themen finden Sie unten auf dieser Seite.

Käfig oder Voliere – was ist das eigentlich?
Unter einem Vogelkäfig oder Vogelbauer wird landläufig eine eher kleine Behausung verstanden, wohingegen eine Voliere deutlich geräumiger ist. In ihr sollten die Vögel idealerweise zumindest kurze Strecken fliegen können. Wellensittiche benötigen dafür eine freie Strecke von mindestens 2 m. Das Wort Voliere leitet sich vom lateinischen „volāre“ ab, das auf Deutsch „fliegen“ bedeutet.

Reine Formsache

Vogelkäfige, die breiter als tief sind, sind zwar an sich meist empfehlenswert, doch dieses Modell ist viel zu klein für die beiden darin gehaltenen Wellensittiche.
Vogelkäfige, die breiter als tief sind, sind zwar an sich meist empfehlenswert, doch dieses Modell ist viel zu klein für die beiden darin gehaltenen Wellensittiche.

Die meisten Käfige und Volieren, die im Handel zu finden sind, wirken auf den ersten Blick groß. Sie sind hoch und schmal aufgebaut. Prima, denkt sich so mancher Vogelhalter, denn eine solche Vogelbehausung passt meist gut in die Wohnung und die Tiere scheinen ja viel Platz zu haben. Käfige oder Volieren, die deutlich höher als breit sind, nehmen bezüglich ihrer Grundfläche wenig Platz in Anspruch und lassen sich oft gut in einer Zimmerecke unterbringen. Weil diese „Turmbauten“ ja so herrlich hoch sind, bieten sie den Vögeln vermeintlich viel Raum.

Das ist jedoch ein Trugschluss, wie einem sofort bewusst wird, wenn man sich vor Augen führt, wie sich Vögel wie zum Beispiel Wellensittiche am liebsten fortbewegen: Auch im Käfig oder in der Voliere sollte es ihnen idealerweise möglich sein, zumindest kleine Strecken zu fliegen. Dabei bewegen sie sich normalerweise horizontal, also waagerecht von A nach B. In Turmkäfigen oder -volieren ist dies kaum möglich. Darin könnten sich die Vögel nur dann fliegend fortbewegen, wenn sie vertikal, also von oben nach unten fliegen würden. Dazu sind die meisten Vogelarten aber nur bedingt in der Lage. Wellensittiche und Co. sind keine Helikopter! Aus diesem Grunde sind Turmvolieren und -käfige für sie nicht geeignet, und es erklärt, weshalb sie in Tierschützerkreisen als „Helikoptervolieren“ oder „Hubschraubervolieren“ bezeichnet werden.

Damit Vögel in einem Käfig oder in einer Voliere ihren Bewegungsdrang zumindest ein wenig ausleben können, sollte die Behausung gemessen an der Körpergröße der in ihr untergebrachten Vogelart eine Mindestgröße aufweisen. Mit diesen Mindestmaßen und weiteren Details hat sich die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT)  intensiv beschäftigt. Das Fazit der Experten lautet: Vogelkäfige oder -volieren sollten möglichst breit sein, damit die Tiere fliegen können. Und „zu groß“ gibt es eigentlich nicht, aber sehr wohl in vielen Fällen „zu klein“!

Rechenbeispiele für die Unterbringung von Wellensittichen
Gemäß dem Merkblatt Nr. 173 „Wellensittiche“ der TVT sollte ein Käfig oder eine Voliere für bis zu drei Pärchen Wellensittiche und somit 6 Vögeln mindestens 1,5 m breit, 1,0 m hoch und 0,6 m tief sein. Das entspricht einer Grundfläche von 0,9 m².

Sollen in einem Käfig oder in einer Voliere bis zu zwei weitere Paare untergebracht werden – das entspricht somit insgesamt maximal 10 Tieren -, dann ist die Grundfläche um 50 % zu vergrößern. Demnach sollte sie 1,35 m² betragen. Das könnte zum Beispiel bedeuten, dass der Käfig oder die Voliere eine Breite von 1,7 m und eine Tiefe von 0,8 m haben könnte (entspricht einer Fläche von 1,36 m²). Die Höhe sollte mindestens 1 m betragen.

Ein Beispiel für einen vollkommen unbrauchbaren Käfig - er ist für die beiden Wellensittiche viel zu klein.
Ein Beispiel für einen vollkommen unbrauchbaren Käfig – er ist für die beiden Wellensittiche viel zu klein.

Täglich sollten Vögel mehrere Stunden, mindestens jedoch eine Stunde Freiflug haben, und das auch dann, wenn sie in einer geräumigen Voliere untergebracht sind. Falls dies auf gar keinen Fall gewährleistet werden kann, muss die Voliere oder der Käfig für die Dauerunterbringung so groß sein, dass für bis zu 6 Wellensittiche ein einer Grundfläche von mindestens 2 m² zur Verfügung steht, rät die TVT. Ich bin der Ansicht, dass eine Fläche von 1 m x 2 m relativ klein ist und Wellensittiche sich kaum „ausfliegen“ können. Deshalb möchte ich an Sie appellieren, sich für eine Mindestfläche von 4 m² bis 6 m² zu entscheiden. Damit lässt sich den Tieren zumindest ansatzweise die Möglichkeit bieten, ein wenig zu fliegen.

