Else, adoptiert am 2. April ’18,  † am 1. Juni ’21

Else im Porträt
Else im Porträt

Im Norden Deutschlands kam im Jahr 2015 eine inzwischen leuchtend grün gefärbte Vogeldame zur Welt: die charmante Else. Im Alter von wenigen Wochen zog sie zu einer Vogelliebhaberin, die in einer Außenvoliere viele Wellensittiche hielt. Else hatte es sehr gut getroffen in diesem liebevollen und vogelreichen Umfeld. Sie fühlte sich dort so wohl, dass sie im Frühling 2016 Mutter wurde und erfolgreich mehrere Küken großzog. Als die Küken „aus dem Haus“ waren, konnte sie selbst wieder durch die Voliere toben, und das tat sie Tag für Tag mit großer Begeisterung.

Ungestüm, wie sie schon immer war, hat sich Else in der geräumigen Voliere dann jedoch leider verletzt. Was genau geschehen war, wusste ihre frühere Halterin nicht, weil sie den Unfall selbst nicht gesehen hat. Sie hatte Else an jenem schicksalhaften Tag humpelnd vorgefunden und sofort helfend eingegriffen. Die Verletzung des rechten Beines sollte sich bedauerlicherweise jedoch als so gravierend herausstellen, dass eine dauerhafte Nervenschädigung zurückbleiben sollte. Obwohl die Vogeldame damals intensiv und vor allem lange Zeit tiermedizinisch versorgt worden ist, konnte gegen die Lähmung ihrer Zehen nichts mehr ausgerichtet werden. Seit ihrem Unfall konnte Else deshalb keine Äste mehr umgreifen.

Sofern der Untergrund eben war, konnte Else trotz ihrer gelähmten Zehen gut stehen
Sofern der Untergrund eben war, konnte Else trotz ihrer gelähmten Zehen gut stehen

In der Außenvoliere kam sie nicht mehr zurecht, aber sie sollte auch nicht allein im Haus bleiben müssen. Else war schon immer ein echter Schwarmvogel, in einer Paarhaltung im Haus würde sie verkümmern, so viel stand fest. Noch dazu war der Halterin bewusst, dass Else idealerweise ein Umfeld brauchen würde, das behindertengerecht eingerichtet ist.

Sie liebte das muntere und sehr zutrauliche Vogelweibchen sehr – Else war ihr Herzblatt, wie sie mir einst sagte. Genau aus dem Grunde wollte sie für den Vogel nur das Beste und hat sich deshalb dazu durchgerungen, Else in ein behindertengerechtes Zuhause zu vermitteln. Sie gehen zu lassen, war für die Vogelhalterin hart, aber ihr war Elses Lebensglück viel wichtiger als ihre eigenen Gefühle für den Vogel. Das ist echte Tierliebe!

Else mit wachsamem Blick vor ihrem Korkstück – niemand sollte sich ihr in den Weg stellen
Else mit wachsamem Blick vor ihrem Korkstück – niemand sollte sich ihr in den Weg stellen

Kaum war der Plan gefasst, kontaktierte sie mich Anfang Januar 2018 und bat mich um Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Zuhause. Zu jener Zeit hatte ich einen Platz in meinem Vogelzimmer frei und bot ihr an, Else aufzunehmen. Das einzige Problem war: Die Vogeldame befand sich in Holstein, ich selbst im Ruhrgebiet. Wir mussten nun also versuchen, eine Mitfahrgelegenheit für Else zu finden. Denn aus unterschiedlichen Gründen konnten weder ihre frühere Halterin noch ich die lange Strecke fahren. Wie es der Zufall wollte, erklärte sich eine liebe Vogelfreundin aus Lübeck bereit, Else mitzunehmen, sobald sie bald ihre in der Nähe des Ruhrgebiets lebende Tochter besuchen würde. Wir freuten uns und nahmen an, dass der Transport bald glücken würde. Dann machte uns aber mehrmals das Wetter mit wiederholten späten Wintereinbrüchen einen Strich durch die Rechnung und wir alle mussten uns etliche Wochen gedulden.

Else nach dem Baden
Else nach dem Baden

Doch dann, am 2. April 2018, war Else endlich in meiner Nähe angekommen, und die Strecke von rund 30 km zum Wohnort der Tochter der Vogelfreundin konnte ich gemeinsam mit einer Freundin in deren Auto zurücklegen. Als wir dort eintrafen, flog Else munter herum und landete ohne Scheu auf meiner Schulter. Sie war vom ersten Augenblick an bezaubernd. Nur als ich sie in die Transportbox setzen wollte, gab sie Widerworte. Nein, das passte ihr nicht, war sie doch gerade kurz zuvor erst aus dem Norden Deutschlands nach NRW gefahren. Schon wieder in eine Box zu gehen, gefiel ihr offenkundig nicht. Aber sie gab letztlich nach. Und vermutlich war sie froh, dass die Fahrt zu mir nach Hause nicht allzu lang dauerte. Weil Else zuvor sehr genau untersucht worden ist und wochenlang allein gewesen war, war klar: Sie war abgesehen von ihrem lahmen Beinchen kerngesund. Deshalb durfte sie augenblicklich in mein Vogelzimmer einziehen – und sie war entsprechend begeistert.

