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  Zwei Katharinasittiche fressen KeimfutterKeimfutter ist ein gesunder Leckerbissen für Vögel, sofern es hygienisch einwandfrei zubereitet und gelagert wird. Es ist eine leicht verderbliche Frischkost, die den Vögeln großen Schaden zufügen kann, wenn man die Körnchen verfüttert, obwohl sie bereits verdorben sind. Deshalb raten einige Vogelexperten und -züchter grundsätzlich davon ab, den Vögeln Keimfutter zu servieren. Man kann dies als Überreaktion werten, denn wird das Keimfutter sorgfältig zubereitet und nicht zu lange oder falsch gelagert, kann es den täglichen Speiseplan der Ziervögel bereichern, ohne die Gesundheit der Tiere zu gefährden.

Welche Saaten eignen sich zur Herstellung von Keimfutter?
Die meisten Standard-Körnermischungen sind nicht sonderlich gut für die Herstellung von Keimfutter geeignet. Der Grund dafür ist, dass viele dieser Futtermischungen geschälten Hafer enthalten, den die Tiere nicht erst entspelzen müssen. Geschälter Hafer eignet sich jedoch nicht zur Herstellung von Keimfutter, weil er rasch verdirbt und schimmelt. Zum Keimen bringt man ihn meist nicht, er weicht lediglich auf und wird auf unappetitliche Weise matschig. Daher sollte man Futtermischungen, die geschälten Hafer enthalten, nicht als Grundlage für Keimfutter verwenden.

Eine Reihe von Spezialfutterhändlern bietet eigens für das Keimen zusammengestellte Saatenmischungen für Wellensittiche und andere Vogelarten an. Man kann diese Keimfuttermischungen bequem über das Internet bestellen und geht damit auf Nummer sicher, was die Eignung der enthaltenen Saaten für das Keimen anbelangt. Freilich kann auch dieses Futter schimmeln, wenn man beim Keimenlassen nicht die nötige Hygiene walten lässt. Aber grundsätzlich sind die enthaltenen Saaten für gewöhnlich besonders keimfähig und neigen nicht so stark wie geschälter Hafer dazu, rasch zu verderben.

Das A und O: die nötige Hygiene
Diesem Wellensittich schmeckt das frische KeimfutterSchon während des Keimens kann das Futter verderben. Es riecht dann stechend bis säuerlich oder ist gar verfault beziehungsweise mit Schimmelpilzen überzogen. Verfüttern Sie niemals verdorbenes oder schimmeliges Futter an Ihre Tiere! Ist das Futter verdorben, muss es weggeworfen werden. Auch dann, wenn beispielsweise nur ein geringer Teil des Futters verdorben ist, muss die gesamte gekeimte Portion weggeworfen werden, weil sich Schimmelpilzfäden für das bloße Auge unsichtbar mehrere Zentimeter weit durch das Keimfutter ziehen können.

Das gekeimte Futter sollte zudem nie länger als etwa drei bis vier Stunden für die Vögel zugänglich sein, da es insbesondere während der warmen Sommermonate extrem schnell verdirbt. Die Näpfe, in denen Sie Keimfutter anbieten, sollten Sie nach dem Entfernen der verspeisten Körner heiß und gründlich auswaschen sowie gegebenenfalls mit Essigwasser desinfizieren, damit sich darin keine krank machenden Erreger festsetzen können.

Die Zubereitung von Keimfutter
Waschen Sie die Körner in einem Sieb unter fließendem, lauwarmem Wasser gründlich ab und lassen Sie sie dann mit Wasser bedeckt maximal acht Stunden quellen (z. B. über Nacht). Ich benutze dafür einen ganz normalen Topf, den ich geöffnet in der Küche stehen lasse. Die Körner dürfen nicht länger als bis zu acht Stunden im Wasser bleiben, weil sie sonst zu gären beginnen.

