Bürzeldrüsenveränderungen

Achtung: Die auf Birds-Online.de angebotenen Texte und Bilder rund um das Thema Erkrankungen von Vögeln sind als Informationsquelle gedacht. Bitte bringen Sie Ihre erkrankten Vögel immer schnellstmöglich zu einem fachkundigen Tierarzt!
Dieses Wellensittichmännchen leidet an einem Bürzeldrüsentumor.
Dieses Wellensittichmännchen leidet an einem Bürzeldrüsentumor.

Viele Vogelarten verfügen über ein Körperteil, das typisch für diese Tiere ist: die Bürzeldrüse. Sie befindet sich am unteren Ende des Rückens und in ihr wird ein öliges Sekret produziert, mit dem die Vögel ihr Gefieder pflegen. An der Bürzeldrüse kann es bei Wellensittichen und anderen Vögeln zu Gewebeveränderungen kommen, die aufgrund verschiedener Ursachen entstehen und abhängig davon mehr oder minder gravierend ausfallen können. Problematisch ist, dass die Bürzeldrüse bei normal befiederten Vögeln von Federn bedeckt wird und man die Veränderungen deshalb häufig erst in einem späten Stadium sieht. Schiebt man die Federn vorsichtig zur Seite, zeigt eine veränderte Bürzeldrüse oft eine Schwellung oder Rötung. Manchmal beißen sich die Vögel ihre veränderte und schmerzende Bürzeldrüse auch blutig. Ein typisches Symptom ist dann, dass sie Blut am Schnabel haben, man aber an ihnen zunächst keine Wunde entdecken kann. Ist dies der Fall, sollte unbedingt sofort die Bürzeldrüse betrachtet werden, denn sie könnte die Quelle für das Blut sein.

In diesem Beitrag finden Sie einige Beschreibungen typischer Ursachen, die zu Veränderungen der Haut um die Bürzeldrüse sowie des Bürzeldrüsengewebes selbst führen können. Bitte beachten Sie, dass eine genaue Diagnosestellung mittels der Beschreibungen nicht möglich ist. Es ist erforderlich, beim Auftreten einer Bürzeldrüsenveränderung einen vogelkundigen Tierarzt zurate zu ziehen, damit die Ursache im individuellen Fall abgeklärt werden kann.

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Bürzeldrüsenverstopfung

Durch die Haut ist eine große Menge Bürzeldrüsensekret zu erkennen, das wegen einer Verstopfung der Bürzeldrüse nicht abfließen konnte.
Durch die Haut ist eine große Menge Bürzeldrüsensekret zu erkennen, das wegen einer Verstopfung der Bürzeldrüse nicht abfließen konnte.

Die Bürzeldrüse ist ein Organ des Vogels, das eine ölige Substanz, das sogenannte Gefiederfett, produziert. Es kann geschehen, dass der Ausgang der Drüse verstopft. Verschiedene Ursachen können für dieses Problem verantwortlich sein. Ist das Fett zum Beispiel zu zäh, kann der Vogel es nicht mehr vollständig aus der Drüse entnehmen, es verhärtet nach und nach und verstopft letztlich die kleine Öffnung, aus der das Sekret normalerweise vom Körper abgegeben wird. Eine weitere mögliche Ursache ist eine Befiederungsstörung. Leidet ein Vogel an einer solchen Störung, die stark ausgeprägt ist und hat er deshalb fast keine Federn mehr, muss er nur noch wenig Fett aus der Bürzeldrüse entnehmen. Das kann ebenfalls dazu führen, dass sich das Sekret im Körper staut und der schmale Ausführungsgang verstopft. Häufig geht dies außerdem mit einer Entzündung dieses Körperteils einher. Auch aufgrund anderer Ursachen – zum Beispiel extremer körperlicher Schwäche über einen längeren Zeitraum – kann die Bürzeldrüse verstopfen. Denn ist ein Vogel allgemein geschwächt, stellt er meist seine Gefiederpflege ein und entnimmt der Drüse kaum oder gar kein Fett.

