Macrorhabdiose (Megabakteriose)

Achtung: Die auf Birds-Online.de angebotenen Texte und Bilder rund um das Thema Erkrankungen von Vögeln sind als Informationsquelle gedacht. Bitte bringen Sie Ihre erkrankten Vögel immer schnellstmöglich zu einem fachkundigen Tierarzt!
Dieser Wellensittich litt an einem schweren Macrorhabdiose-Schub und starb leider wenige Stunden nach dem Entstehen des Fotos.
Dieser Wellensittich litt an einem schweren Macrorhabdiose-Schub und starb leider wenige Stunden nach dem Entstehen des Fotos.

Unter den Infektionskrankheiten, die Wellensittiche und andere Heimvögel betreffen können, gibt es eine, die relativ häufig in Erscheinung tritt und über die Jahre unterschiedliche Namen erhalten hat. Heute bezeichnet man diese Erkrankung als Macrorhabdiose, zuvor war die Bezeichnung Megabakteriose gebräuchlich und auch als Going-Light-Syndrom (GLS) ist diese Erkrankung nach wie vor bekannt. Alle genannten Bezeichnungen beschreiben dieselbe heimtückische Erkrankung, bei der die infizierten Vögel in der Akutphase stark an Gewicht verlieren, was auf Englisch „going light“ heißt und somit den zuletzt genannten Namen der Erkrankung erklärt. In diesem Kapitel erfahren Sie, wodurch die Krankheit verursacht wird, wie man sie behandelt und was sie so tückisch macht.

Wie eingangs erwähnt, sind Wellensittiche relativ häufig von dieser Infektionskrankheit betroffen, sie wurde jedoch auch schon bei anderen Vogelarten wie beispielsweise Katharinasittichen beobachtet. Die Macrorhabdiose ist ansteckend und verläuft oft schubweise, sodass ein erkranktes Tier vorübergehend beschwerdefrei sein kann. In manchen Fällen wird dann leider unter Umständen fälschlicherweise angenommen, es handle sich um einen kerngesunden Vogel, der von seiner vorherigen Unpässlichkeit geheilt ist. Darin liegt ein sehr großes Risiko, denn wenn ein unbemerkt an der Erkrankung leidendes Tier neu in einen Vogelschwarm einzieht, kann es seine neuen Schwarmgefährten anstecken, obwohl es selbst nicht krank aussieht. Dies ist noch ein Grund mehr, weshalb Vogelhalter mit der Macrorhabdiose vertraut sein sollten.

Zudem sei vorab noch angemerkt, dass wahrscheinlich die allermeisten Wellensittiche in deutschen Haushalten bereits Kontakt mit dem Erreger hatten und ihn eventuell sogar unbemerkt in sich tragen. Weil jedoch die meisten Vögel nicht akut erkranken, muss die Macrorhabdiose als das wahrgenommen werden, was sie ist: eine Erkrankung, bei der zwar ein bestimmter Erreger eine Rolle spielt, dieser aber für gewöhnlich vor allem dann die Oberhand gewinnen kann, wenn andere begünstigende Faktoren vorhanden sind. Demnach ist es grundsätzlich wichtig, das große Ganze im Auge zu behalten und sich nicht nur darauf zu konzentrieren, die Erreger zu bekämpfen.

Symptome einer akuten Macrorhabdiose

Heftiges Erbrechen ist oft ein Symptom einer Macrorhabdiose.
Heftiges Erbrechen ist oft ein Symptom einer Macrorhabdiose.

Während eines Schubes, also während einer akuten Krankheitsphase, wirken die betroffenen Vögel in aller Regel offenkundig krank. Ihr Ruhebedürfnis ist hoch, die Körpertemperatur häufig etwas zu niedrig und das Gefieder stark aufgeplustert – so versuchen die Tiere, sich möglichst warm zu halten.

