Lena, Einzug am 20. Mai 2019, Auszug am 30. August 2020

Lenas Gefieder ist fast weiß und zeigt nur stellenweise einen sehr zarten Grauschleier.
Lenas Gefieder ist fast weiß und zeigt nur stellenweise einen sehr zarten Grauschleier.

Wirklich viel weiß ich über Lenas Vorgeschichte nicht. Eine liebe Bekannte hat sie im Jahr 2018 aus nicht idealen Haltungsbedingungen gerettet. Damals hatte Lena in einem Zuhause ihr Dasein gefristet, in dem nicht allzu sehr auf die Bedürfnisse der Tiere geachtet wurde. Zwar wurde sie nicht einzeln gehalten, was bedauerlicherweise nach wie vor ein trauriges Schicksal zahlreicher Wellensittiche ist. Aber bei der Vergesellschaftung war auch nicht darauf geachtet worden, ob die Tiere harmonieren. Lena wurde von ihren männlichen Artgenossen dermaßen bedrängt, dass es wieder und wieder zu sehr unschönen Szenen kam: Sie wurde gejagt, bis sie schlapp war, und dann sind die Männchen einfach auf sie gesprungen und haben sich trotz ihrer Protestschreie mit Lena gepaart. Bei Menschen würde man von wiederholten Vergewaltigungen sprechen. Insofern verwundert es nicht, dass Lena völlig verstört und ängstlich war.

Grisella (links) und Lena kurz nach ihrer Ankunft.
Grisella (links) und Lena kurz nach ihrer Ankunft.

Bei meiner Bekannten lebte sie gemeinsam mit einigen anderen Wellensittichen, die aber sehr ruhig und friedlich waren. Es gab keine Übergriffe mehr und Lena wurde mit der Zeit wieder selbstbewusster. Sie verlor ihre Angst nach und nach und es hätte alles wunderschön sein können. Wenn denn nicht die Lebensumstände meiner Bekannten einen so starken Wandel durchlaufen hätten, dass sie sich von ihren Wellensittichen trennen musste. Ich sagte zu, Lena und ihre damalige Freundin Grisella aufzunehmen. Diese Vogeldame war selbst kurz zuvor aus sehr schlimmen Haltungsbedingungen gerettet worden und seinerzeit war niemandem von uns klar, wie schlecht es wirklich um sie stand. So kam es, dass Lena und Grisella am 20. Mai 2019 bei mir eintrafen und leider nur sehr wenig gemeinsame Zeit hier hatten. Wenige Tage nach ihrer Ankunft starb Grisella, worüber Lena sichtlich traurig war.

Abends sitzt Lena am liebsten auf der Kokosblattschaukel und schaut aus dem Fenster.
Abends sitzt Lena am liebsten auf der Kokosblattschaukel und schaut aus dem Fenster.

Zum Glück hatte sie zu dem Zeitpunkt bereits begonnen, weitere Freundschaften mit meinen anderen Vögeln zu schließen. Deshalb fiel sie nicht seelisch in ein tiefes Loch, sondern durchlief eine normale Trauerphase und fand dann schnell zurück ins normale Leben. Weil Lena nicht gehandicapt ist, bildete sie während ihrer Zeit in meiner Obhut gewissermaßen eine große Ausnahme in meinem Vogelschwarm. Fast alle anderen Sittiche haben körperliche Gebrechen und können nicht fliegen oder Ähnliches. Die fröhliche Lena, die oft wie ein Wirbelwind umher flog, brachte gewissermaßen „Schwung in den Laden“. Sie verstand sich mit allen anderen Wellensittichen sehr gut, hatte nur leider kein Männchen für sich gewinnen können. In der schwer gehandicapten Alana hatte sie eine gute Freundin gefunden, mit der sie oft beisammen saß und gemeinsam sang. Oder die beiden Damen schredderten Schulter an Schulter Kork.

So sieht Lena beim Genießen aus - gekeimter Weizen ist ihre Lieblingsspeise.
So sieht Lena beim Genießen aus – gekeimter Weizen ist ihre Lieblingsspeise.

Zu den Lieblingsbeschäftigungen der fast rein weißen Vogeldame gehörte es, ausgiebig zu baden. Das Beste war für sie, wenn ein wenig Salat oder Karottengrün im Wasser schwamm. Dann wurde Lena zum „Wasservogel“. Außerdem liebte sie es, Karotten zu essen – und zu zerbeißen. Gekeimter Weizen ging ebenfalls immer, den mochte sie sogar noch lieber als Kolbenhirse. Abends saß sie während sie bei mir war gern in einer Kokosblattschaukel am Fester und schaute nach draußen. Ja, ich spreche hier in der Vergangenheit, aber nicht, weil Lena gestorben ist. Zum Glück kam es anders: Sie ist am 30. August 2020 ausgezogen. Der Grund dafür war (ist) männlich, charmant und grün-gelb-schwarz. Der gefiederte Feriengast Tobby kam mit seinem Freund Olly ein paar Wochen vorher zu mir, um hier einige Zeit zu verbringen – seine Federlosen wollten in den Urlaub fahren. Beide Männchen verliebten sich hier – Tobby und Lena waren innerhalb kürzester Zeit ein echtes „Turteltauben-Pärchen“.

Lena und ihr Gefährte Tobby kurz vor ihrem Auszug.
Lena und ihr Gefährte Tobby kurz vor ihrem Auszug.

Sie kuschelten, kraulten einander, er fütterte sie, man zwitscherte gemeinsam und wollte abends nicht in unterschiedlichen Käfigen schlafen. Für Olly und seine Ferienliebe Dicki galt dasselbe. Also wurden mehrere Gespräche mit vorherigen Halterinnen geführt, dann mit den beiden Haltern von Tobby und Olly und schlussendlich stand dann fest: Lena und die gelbe Dicki folgen den beiden gefiederten Feriengästen in deren Zuhause. Seitdem lebt Lena in meiner Nachbarstadt in einem fröhlichen Viererschwarm und genoss eine ganze Weile die Zeit an der Seite ihres geliebten Partners Tobby. Bedauerlicherweise starb er viel zu jung. Sein Nachfolger Micky ist seither Lenas Partner im neuen Zuhause. Wann immer ihre Halter in den Urlaub gehen, kommen Lena und ihre drei gefiederten Freunde zu mir und verbringen einige Zeit in meinem Vogelschwarm. Ich freue mich immer sehr, sie zu sehen.