Wenn Sie nun denken, dass ein so „üppig“ bemessenes Platzangebot übertrieben ist und ein kleinerer Käfig trotzdem in Ordnung ist, sollten Sie bitte eines bedenken: Lebensumstände können sich ändern, es kann zum Beispiel geschehen, dass Sie plötzlich in einer anderen Stadt arbeiten und nicht mehr nur acht Stunden außer Haus sind, sondern zehn oder elf, weil sie weiter pendeln müssen. Oder es sind umfangreiche Umbauarbeiten vonnöten, weshalb die Vögel wochenlang keinen Freiflug haben können. Dann ist es wichtig, dass sie eine möglichst geräumige Unterbringung haben, in der sie zumindest ein bisschen fliegen können.

Solche Käfigmodelle werden noch heute im Handel zur Unterbringung von Wellensittichpärchen angeboten - bitte kaufen Sie so kleine Käfige nicht!
Solche Käfigmodelle werden noch heute im Handel zur Unterbringung von Wellensittichpärchen angeboten – bitte kaufen Sie so kleine Käfige nicht!
Für die Nymphensittiche ist dieser Käfig viel zu klein - aber immerhin wurden den Tieren Naturäste als Sitzstangen angeboten.
Für die Nymphensittiche ist dieser Käfig viel zu klein – aber immerhin wurden den Tieren Naturäste als Sitzstangen angeboten.

Eckig, rund oder mit Erkern

Dieser Vogelkäfig ist viel zu klein für Heimvögel wie Unzertrennliche oder Wellensittiche.
Dieser Vogelkäfig ist viel zu klein für Heimvögel wie Unzertrennliche oder Wellensittiche.

Dass turmförmige, schlanke und hohe Volieren beziehungsweise Käfige ungeeignet sind, wurde bereits erörtert. Betrachtet man die Mindestmaß-Empfehlungen der TVT, dann fällt auf, dass diese eine Unterbringung mit rechteckiger Grundfläche beschreiben. Diese hat sich als sehr gut brauchbar für die Vogelhaltung erwiesen. Dagegen sind Rundkäfige, wie sie früher stark in Mode waren, völlig ungeeignet. Sie sehen zwar meist hübsch aus, sind aber innen vergleichsweise klein und die Vögel können darin kaum fliegen, sofern der Durchmesser nicht mindestens 1,5 Meter beträgt. Das entspräche einer Grundfläche des Rundkäfigs von etwa 1,77 m². Einen solchen Rundkäfig bringt man so leicht nicht in einer Zimmerecke unter und es wird wegen der Form jede Menge Platz verschenkt.

Käfige und Volieren, an denen sich kleine Aufbauten wie Erker oder andere Verschnörkelungen befinden, halten manche Vogelhalter für hübsch. Letztlich bringen den Tieren diese kleinen „Anbauten“ aber kaum mehr Platz und sie sind somit zwar in aller Regel nicht schädlich, aber eben auch nicht nützlich. Zudem haben sie oftmals den Nachteil, schwierig zu reinigen zu sein. Aus diesem Grunde ist die schnörkellose Käfig- oder Volierenform mit rechteckiger oder quadratischer Grundfläche und ohne „Anbauten“ im Alltag am besten geeignet.

Gut zu reinigen

Ein Käfig oder eine Voliere sollte idealerweise nicht nur für die Tiere praktisch sein, sondern auch für den Menschen, denn er muss die Behausung der Vögel sauber halten. Je robuster und langlebiger das Material ist, aus dem die Vogelbehausung gefertigt wurde, desto weniger Probleme entstehen beim Reinigen. Achten Sie beim Kauf darauf, ob sich das Käfigunterteil, also die Kunststoffschale leicht vom Rest trennen lässt. Denn der Boden des Käfigs sollte nicht nur regelmäßig mit frischer Einstreu bedeckt werden, sondern auch mindestens ein- bis zweimal im Monat gründlich abgewaschen werden. Dasselbe gilt für den in aller Regel aus Metall bestehenden Teil des Käfigs, also jenen Teil mit den Gitterstäben.

Nicht zu empfehlen sind für die meisten Vögel die neuerdings in Mode kommenden Käfige, die keinen festen Untergrund aufweisen, sondern ein Bodengitter. Im Handel wird diese Bauvariante angepriesen, weil sie das Reinigen erleichtern soll. Allerdings ist sie für zahlreiche Vögel denkbar unpraktisch: Da viele Gefiederte, darunter auch Wellensittiche, sehr gern über den Boden laufen, würden sie häufig auf dem Gitter stehen, was ihren Füßen auf die Dauer nicht gut bekommen würde. Handelt es sich bei den von Ihnen gehaltenen Vögeln gar um Individuen mit Einschränkungen der Beweglichkeit der Füße oder amputierten Zehen beziehungsweise Beinen, Fußhandicap, könnte ein Bodengitter zu schweren Problemen wie Druckstellen und Schwierigkeiten beim Laufen führen.

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