Typisch für einen akuten Schub der Macrorhabdiose ist Folgendes: Ein hiervon betroffener Vogel frisst übermäßig viel und verliert dabei dennoch zusehends an Gewicht. Der Grund dafür ist, dass sein erkrankter Verdauungstrakt die Nahrung nicht mehr richtig verwerten kann. Viele Vögel, die einen Schub ihrer Megabakterien-Infektion durchlaufen, leiden außerdem unter schwerem Erbrechen. Das heißt, sie würgen Schleim sowie unverdaute Körner hoch. Darüber hinaus finden sich bei vielen erkrankten Vögeln unverdaute Körnchen im Kot. Obwohl man sie häufig am Fressnapf sieht und annehmen könnte, sie würden genügend Nahrung zu sich nehmen, verhungern viele betroffene Vögel mit der Zeit, weil der Körper zu wenig Energie aus der Nahrung aufnehmen kann.

Bei genauem Hinschauen lassen sich in diesem Wellensittichkot unverdaute Körner erkennen.
Bei genauem Hinschauen lassen sich in diesem Wellensittichkot unverdaute Körner erkennen.
Trotz Heißhunger und dem Verzehr großer Portionen Futter ist dieser Wellensittich abgemagert und plustert sein Gefieder auf - diese Symptome können auf das Going-Light-Syndrom hindeuten.
Trotz Heißhunger und dem Verzehr großer Portionen Futter ist dieser Wellensittich abgemagert und plustert sein Gefieder auf – diese Symptome können auf das Going-Light-Syndrom hindeuten.

Auslöser der Erkrankung

Verantwortlich für die oben genannten Symptome sind gemäß dem derzeitigen Kenntnisstand sogenannte Megabakterien (kurz als Megas bezeichnet), die sich im Verdauungstrakt des Vogels ansiedeln. Anders als es der Name der Krankheitserreger vermuten lässt, handelt es sich bei ihnen nicht um große Bakterien, sondern um Hefepilze. Erst im Jahr 2004 sind sie gründlich untersucht worden. Dabei hat man erkannt, dass es sich bei den bis dahin noch als Megabakterien bezeichneten Organismen um eine seinerzeit noch nicht wissenschaftlich beschriebene Hefepilz-Spezies handelt, die damals ihren noch heute gebräuchlichen wissenschaftlichen Namen erhalten hat: Macrorhabdus ornithogaster.  Von ihrem wissenschaftlichen Namen leitet sich die Bezeichnung „Macrorhabdiose“ ab, mit der ein Befall mit diesen Erregern heute bezeichnet wird. Im Englischen werden diese Erreger „Avian Gastric Yeast“ (AGY) genannt, was übersetzt soviel bedeutet wie „Hefen im Verdauungstrakt des Vogels“.

Lange Zeit wurde angenommen, dass allein die Anwesenheit der Megabakterien im Körper eines Vogels für den Ausbruch der Erkrankung verantwortlich ist. Doch viele Krankheitsfälle zeigten, dass es meist weiterer Faktoren bedarf, damit es zu einem akuten Ausbruch kommt. Die alleinige Anwesenheit der Erreger im Körper der Vögel ist somit nicht der ausschlaggebende Faktor, sondern erst im Zusammenspiel mit anderen Erkrankungen oder Einflüssen, die sich negativ auf das Immunsystem der Tiere auswirken, kann es zu einem Ausbruch der Macrorhabdiose kommen. Begünstigend für einen Ausbruch scheint massiver Stress zu sein, darüber hinaus sind verschiedene organische Erkrankungen oft gleichzeitig mit der Macrorhabdiose zu beobachten. Zeigen die Vögel Erbrechen, kann dieses allein durch Macrorhabdus ornithogaster verursacht werden oder durch ein Zusammenspiel mit weiteren Erregern. Treten beispielsweise gleichzeitig Bakterien auf, sprechen Tierärzte bezüglich dieser Erreger von einer bakterielle Sekundärinfektion, also von einer zusätzlichen zweiten Infektion.

Megabakterienbefall = kranker Vogel?

Obwohl er 'Megabakerien' in sich trägt und dagegen behandelt wird, ist dieser Wellensittich fit und zeigt keine Symptome.
Obwohl er ‚Megabakerien‘ in sich trägt und dagegen behandelt wird, ist dieser Wellensittich fit und zeigt keine Symptome.