Die Gefiederpflege nahm Else immer sehr genau
Die Gefiederpflege nahm Else immer sehr genau

Kaum angekommen, stürzte sie sich hinein ins bunte Treiben meiner Sittiche und knüpfte sofort erste Kontakte. Immer wieder kam sie außerdem auf meine Schulter geflogen. Das tat sie seitdem jeden Tag, denn sie mochte Menschen ebenso wie Vögel. Diese Eigenschaft machte den Umgang mit ihr so entspannt, denn sie hatte nie Angst. Sogar dann nicht, wenn ich sie in die Hand nehmen musste, um ihre Beinchen zu untersuchen. Sie konnte es nicht mehr richtig durchdrücken und lag nicht nur mit den Zehen auf, sondern ebenso mit dem hinteren Teil des Sprunggelenks – jedoch mit dem linken Bein. Dadurch hatte sie eine Druckstelle, die gut gepflegt werden musste, damit sie sich nicht entzündet. Infolge des Unfalls war somit das eigentlich gesunde Bein genauso in Mitleidenschaft gezogen. Aber Else kam gut damit zurecht und nahm es mir nicht übel, dass ich regelmäßig die Haut an ihren Beinen kontrollierte.

Else (links) mit ihrem Partner Ole
Else (links) mit ihrem Partner Ole

Im Vogelschwarm hat sie von Anfang an dafür gesorgt, dass man sie respektiert. Sie hatte viel Durchsetzungskraft und entsprechend hat sich niemand getraut, ihr ihre Lieblingsplätze streitig zu machen. Die Männchen fanden Else allesamt toll, aber sie hatte lange Zeit nur Augen für Ole. Zu seinen Lebzeiten umsorgte er sie ständig, kraulte und fütterte sie. Und fütterte und fütterte und fütterte. War Else bei ihrem Einzug in mein Vogelzimmer rank und schlank, hatte Ole sie bald auf rund 60 g Gewicht gemästet. All meine Versuche, die Vögel auf Diät zu setzen, schlugen fehl. Else war wegen Oles ständiger Fütterungen kugelrund und hatte beim Fliegen einige Probleme. Als er Ende Juni 2020 aus dem Leben schied, wurde sie nicht nur schlagartig Single, sondern innerhalb kürzester Zeit deutlich schlanker. Aber nur, bis Helios mit ihr anbandelte und das ständige Füttern weiter fortsetzte.

Wellensittichdame Else döst ein wenig und bemerkt die Kamera gar nicht
Wellensittichdame Else döst ein wenig und bemerkt die Kamera gar nicht

Wie alle Wellensittichweibchen liebte sie es, Kork zu schreddern. Zur Entlastung ihrer Beine nutzte sie gern die verschiedenen großen Schaukeln, auf denen sie nicht stehen musste, sondern liegen konnte. So thronte sie gern über allen anderen Vögeln und behielt im Blick, was um sie herum passierte. Abends setzte ich sie in einen separaten Schlafkäfig, wo sie auf einem weichen Stück Filz, das schwingend montiert war, ihren Schlafplatz hatte. Das schonte die Haut an ihren Beinen und sollte verhindern, dass sich ihre Druckstelle entzündet. Ach ja, und Else badete für ihr Leben gern, am liebsten jeden Tag. Das einzige, was Else vom Baden abhalten konnte, waren technische Geräte. Kameras, Handys und Co. hatten es ihr angetan. Sie kam sofort angeflogen und wollte wissen, was man da in der Hand hielt. Sie zu fotografieren, war also nicht immer leicht, weil Else oft schneller auf der Kamera saß, als man sie ablichten konnte.

Im Spätsommer 2020 hatte Else, die wegen ihres hohen Gewichts nicht gut fliegen konnte, einen folgenschweren Unfall. Sie stürzte auf den Bauch, in dem sich zu jener Zeit ein Ei befand. Es war beim Aufprall geplatzt und hatte ihren Legedarm schwer verletzt. Als ich sie fand, lief Blut aus ihrer Kloake. So schnell ich konnte, brachte ich sie in die Vogelklinik, wo die Ärzte versuchten, ihr Leben mit einer Notoperation zu retten. Dabei bleib Elses Herz stehen, doch es gelang den Ärzten, sie wiederzubeleben. Allen Widrigkeiten zum Trotz überlebte sie den Eingriff und erholte sich davon recht bald.

Leider riss dann aber im April 2021 im Körper die lange Naht und Else erlitt einen großen Bauchdeckenbruch – so groß, dass er nicht operiert werden konnte. Ich solle gut auf sie achten, sie könne eine Weile damit leben, sagten mir die Ärzte. Leider waren ihr nur noch wenige Wochen vergönnt. Sie wurde zuletzt zusehends kurzatmiger und schlief fast nur noch. Außerdem konnte sie nur noch auf dem Bauch liegen. Das war nicht mehr das Leben, das sie früher so gern geführt hat. Deshalb entschied ich, ihr zu helfen und sie zu erlösen, bevor es unerträglich schlimm werden würde. Am 1. Juni 2021 schloss meine kleine grüne Freundin ihre Augen für immer. Es zerriss mir das Herz, aber ich bin mir sicher, dass es für sie das Beste war.

Weil ihr Partner Ole sie ständig fütterte, war Else leider deutlich übergewichtig
Weil ihr Partner Ole sie ständig fütterte, war Else leider deutlich übergewichtig
Kein Gerät war vor Technik-Freak Else sicher – Angst war für sie ein Fremdwort
Kein Gerät war vor Technik-Freak Else sicher – Angst war für sie ein Fremdwort

Hintergrundbild für Ihr Smartphone

Von Else gibt es ein Wallpaper für Ihr Smartphone, siehe Bildersammlung.