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Wichtige Anmerkung vorweg

Mich erreichen zahllose E-Mails, in denen mich Vogelhalter fragen, ob ich weitere Tipps zum Thema "Gewöhnen an Frischkost" geben könnte, weil ihnen das in diesem Kapitel Gesagte offenbar nicht genügt. Liebe angehende Fragesteller, schreiben Sie mir bitte nicht, denn ich habe leider wirklich keine weiteren Tipps für Sie! Alles, was ich hierzu zu sagen habe, habe ich der Einfachheit halber in diesem Kapitel niedergeschrieben. Ich enthalte Ihnen keinerlei Informationen vor, allein schon deshalb nicht, weil mir die Zeit fehlt, wieder und wieder in E-Mails unter Ausschluss der Öffentlichkeit dasselbe zu schreiben. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Was ist da wohl im Napf? Wellensittiche können ausgesprochen stur sein, was es um ihre täglichen Ernährungsgewohnheiten anbelangt. Man meint es als Vogelhalter meist nur gut mit ihnen, wenn man den Tieren frisches Obst, Gemüse oder ein anderes, für sie bis dato unbekanntes Futtermittel serviert. Könnten sie ihre Wachshaut kräuseln, so würden sie vermutlich wie wir Menschen angesichts des unbekannten Futters in vielen Fällen gehörig die Nase rümpfen. Für die meisten Wellensittiche gilt: Was sie nicht kennen, das fressen sie nicht.

Was aber kann man als Vogelhalter unternehmen, um die Vögel quasi zu ihrem Glück zu zwingen und sie dazu zu bringen, die für sie äußerst gesunde Kost nicht weiter zu verschmähen? Das Patentrezept existiert zweifelsohne nicht, aber ich möchte Ihnen einige Tipps geben, mit deren Hilfe Sie Ihren gefiederten Frischkostverweigerer hoffentlich rasch einen begeisterten "Grünschnabel" verwandeln.

Den Spieltrieb wecken
Wie verspielt und neugierig Wellensittiche sind, hat wohl jeder Besitzer eines solchen Vogels irgendwann einmal bemerkt. Diese beiden Eigenschaften lassen sich beim Gewöhnen an neue Nahrungsmittel hervorragend nutzen. Machen Sie die Nahrungsaufnahme für Ihren Vogel zum echten Erlebnis, dann wird er sicher bald die geschmacklichen Vorzüge gewisser Futtermittel zu schätzen lernen.

Haben Sie Ihrem Vogel bislang Blattgemüse und Salat nur trocken und in kleinen Stücken angeboten, so sollten Sie Ihre Strategie grundlegend ändern. Ein ganzes Salatblatt, das beispielsweise oben auf dem Käfig befestigt ist und zudem von Ihnen kräftig angefeuchtet wurde, lädt fast jeden Sittich zu einem ungestümen Bad ein, bei dem die grüne "Badewanne" garantiert irgendwann angeknabbert wird.

Karotten und anderes Gemüse oder Obst eignen sich hervorragend dafür, frei schwingend befestigt zu werden. Umwickeln Sie eine Möhre oder andere Frischkost mit einem Stück Jutegarn (ist im Bastelladen erhältlich) und befestigen Sie das lose Ende des Bandes so, dass das Futter in Schnabelreichweite Ihrer Vögel baumelt. Die neugierigen Tiere werden rasch damit beginnen, mit Ihrem Futter zu spielen und dabei mit großer Wahrscheinlichkeit hinein beißen, um es festzuhalten. Dabei kommen sie sicher irgendwann auf den Geschmack.

Futterneid ausnutzen
Gemeinsam Genießen ist besser In besonders schwierigen Fällen helfen selbst die oben erwähnten Maßnahmen nicht, um den Tieren Frischkost oder ungewohntes Futter schmackhaft zu machen. Dann hilft nur noch eins: Ein gefiederter Vorkoster muss her. Sehen Wellensittiche einen Artgenossen genüsslich an etwas knabbern, werden einstmals uninteressante Futtermittel oder Frischkost plötzlich äußerst begehrenswert und der "Nahrungsspezialist" wird ziemlich futterneidisch. Meist vergehen nur wenige Minuten, bis Ihr Vogel es dem Vorkoster nachmacht und sich an genau dem Futter gütlich tut, das er zuvor lange Zeit verschmäht hat.

Sollte keiner Ihrer Vögel als ein solcher Vorkoster dienen können, weil sie allesamt Kostverächter sind, könnte eventuell ein Artgenosse für Abhilfe sorgen, den Sie während des Urlaubs seines Halters bei sich aufnehmen.