Nach Ablauf der Einweichzeit wäscht man die Körner erneut in einem Küchensieb, lässt das Wasser abtropfen und hängt das Sieb mit den sich darin befindenden Körnern anschließend in einen Topf. Legen Sie den Deckel leicht über das Sieb, um die Körnchen vor Staub zu schützen. Die Körner sollen nun im Sieb zwischen 24 und 48 Stunden bei möglichst konstanter Temperatur keimen. Achten Sie darauf, ein Sieb zu verwenden, dass nicht rosten kann. Diese Bedingung erfüllen Siebe aus rostfreiem Edelstahl, oder aber Sie verwenden ein Kunststoffsieb.

Ich wasche die keimenden Körner etwa alle zwölf Stunden unter fließendem, handwarmem Wasser ab, um eine Schimmelbildung zu vermeiden. Nach dem mehrfachen Waschen und dem Keimen können Sie Ihren Vögeln das Futter anbieten. Meine Tiere mögen das Keimfutter am liebsten, wenn es zwischen 24 und 36 Stunden gekeimt hat. Länger gekeimtes Futter mögen die meisten Vögeln nicht so gern. Stark gekeimte Körner schmecken offenbar nicht so gut wie Körner mit kleinen, gerade eben sichtbaren Keimlingen. In diesem Stadium sollen sie die meisten Vitalstoffe enthalten.

Lagerung des zubereiteten Keimfutters
Ziervögel, die an Keimfutter gewöhnt sind, verspeisen es meist mit großem GenussIm Kühlschrank bleibt gekeimtes Futter bis zu drei Tage frisch, aber Sie sollten es lieber rasch aufbrauchen und zudem vor dem Servieren gründlich waschen. Ich bereite Keimfutter immer so zu, dass ich die fertige Portion komplett verfüttere und am nächsten Tag eine neue Portion zur Verfügung habe. Falls Sie Keimfutter im Kühlschrank lagern, denken Sie dran, es vor dem Verfüttern auf Zimmertemperatur aufwärmen zu lassen. Anderenfalls könnte es geschehen, dass sich ihre Vögel gierig auf das Futter stürzen und ihren Kropf unterkühlen. Bei empfindlichen Tieren kann dies zu Reizungen des Verdauungsapparates führen.

Auch mögen es die meisten Vögel nicht, wenn das Keimfutter zu feucht ist. Lassen Sie es deshalb gut abtropfen, bevor Sie es den Tieren reichen. Meiner Erfahrung nach hat sich ein kleines Küchensieb bewährt, in dem ich die Körnchen abwasche und anschließend im Sieb liegend auf ein mehrfach gefaltetes, sauberes Küchenhandtuch lege. Nach einigen Minuten hat das Handtuch die überschüssige Feuchtigkeit aus dem Keimfutter gesaugt.

Die richtige Menge zubereiten
Pro Wellensittich und pro Tag können Sie einen halben bis einen Teelöffel Keimfutter rechnen; es ist als Zusatzfutter zur normalen Fütterung zu verstehen und sollte in die empfohlene Gesamtnahrungsmenge mit einbezogen werden. Für andere Vogelarten muss die Futtermenge entsprechend angepasst werden.

Falls Sie Ihren Vögeln noch nie Keimfutter gereicht haben, kann es zu anfänglichen Problemen kommen. Sofern Ihre Tiere das gekeimte Futter nicht gleich zu Beginn akzeptieren, geben Sie ihnen ein wenig Zeit. Haben sie sich erst einmal an das ein wenig feuchte Futter gewöhnt, sind sie meist dankbare Abnehmer dieses Leckerbissens und futtern liebend gern die ihnen zugedachte Tagesration.

Besonderer Tipp: Streuen Sie kurz vor dem Servieren frische, gehackte Küchenkräuter auf die gekeimten Körner. Getrocknete Küchenkräuter stellen eine schmackhafte Alternative dar, falls Sie keine frischen Kräuter zur Hand haben. Meine Vögel mögen das Kräuter-Keimfutter besonders gern.
 
 
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