Wie bereits weiter oben erläutert, ist ein mit Megabakterien infizierter Vogel nicht in jedem Fall krank oder gar in Lebensgefahr. Ist die Macrorhabdiose jedoch tatsächlich ausgebrochen und wird sie nicht rechtzeitig erkannt, verläuft sie oftmals relativ schnell tödlich, obwohl inzwischen durchaus Behandlungsmöglichkeiten existieren. Der Krankheitserreger lässt sich beispielsweise mit dem Medikament Ampho-Moronal, das über einige Zeit oral, also in den Schnabel, eingegeben werden muss, im Zaum halten. Dem Voranschreiten der Erkrankung kann so häufig Einhalt geboten werden. Die Dosierung sollte ein vogelkundiger Tierarzt für den individuellen Fall festlegen, allgemeingültige Angaben dazu werde ich an dieser Stelle deshalb nicht nennen.

Außerdem ist die Behandlungsdauer abhängig vom Einzelfall. Ich selbst habe meine betroffenen Tiere immer vier Wochen lang mit dem genannten Medikament behandelt, doch in manchen Fällen reicht eine kürzere Therapie, wohingegen ich auch schon von längeren Behandlungsdauern gehört habe.

Eines muss man sich als Halter jedoch bewusst machen: Eine endgültige Heilung lässt sich leider nur sehr selten erzielen. Ich konnte bei meinen betroffenen Tieren lediglich bewirken, dass die Erkrankung nicht weiter voranschreitet und somit in eine Ruhephase übergeht. Doch irgendwann kam es bedauerlicherweise stets wieder zu erneuten Schüben, die dann oft trotz sofortiger Behandlung tödlich endeten.

Symptome nicht immer eindeutig

Wiederholtes Erbrechen und ein stark verklebtes Kopfgefieder können bei einer Macrorhabdiose auftreten.
Wiederholtes Erbrechen und ein stark verklebtes Kopfgefieder können bei einer Macrorhabdiose auftreten.

Muss sich ein Vogel häufig übergeben, gehen viele Halter davon aus, dass er an einer Macrorhabdiose leidet. Das muss jedoch nicht zwangsläufig der Fall sein, denn das Symptom Erbrechen tritt auch bei anderen Krankheiten in Erscheinung. Tritt es auf und befinden sich außerdem unverdaute Körner im Kot, könnte dies auf eine Macrorhabdiose hindeuten. Allerdings können hinter dem Ausscheiden unverdauter Körner ebenfalls andere Ursachen stecken, zum Beispiel eine Darmentzündung.

Für Vogelhalter bedeutet dies, dass ein Vogel, bei dem der Verdacht besteht, er könnte an einer Macrorhabdiose erkrankt sein, umgehend von einem fachkundigen Tierarzt gründlich untersucht werden sollte, um Sicherheit zu erlangen. Und selbst wenn eine andere Diagnose gestellt wird, ist dies für das erkrankte Tier wichtig, denn für gewöhnlich sind alle Erkrankungen, die zu Erbrechen oder unverdauten Körnern im Kot führen, dringend behandlungsbedürftig.

Nachweis der Macrorhabdiose

Um einen Befall mit Macrorhabdus ornithogaster nachzuweisen, muss der Tierarzt Proben untersuchen. Das heißt, er wird entweder einen Abstrich aus dem Kropf oder der Kloake beziehungsweise beides unter einem Mikroskop untersuchen und nach Megabakterien suchen. Oder aber er wird eine Kotprobe mit dem Mikroskop betrachten. Bei entsprechend starker Vergrößerung kann man die nur 40 µm langen und 2 µm breiten Erreger sehen. Doch Achtung: Macrorhabdus ornithogaster lässt sich nicht immer im ersten Versuch nachweisen. Mitunter sind mehrere Untersuchungen notwendig, um diese Erreger zu entdecken.

Übertragung der Erreger

Wie bereits weiter oben erwähnt, ist die Erkrankung ansteckend. Man geht beispielsweise davon aus, dass sich junge Wellensittiche wahrscheinlich schon im Nest infizieren, sofern ihre Eltern den Erreger in sich tragen. Die Altvögel würgen Futter aus dem Kropf hervor, um ihren Nachwuchs damit zu ernähren. Mit dem Futterbrei gelangen die Hefepilze in den Körper der Wellensittichküken.