Die Bürzelgegend dieses Wellensittichs ist gerötet und geschwollen.
Die Bürzelgegend dieses Wellensittichs ist gerötet und geschwollen.

Eine verstopfte Bürzeldrüse sollten regelmäßig von einem Tierarzt entleert werden, damit sich keine Entzündung bilden kann und das verstopfte Organ dem Vogel keine Schmerzen verursacht. Denn ist die Drüse verstopft und prall gefüllt, verursacht dies vermutlich einen unangenehmen Druck. Um das Sekret aus der Drüse zu bringen, darf es nicht einfach ausgedrückt werden, wie es beispielsweise bei einem Pickel im Gesicht eines Menschen häufig praktiziert wird. An der Bürzeldrüse könnte dieses Drücken zu Quetschungen und zu schweren Entzündungen im umliegenden Gewebe führen. Das Bürzeldrüsensekret muss durch vorsichtiges Massieren mit sanftem Druck nach und nach aus der kleinen Öffnung geschoben werden. Es ist wichtig, dass dies von einer erfahrenen Person durchgeführt wird, um den Vogel nicht zu verletzen.

Hinweis
Bei vielen Vögeln riecht das Sekret, welches sich in einer verstopften Bürzeldrüse befindet, recht unangenehm. Erschrecken Sie also nicht, wenn Ihnen beim Ausmassieren ein ungewöhnlicher Geruch in die Nase steigt.

Bürzeldrüsenentzündung

Die Bürzeldrüse dieses an einer virusbedingten Gefiederstörung leidenden Wellensittichs ist entzündet.
Die Bürzeldrüse dieses an einer virusbedingten Gefiederstörung leidenden Wellensittichs ist entzündet.

Ist die Bürzeldrüse verstopft, besteht die Gefahr, dass Bakterien in das darin festsitzende Sekret sowie in das umliegende Gewebe eindringen und zu einer Entzündung der gesamten Körperregion führen. Im Innern der Drüse bildet sich dann unter Umständen Eiter, der nicht abfließen kann, weshalb eine solche Entzündung meist mit einer enormen Schwellung der Bürzelgegend einhergeht. Die Haut ist oft straff gespannt, weil sie aufgrund der Sekret- und/oder Eiteransammlung unter Druck steht. Außerdem ist das Gewebe häufig stark gerötet.

Grob vereinfacht gesprochen handelt es sich bei einer Entzündung der Bürzeldrüse quasi um einen sehr großen Pickel, der für den betroffenen Vogel recht schmerzhaft sein dürfte. Es ist wichtig, so rasch wie möglich einen vogelkundigen Tierarzt aufzusuchen, damit dieser die das festsitzende Sekret und den gegebenenfalls vorhandenen Eiter entfernt und die Bürzeldrüsenregion reinigen kann. Allein schon dadurch, dass der Druck abgebaut wird, verspürt der Vogel sehr wahrscheinlich eine deutliche Linderung seiner Beschwerden. Meist wird nach der Entleerung eine antibiotische Salbe aufgetragen, aber auch das Verabreichen einer Spritze oder eines Medikaments in den Schnabel beziehungsweise über das Trinkwasser kann in einigen Fällen erforderlich sein. Solche Entzündungen sind oft vergleichsweise leicht zu heilen, sofern man sie rechtzeitig behandelt. Am besten ist es jedoch, sie gar nicht erst entstehen zu lassen.

Bürzeldrüsengeschwür

Da das Gewebe rund um die Bürzeldrüse sehr aktiv ist, kann es dort leicht zu Hautveränderungen in Form von Geschwüren und kleineren, oft gutartigen Wucherungen kommen. In vielen Fällen tritt sich verhärtendes Sekret aus, das eine gelbliche Kruste auf der Haut bildet und in manchen Fällen einen öligen Geruch verströmt.

