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  Umbriel, * 24. Oktober '93, † 23. Juni '05

Verträumter Sittichmann Umbriel war einst ein begehrter Vogelmann in meinem Sittichschwarm, der Liebschaften mit mehreren Sittichdamen zur gleichen Zeit pflegte. Ende '97 wurde er auf dem rechten Auge extrem kurzsichtig, wodurch er fortan in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt war. Er ist dadurch zwar erheblich vorsichtiger geworden - und irgendwie auch schrulliger -, aber er hat sich niemals unterkriegen lassen und er genoss auch in den folgenden Jahren sein Leben im Vogelscharm.

Man hätte Umbriel beinahe als introvertiert und irgendwie schräg bezeichnen können, als er sich als betagter Sittich von der Damenwelt zurückzog und zum Teil recht merkwürdige Verhaltensweise an den Tag legte. So fraß er beispielsweise mit Vorliebe grüne Blattläuse, weshalb die anderen Vögel meist entsetzt dreinblickend vor ihm davonliefen. Auch spielte er gern "Käfigharfe", indem er mit dem Schnabel die Gitterstäbe anzupfte. Von außen, versteht sich, denn er lebte im Vogelzimmer frei und ohne jede Beschränkung.

Umbriel wenige Wochen vor seinem Tod Trotz seines Handicaps hat er sich seine einstige Fröhlichkeit bewahrt und sang auch im hohen Alter noch sehr oft, wenn auch meist etwas abseits von den anderen Sittichen sitzend. Leider starb sein bester Freund Titan im Mai 2000, so dass Umbriel lange Zeit zu keinem Sittich im Schwarm einen innigen Kontakt pflegte. Von Ende 2000 schmuste er oft ausgiebig mit seiner Tochter Sirius, die jedoch bedauerlicherweise an Weihnachten 2001 verstarb. Lange Zeit musste ich daraufhin herhalten, wenn er gekrault werden wollte, denn er war mir gegenüber ausgesprochen anhänglich. Von Mitte 2003 an war Umbriel sehr eng mit Jupiter befreundet, mit dem er ausgiebige Streicheleinheiten austauschte und mit dem er gern im Duett sang - bis Jupiter im Dezember 2004 leider verstarb. Umbriel hat während seines langen Lebens viele Freunde sterben sehen, und trotzdem war er immer glücklich. Das hat mich sehr beeindruckt.

Verträumter Umbriel Vor allem abends ließ sich Umbriel sehr gern seinen Nacken von mir kraulen und sich mit der Hand am gesamten Körper streicheln, was ein höchst ungewöhnliches Verhalten für einen Vogel ist. Es war mir stets eine große Ehre, sein Vertrauen genießen zu dürfen.

Im Frühling 2005 erkrankte Umbriel schwer. Binnen weniger Tage bildete sich in seinem Bauch ein Tumor heran, der ihm bald extreme Atemnot bereitete. Ich war es meinem langjährigen Freund schuldig, ihn nicht leiden zu lassen, weshalb ich ihn am Abend des 23. Juni 2005 von seinem Leid erlösen ließ. Dieser Schritt fiel mir sehr schwer, denn Umbriel hat so lange bei mir gelebt wie zuvor kein anderer Vogel. Er war etwas Besonderes für mich und wird es immer bleiben. Danke, mein lieber, treuer Freund!

Umbriel Umbriels Farbschlag trug den komplizierten Namen "Europäisches Gelbgesicht Mutation II (EGG II) in Hellmauve Opalin". Das Besondere daran ist die Umfärbung während der Jugendmauser. Vorher scheinen die Tiere graue Gelbgesichter zu sein (siehe Bild rechts). Die grauen Federn wachsen später gelb überhaucht nach, wodurch Vögel wie Umbriel als Erwachsene olivgrün aussehen.

Bedeutung des Namens
Umbriel fällt in gewisser Weise aus dem Rahmen. Sein Name stammt ursprünglich nicht aus der griechischen Mythologie, sondern der Uranusmond und auch mein Sittich wurden nach einem Romancharakter benannt. Der Schriftsteller Alexander Pope (England, 1688 bis 1744) führte ihn als Erdgeist in seinem Versepos "The Rape of the Lock" ("Der Lockenraub") ein. Mit seinen 1110 km ist der Mond nur der viertgrößte Uranus-Satellit.

Schelmischer Blick über die Schulter      Umbriel singt

 

 

 

 

 
 
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