Unter erwachsenen Wellensittichen kann es ebenfalls sehr leicht zu einer gegenseitigen Ansteckung kommen. Bei ihnen gelangen die Erreger von einem zum anderen Vogel, wenn die Tiere miteinander schnäbeln oder ihren Partner mit hochgewürgtem Körnerbrei füttern. Wahrscheinlich kann sich Macrorhabdus ornithogaster zudem über das Trinkwasser verbreiten. Der Kot eines infizierten Vogels, der gerade Erreger ausscheidet, gilt ebenfalls als mögliche Ansteckungsquelle.

Gibt es einen Schutz vor der Macrorhabdiose?

Obwohl dieses Wellensittichweibchen dick aussieht, ist es stark abgemagert und das Kopfgefieder zeigt Spuren von erbrochenem Schleim - der Vogel litt an einer Macrorhabdiose und starb trotz Behandlung kurze Zeit später.
Obwohl dieses Wellensittichweibchen dick aussieht, ist es stark abgemagert und das Kopfgefieder zeigt Spuren von erbrochenem Schleim – der Vogel litt an einer Macrorhabdiose und starb trotz Behandlung kurze Zeit später.

Es ist davon auszugehen, dass ein infiziertes Tier, das in einen Vogelschwarm kommt, seine Artgenossen anstecken kann. Um das Risiko zu minimieren, sollte jeder neue Vogel vor der Vergesellschaftung mit seinen Artgenossen einige Zeit in Quarantäne gehalten und von einem fachkundigen Tierarzt im Rahmen einer Eingangsuntersuchung auf Krankheitserreger überprüft werden. Stellt sich dabei heraus, dass ein neuer Vogel den Erreger Macrorhabdus ornithogaster in sich trägt, ist guter Rat oft teuer.

Viele Vogelhalter, die mit einer solchen Situation konfrontiert sind, möchten dann gern in Erfahrung bringen, ob sie das Tier mit ihren anderen Vögeln vergesellschaften können und eine Übertragung der krankmachenden Keime auf bestimmte Weise unterbinden können. Viele Experten gehen davon aus, dass dies trotz größtmöglicher Hygiene nicht möglich ist. Zumindest derjenige Vogel, mit dem sich das infizierte Tier fest verpaart, wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit angesteckt.

Allerdings sei hierzu auch angemerkt, dass es sehr viele Vögel gibt, die den Erreger unbemerkt in sich tragen und oft über lange Zeit nicht ausscheiden. Das kann theoretisch zweierlei Dinge bedeuten: Unter Umständen sind sie weniger infektiös als angenommen oder sie sind infektiös, aber weil die Erreger bei den neu infizierten Tieren ebenfalls nur „schlummern“, kommt es nicht in jedem Fall zu einer gefährlichen akuten Erkrankung. Beides ist vorstellbar, aber eine genaue Aussage, was in einem konkreten Fall geschehen wird, ist nicht möglich.

Was tun, wenn man infizierte Tiere im Vogelschwarm hat?

Weil die Krankheit oft geraume Zeit inaktiv ist und so unbemerkt in einen Vogelschwarm Einzug halten kann, sind Vogelhalter nach der Diagnosestellung oft – völlig zurecht – zutiefst um ihre Vögel besorgt. Hat sich der Erreger eingeschlichen, sind neben dem Vogel, der Symptome zeigt, mit recht hoher Wahrscheinlichkeit bereits weitere Artgenossen Träger des Erregers. Um den Organismus der Vögel, die den Hefepilz in sich tragen, zu stärken, sollte auf möglichst wenig Stress, eine größtmögliche Hygiene und auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden.

Chronisch erkrankte Tiere, die gerade keinen Schub erleiden, sollten hochwertige Nahrung mit vielen Nährstoffen serviert bekommen. Lassen Sie sich von Ihrem vogelkundigen Tierarzt hierzu ausführlich beraten. Er wird Ihnen die für Ihre Tiere passenden Ernährungstipps geben und möglicherweise zusätzlich bestimmte Nahrungsergänzungsmittel empfehlen können.