Geduld ist besonders wichtig
Wenn all das dennoch nicht helfen sollte, bewahren Sie die Ruhe. In freier Wildbahn fressen Wellensittiche auch keine Äpfel oder Tomaten, da diese im australischen Outback nicht wachsen. Haben Sie Geduld mit Ihrem Tier und bleiben Sie hartnäckig. Reichen Sie ihm immer wieder Frischkost, denn irgendwann wird selbst der sturste Wellensittich für seine Begriffe übermütig und kostet von dem sonderbaren Zeug vor seiner Nase, das dann vermutlich doch gar nicht so übel schmeckt ...

Tipp von Andrea Traxler
Vom Frischkostverweigerer zum Feinschmecker

Aus guten Informationsquellen war mir durchaus bekannt, was Wellensittiche alles fressen dürfen. Das Problem dabei: Meine Vögel hat das einfach nicht interessiert. Bedingt durch eigene Fütterungsfehler zu Beginn meiner Vogelhaltung und später durch Aufnahme von älteren Vögeln, die Gemüse, Obst und Grünfutter einfach nicht kannten, ließen sie mein tägliches Angebot fast gänzlich links liegen. Gut, manchmal knabberte einer an der Gurke oder zupfte an der Vogelmiere, aber das war's dann auch schon.

Das Ergebnis war, dass einige aus unserem Schwarm zu Übergewicht neigten. Auch die normalgewichtigen Vögel waren nicht sonderlich lebhaft. Außerdem hatten alle, wie ich heute sagen würde, relativ häufig mit Infektionen zu kämpfen.
Als eine ehemals gute Fliegerin beim Freiflug an Höhe verlor, was sie sicher nicht beabsichtigt hatte, beschloss ich, die Bande zu ihrem Glück zu zwingen.

Schritt 1: Ich füllte geriffeltes Gemüse und geschnittene Kräuter in die Futternäpfe. (Obst gibt es bei uns vorsichtshalber nicht, da zwei Vögel schon Probleme mit Megabakterien hatten). Die gewohnte Körnermischung streute ich obendrauf. Obwohl die Vögel nur die Körner abfraßen, lernten sie doch den Geschmack des Frischfutters kennen.
Diese Fütterung behielt ich circa eine Woche bei.

Schritt 2: Als die gefiederten Feinschmecker die Scheu vor dem frischen (und manchmal feuchten) Futter verloren hatten, ging ich dazu über, die Körner mit dem Frischfutter zu vermischen. So mussten sie wohl oder übel mit dem Schnabel darin suchen und fraßen automatisch das eine oder andere mit.

Schritt 3: Inzwischen füttere ich das (rationierte) Körnerfutter in der Regel wieder separat, morgens und abends je eine kleine Portion. Die Frischkost wird auf die Lieblingsplätze verteilt, an denen die Wellis sich auch sonst gerne aufhalten.
Nur bei Neuzugängen gehen wir gelegentlich wieder den Schritt zurück zum "Vogelmüsli".

Ein Nachteil der "Müslimethode" besteht darin, dass die kleingeschnittene Frischkost vor allem im Sommer relativ schnell verdirbt. Nach einigen Stunden muss sie ausgetauscht werden. Wenn die Körner schon herausgepickt sind, gibt es bei uns den "Nachschlag" dann ohne Körner.

Fazit: In meinen Augen hat sich die Aktion gelohnt. Insgesamt ist unsere Truppe lebhafter geworden. Die Übergewichtigen haben moderat abgenommen, aber vor allem sind auch sie nicht mehr so träge. Die eher schlanken Vögel haben wider meine Befürchtungen nicht weiter abgenommen. Anscheinend hatten diese sich schon vorher nur das genommen, was sie auch brauchten. Insgesamt sind alle widerstandfähiger gegen Krankheiten als früher.

Wie jede Umstellung braucht auch diese Art der Fütterung ein gewisses Durchhaltevermögen. Mein Tipp: Lieber nur zwei oder drei verschiedene Frischkostanteile, die abgewechselt werden, regelmäßig anbieten. Viel Auswahl ist sicher noch schöner, aber ich gebe zu, dass ich damit an manchen Tagen überfordert wäre.
Trotzdem habe ich ab und zu Spaß daran, einen Luxus-Rohkostsalat zuzubereiten, den ich für uns Federlose dann gleich parallel serviere.

Wellisalat

Andrea Traxler, Juli 2009

 
 
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