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  Murphy, adoptiert am 4. Dezember '16, † 4. Juli '18

MurphyWann Murphy geboren wurde und was er früher erlebt hat, weiß außer ihm niemand - und er konnte es uns nicht verraten. Als er am 4. Dezember 2016 offiziell ein Mitglied meines kleinen Vogelschwarms wurde, kannte ich ihn schon seit einigen Jahren, denn er hatte zuvor bei lieben Freunden gelebt, die auch ein großes Herz für Wellensittiche haben. Im Juli 2011 hatten sie durch denn Verein der Wellensittich-Freunde Deutschlands (VWFD) Externer Link von ihm erfahren. Er hatte seinerzeit im Tierheim Duisburg als gefiederter Notfall auf ein neues Zuhause gewartet und über seine Vorgeschichte war ebenso wie über sein genaues Alter nichts bekannt. Allerdings hieß es schon damals, dass er recht alt sei.

Schon kurz nach seinem Einzug ins Vogelzimmer war klar: Murphy mochte zwar Gesellschaft, war aber eher ein Einzelgänger und entschied am liebsten selbst, wann er Zeit in der Nähe seiner Gefährten verbringen wollte und wann er es bevorzugte, sich zurückzuziehen. In dem großen Vogelzimmer meiner Freunde hatte Murphy zum Glück genügend Gelegenheit, sein Leben so zu gestalten, wie er es wollte.

Murphy im Jahr 2011 bei seinem ersten Aufenthalt in meinem VogelzimmerBereits damals lernte auch ich Murphy kennen, nicht zuletzt deshalb, weil ich die Vögel meiner Freunde während ihrer Urlaube in Pflege nahm. Zum ersten Mal war Murphy im November 2011 bei mir zu Gast, und in der Folge war er mit seinen Schwarmgefährten jedes Jahr mehrere Wochen bei mir. Auch mir fiel auf, was meinen Freunden zunehmend Sorge bereitete: Murphy wurde immer ruhiger und seine Federn wuchsen nicht mehr so nach, wie man es sich wünschen würde. Von Jahr zu Jahr wurde offensichtlicher, dass er inzwischen ein hochbetagter Wellensittichmann geworden war und er hatte leider längst keine Schwung- und Schwanzfedern mehr - woher sein Gefiederdefekt rührte, blieb leider unklar. Im Jahr 2013 verlor er seine Flugfähigkeit.

Murphy im November 2014Danach kam er im Vogelzimmer meiner Freunde zwar nach wie vor gut zurecht, weil es viele Klettermöglichkeiten gab. Aber wann immer er doch mal mit seinen Schwarmgenossen fliegen wollte und losstürmte, stürzte er ab. Inzwischen doch sehr in die Jahre gekommen, waren diese Bruchlandungen für den Senior zunehmend eine Belastung. Deshalb entschieden meine Freunde schweren Herzens, ihn Anfang Dezember 2016 nach ihrem Urlaub nicht mehr mit nach Hause zu nehmen, sondern in meinem behindertengerechten Vogelzimmer zu lassen.

Zum Schlafen legt sich Murphy oft bäuchlings hinVier Wochen vorher war Murphy wie schon so oft in den Jahren zuvor mit seinen Schwarmgefährten bei mir eingetroffen. Er hat sich in dem Vogelzimmer sehr schnell zurechtgefunden und begeistert die Klettermöglichkeiten für meine Handicap-Vögel angenommen. Sehr viel Zeit verbrachte er auch damit, sich zu meinen flugunfähigen und teils ebenfalls sehr alten und somit recht ruhigen Vögeln zu gesellen. Man merkte ihm an, wie wohl er sich in ihrer Gesellschaft fühlte. Sein vorheriger Schwarm war zwar da, aber er schenkte den bisherigen Gefährten kaum Beachtung. Das heißt, es gab keine Abstürze, was einer der ausschlaggebenden Faktoren dafür war, dass meine Freunde Murphy in meiner Obhut belassen haben.

Murphy kurz nach seinem Einzug in mein VogelzimmerDer kleine Welli-Opa hatte einige Eigenarten, die ich ganz hinreißend fand. Handzahm war er anfangs eigentlich nicht. Aber abends leiß er sich von mir bald trotzdem in den Schlafkäfig bringen. Dafür kletterte er auf meine Hand - aber immer nur rückwärts! Morgens war er grundsätzlich der letzte, der aus dem Schlafkäfig kam. Wenn alle anderen Vögel, also alle Wellensittiche, Katharinasittiche und Diamanttauben bereits am Fressnapf saßen und frühstückten, streckte er sich auf seiner Schlafschaukel noch einmal genüsslich und machte sich dann langsam auf den Weg zu den Gefährten. Er lebte eindeutig nach dem Motto: Bloß keine Hektik am Morgen.

Murphy und sein grauer Freund ThorinAuch in meinem Vogelzimmer war er über lange Zeit eher ein Einzelgänger geblieben. Eine innige Freundschaft zu einem meiner anderen Vögel hatte er lange Zeit nicht knüpfen wollen, obwohl er mit den neuen Gefährten durchaus gut zurecht kam. Erst als der graue Wellensittichmann Thorin einzog - er ist ebenfalls flugunfähig -, änderte sich die Situation. Innerhalb kürzester Zeit waren die beiden Männchen unzertrennlich. Sogar einen speziellen Pfiff, den nur sie vortrugen, haben sie "erfunden". Und sie kraulten sich sehr oft gegenseitig am Kopf, was sie beide zu genießen schienen.

Murphy liebt den Kletterbaum für gehandicapte VögelLeider nagte der Zahn der Zeit weiter an Murphy und er verlor einige Monate nachdem er Thorin als Freund gefunden hatte altersbedingt sein Augenlicht. Der nun sehr ruhige Murphy war für den lebhaften Thorin kaum mehr interessant und die beiden Vögel gingen daraufhin getrennter Wege. Murphy, der vorher nie wirklich handzahm gewesen war, lernte letztlich, dass von meiner Hand keine Gefahr ausgeht und dass sie eine große Hilfe für einen blinden Vogel darstellt, der von A nach B gelangen möchte. Ich konnte ihm einige Kommandos beibringen und er kletterte daraufhin beispielsweise auf meinen Finger. Zudem mochte er es, wenn ich sein Köpfchen kraulte.

Im Frühling 2018 zeigte sich dann eine Veränderung an seinem linken Auge, die sich beim Tierarztbesuch als ein Melanom im Auge selbst herausstellte. Murphy hatte somit Krebs, der nicht operabel war und vermutlich bereits gestreut hatte, denn es traten gelegentlich leichte neurologische Störungen auf. Schmerzen hatte Murphy nicht, so dass er so lange bei uns bleiben konnte, bis der Tag gekommen war, an dem der Tumor zu groß geworden war. Dies war am 4. Juli 2018 der Fall. Es ging Murphy von jetzt auf gleich sehr schlecht und ich ließ ihn sofort einschläfern. Ihn zu verlieren, war schwer, aber für ihn war es so das Beste. Es war wundervoll, ihn so lange erlebt zu haben, wir kannten uns ja immerhin über 7,5 Jahre.

Murphys Farbschlag nennt sich normal grün, er sah somit aus wie wildfarbene Wellensittiche. Seinen Namen hat er von meinen Freunden erhalten und er wurde von mir nach seinem Einzug in mein Vogelzimmer nicht umbenannt, weil ich ihn schon so lange unter dem Namen Murphy kannte.

 
 
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