Und eine der wohl wichtigsten Maßnahmen, die man als Halter von „Mega-Vögeln“, wie die infizierten Tiere häufig in Internetforen genannt werden, durchführen sollte, ist das regelmäßige Wiegen der gefiederten Patienten. Überprüft man in festgelegten Zeitabständen, also am besten mindestens einmal pro Woche, das Gewicht seiner Tiere, bemerkt man eine Gewichtsabnahme oft sehr viel schneller, als wenn man die Vögel einfach nur beobachtet. Das Gefieder nimmt die Sicht auf den Körper und Untergewicht fällt oft leider erst viel zu spät auf, wenn man es beim Ansehen der Vögel belässt.

Wichtige Ernährungsregeln
Umfassende Informationen zur Fütterung eines gefiederten Patienten, der an einem akuten Schub der Macrorhabdiose leidet, finden Sie im entsprechenden Kapitel in der Ernährungs-Rubrik.

Ansäuern des Trinkwassers: ja oder nein?

Ob das Trinkwasser eines an einer Macrorhabdiose leidenden Vogels beispielsweise mit Apfelessig angesäuert werden sollte oder nicht, sollte mit dem behandelnden Tierarzt abgeklärt werden.
Ob das Trinkwasser eines an einer Macrorhabdiose leidenden Vogels beispielsweise mit Apfelessig angesäuert werden sollte oder nicht, sollte mit dem behandelnden Tierarzt abgeklärt werden.

Eine saure Umgebung ist für Pilze wie Macrorhabdus ornithogaster ungünstig, sie scheinen den pH-Wert der von ihnen besiedelten Verdauungsorgane der Vögel zu senken. Um den Erregern diesen Vorteil zu nehmen, raten viele Tierärzte dazu, während einer Anti-Pilz-Behandlung neben Medikamenten wie Nystatin oder Präparaten mit dem Wirkstoff Amphotericin B auch das Trinkwasser anzusäuern. Die Tiere erhalten dann Trinkwasser, das mit Apfelessig versetzt ist: Manche Quellen empfehlen, auf 100 ml Wasser zwei ml Apfelessig zu gegeben, andere sprechen von 3 ml Apfelessig auf 500 ml Wasser. Mithilfe dieses angesäuerten Trinkwassers lässt sich der pH-Wert im Verdauungstrakt der Vögel erhöhen, was den Pilzen das Ansiedeln in den Schleimhäuten erschweren soll. Andere Quellen empfehlen stattdessen Grapefruit-Saft, der dieselbe Wirkung haben soll. Hier finden Sie ein Beispiel für eine Studie, die die Wirksamkeit der Apfelessig-Therapie belegt: Ozmen, O., Aydogan, A., Haligur, M., Adanir, R., Kose, O. and Sahinduran, S. (2013): The Pathology of Macrorhabdus ornithogaster and Eimeria dunsingi (Farr, 1960) Infections in Budgerigars (Melopsittacus undulatus). Israel Journal of Veterinary Medicine 68(4):218-224, Link.

Manche Ärzte raten hingegen vom Ansäuern des Trinkwassers ab und argumentieren, dass es kaum etwas bringe, weil die Körperregionen, in denen die Pilze siedeln, ohnehin recht sauer seien. Durch mit dem Trinkwasser aufgenommene Säure könne die ohnehin bereits geschädigte Schleimhaut zusätzlich angegriffen werden, lautet ein Gegenargument.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt über das Thema und lassen Sie sich individuell beraten, bevor Sie sich dazu entscheiden, das Trinkwasser Ihrer Vögel anzusäuern oder nicht.

Weitere unterstützende Maßnahmen bei Macrorhabdiose

Thymian ist nicht nur ein Küchenkraut, sondern wird auch als natürliches Heilmittel eingesetzt, das in manchen Fällen eine Macrorhabdiose-Therapie erfolgreich unterstützen kann. © cybercat/Pixabay
Thymian ist nicht nur ein Küchenkraut, sondern wird auch als natürliches Heilmittel eingesetzt, das in manchen Fällen eine Macrorhabdiose-Therapie erfolgreich unterstützen kann. © cybercat/Pixabay