Je nachdem, wie groß solche Geschwüre sind und an welcher Stelle in der Nähe der Bürzeldrüse sie entstehen, muss der Tierarzt sie mit einem kleinen Schnitt entfernen oder zunächst zum Absterben bringen. Hierfür stehen ihm unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung, die Ihnen Ihr Tierarzt sicher gern erläutern wird.

Die Bürzeldrüse dieses Wellensittichs ist wegen eines Geschwürs geschwollen.
Die Bürzeldrüse dieses Wellensittichs ist wegen eines Geschwürs geschwollen.
Krustige Beläge aus getrocknetem Bürzeldrüsensekret bedecken bei diesem Wellensittich ein Bürzeldrüsengeschwür.
Krustige Beläge aus getrocknetem Bürzeldrüsensekret bedecken bei diesem Wellensittich ein Bürzeldrüsengeschwür.

Bürzeldrüsentumor

An der Bürzeldrüse dieses Wellensittichs ist ein Tumor gewachsen.
An der Bürzeldrüse dieses Wellensittichs ist ein Tumor gewachsen.

Die wohl gravierendste Veränderung an der Bürzeldrüse stellt das Entstehen eines Tumors dar. Meist wuchern Bürzeldrüsentumoren sehr rasch und sollten deshalb schnellstmöglich durch einen erfahrenen, im Idealfall auf die Behandlung von Vögeln spezialisierten Tierarzt operativ entfernt werden. Solche Operationen finden in aller Regel unter Vollnarkose statt und da die Bürzeldrüse stark durchblutet ist, gehen solche Eingriffe leider oft mit einem hohen Blutverlust einher. Aber einen Vogel aufgrund dieser potenziellen Gefahr, die von der Narkose oder dem Blutverlust während des Eingriffs ausgeht, nicht operieren zu lassen, wäre ebenso töricht wie verantwortungslos. Abgesehen davon, dass Tumoren, die nicht entfernt werden, den Tieren permanent Schmerzen verursachen, können sie platzen. Der damit einhergehende Blutverlust ist meist tödlich! Oder aber die Vögel beißen die Tumoren wegen der von ihnen verursachten Schmerzen auf und es entstehen eitrige, sehr schmerzhafte Entzündungen.

Wird zu lange gewartet und der Eingriff aufgeschoben, kann die Wucherung so stark wachsen, dass eine Operation zu einem späteren Zeitpunkt mit einem unnötig hohen Risiko für den Vogel verbunden ist oder gar völlig unmöglich wird.

An der Bürzeldrüse dieses Wellensittichs hat sich ein derzeit noch relativ kleiner Tumor gebildet.
An der Bürzeldrüse dieses Wellensittichs hat sich ein derzeit noch relativ kleiner Tumor gebildet.
Hier ist deutlich eine tumoröse Verdickung an der Bürzeldrüse des Wellensittichs zu erkennen.
Hier ist deutlich eine tumoröse Verdickung an der Bürzeldrüse des Wellensittichs zu erkennen.
Sehr großer, zweigeteilter Tumor an der Bürzeldrüse eines Wellensittichs vor der Operation.
Sehr großer, zweigeteilter Tumor an der Bürzeldrüse eines Wellensittichs vor der Operation.
Der Tumor an der Bürzeldrüse dieses Wellensittichs konnte in einer Operation erfolgreich entfernt werden.
Der Tumor an der Bürzeldrüse dieses Wellensittichs konnte in einer Operation erfolgreich entfernt werden.
Erfahrungsberichte über Vögel mit Bürzeldrüsentumoren
In den folgenden beiden Beiträgen erfahren Sie mehr darüber, wie sich die Situation für einen an einem Bürzeldrüsentumor erkrankten Vogel darstellen kann:

Erfahrungsbericht Manni

Erfahrungsbericht Manni

Fallbeispiel eines Wellensittichs, der an einem tödlichen Bürzeldrüsentumor litt
Erfahrungsbericht Trudi

Erfahrungsbericht Trudi

Fallbeispiel eines Wellensittichs, dessen Bürzeldrüsentumor erfolgreich operativ entfernt wurde