Die Wellensittichhalterin Bettina Buckermann hat im Herbst 2001 Bekanntschaft mit der Macrorhabdiose gemacht. Ihr männlicher Wellensittich Pierrot erkrankte aufgrund einer Infektion mit Macrorhabdus ornithogaster sehr schwer und musste mehrmals tiermedizinisch behandelt werden. Frau Buckermann fasste ihre Erfahrungen für die Leser von Birds Online zusammen:

„Die erste Behandlung in der Klinik war zwar erfolgreich, aber nach neun Wochen wurde erneut ein leichter Befall nachgewiesen. Es folgte eine zweite Behandlung, aber nach bereits fünf Wochen gab es wieder einen leichten Befall. Eine erneute Behandlung war für den sehr munter wirkenden Vogel wegen der Nebenwirkungen zu früh. Da habe ich mir in meiner Not ein Kräuterbuch geschnappt und bin auf Thymian gestoßen, dem eine fungizide (pilztötende) Wirkung nachgesagt wird.

Von diesem Tag an gab es für Pierrot, der mit einem selbst gemischten, leicht bekömmlichen Futterbrei ernährt wurde, täglich 1/2 Teelöffel Thymiantee (2 kleine Teelöffel Kräuter pro 250 ml Wasser) in den Brei. Bei den regelmäßigen Kotproben nahm der Befall mit Macrorhabdus ornithogaster ab und nach neun beziehungsweise zwölf Wochen war der Erreger in den Proben nicht mehr nachweisbar. Zusätzlich, um eine Verschleimung im Drüsenmagen zu lösen, in der sich die Hefepilze verstecken könnten, habe ich noch 1/2 Teelöffel Anis gemörsert und mit dem Thymian gekocht.

Allerdings muss man aufpassen, dass man nicht zu viel Brei verfüttert. Sonst gibt es unter Umständen Probleme mit (Fett-)Leber und Nieren. Da ich Pierrot aber regelmäßig wog, beobachtete und mir Notizen machte, konnte ich schnell aus meinen (zu?) gut gemeinten Methoden lernen.“

Als Breibasis kann man beispielsweise Handaufzuchtfuttermischungen verwenden, allerdings sollte dies mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden. Frau Buckermann möchte außerdem dringend darauf hinweisen, dass es sich bei ihrem Kräuterbrei nicht um ein Heilmittel für die Macrorhabdiose handelt. Ferner merkt sie an:

„Wichtig ist die richtige Dosierung der Zutaten, vielleicht kann ein Zuviel andere gesundheitliche Probleme nach sich ziehen. Schnell kann Gutes ins Gegenteil schlagen. Es sollte langsam mit wenigen, schwach konzentrierten Teetropfen begonnen werden. Ich habe die Situation täglich beobachtet und dokumentiert, vor allem die Beschaffenheit des Kots, Pierrots Wohlbefinden, sein Gewicht etc. Die Ernährung darf außerdem nicht einseitig mit Brei erfolgen, viel frisches Grünfutter und gelegentlich ein wenig hart gekochtes Eigelb und vor allem gekeimtes Futter gab es. Man sollte aufpassen, dass man nicht zu viel Nahrung reicht. Mein Wellensittich hat sehr gut zugenommen – und plötzlich war es deutlich zu viel. Dann hieß es Abspecken, bevor die Organe verfetten. Die Gewichtsabnahme sollte nicht durch Hungern erzielt werden, sondern durch allmählich zunehmende Bewegung.“

Wer seinen erkrankten Vögeln keinen Brei anmischen möchte, kann anstelle des Trinkwassers Thymiantee reichen. Außerdem gibt es im gut sortierten Handel für Vogelernährung einen zuckerfreien Thymiansirup der Marke AviVet. Darüber hinaus haben einige Vogelhalter gute Erfahrungen mit der Heilwirkung von Lapacho-Tee gemacht. Informationen über diesen Tee aus der Rinde der Lapacho-Bäume lassen sich mittels Suchmaschinen im Internet finden.

Lesetipp
WP-Magazin 2/2018In der Ausgabe 2/2018 des WP-Magazins berichtete der Tierarzt Hermann Kempf über den „Mythos Megabakterien“. Dieser Artikel ist ausgesprochen informativ und lesenswert. Die Ausgabe der Zeitschrift kann beim Verlag einzeln bestellt werden. Für weitere Informationen klicken Sie bitte hier.
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