Indira, adoptiert am 7. Januar ’07, † 29. September ’13

Indira konnte nur an wenigen Stellen Halt finden, weil ihre Beine eine starke Fehlstellung aufwiesen.
Indira konnte nur an wenigen Stellen Halt finden, weil ihre Beine eine starke Fehlstellung aufwiesen.

Viele Wellensittiche erleiden im Laufe ihres Lebens einen Unfall, bei dem sie mehr oder minder schwere Verletzungen davontragen. Daraus können in manchen Fällen bleibende Behinderungen für die Tiere entstehen. Es ist schlimm genug, dass so etwas geschehen kann, aber es gehört nun einmal zum Leben. Wenn jedoch ein Vogel zeit seines Lebens niemals seine Beine richtig benutzen kann, weil den Menschen beim Züchten durch ihre Gleichgültigkeit ein gravierender Fehler unterläuft, dann ist das mehr als traurig. Die auf dieser Seite vorgestellte Vogeldame Indira ist Opfer eines solchen Schicksalsschlages geworden und sie konnte aufgrund ihrer schweren Beinfehlstellung leider nie richtig laufen. Dennoch kämpfte sie sich aus einer ausweglos scheinenden Situation heraus und lebte eine erstaunlich lange Zeit in meiner Obhut, obwohl ihre Prognose anfangs ausgesprochen schlecht war. Ihre Geschichte soll zeigen, wie viel Verantwortung bei einem Züchter liegt – er hat buchstäblich das Leben der Tiere in seinen Händen.

Kurz nach ihrer Ankunft war Indira schon sehr zutraulich und neugierig.
Kurz nach ihrer Ankunft war Indira schon sehr zutraulich und neugierig.

Im Großraum Mannheim hatte sich ein Vogelhalter einst nach eigenen Angaben vier bis sechs Wellensittiche ins Haus geholt. Diese hatte er in seiner Wohnung tun lassen, was sie wollten. Das heißt, sie durften Pärchen, mit wem es ihnen gerade in den Sinn kam. Und sie durften unkontrolliert brüten. Als Ende 2006 eine mit mir befreundete Tierschützerin in Begleitung des zuständigen Amtstierarztes in die Wohnung ging, fanden sie ein unaussprechliches Chaos vor, in dem circa 150 Wellensittiche lebten. Zwischen Bergen von Müll und in völlig verdreckten Käfigen saßen die Vögel. Teilweise brüteten sie sogar auf dem Boden ihre Eier aus. Einigen Vögeln, so auch der damals noch sehr jungen Indira, hat man ansehen können, dass sie aus einer solchen Bodenbrut stammen, denn hierbei kann es zu einer schweren Fehlstellung der Gliedmaßen kommen.

Ist keine Nistmulde vorhanden, das heißt, fehlt im Nest eine Vertiefung, verteilt sich das Gewicht der Vogelmutter nicht gleichmäßig auf die unter ihr liegenden Jungtiere, während sie diese wärmt. Hierdurch kann es geschehen, dass das Küken, welches direkt unterhalb des Körperschwerpunktes seiner Mutter liegt, einen Hüftschaden erleidet: Das Hüftgelenk kugelt unter dem Druck des Gewichts der Vogelmutter aus. Indira hatte besonders großes Pech, denn sie muss so ungünstig unter ihrer Mutter auf dem flachen Boden gelegen haben, dass beide Hüftgelenke hiervon betroffen waren.

Das krankengymnastische Training machte Indira viel Spaß.
Das krankengymnastische Training machte Indira viel Spaß.

Abgesehen davon, dass diese Verletzungen mit heftigen Schmerzen verbunden gewesen sein müssen, wäre dieses Gesundheitsproblem zu Beginn noch behandelbar gewesen. Hätten die Menschen nur hingeschaut und das Küken zum Tierarzt gebracht, hätte dieser durch das Anlegen einer Bandage die Beine sehr wahrscheinlich wieder in die anatomisch korrekte Position bringen können, solange sich Indira noch im Wachstum befunden hat. Als die Tierschützer sie retteten, war sie leider bereits ausgewachsen und die Fehlstellung hatte sich verfestigt. Somit kam für ihre Beine jede Hilfe zu spät. Sie standen zeitlebens zur Seite und Indira konnte nicht normal stehen. Bedauerlicherweise war damals, als man Indira in der verdreckten Wohnung fand, obendrein der Greifreflex in beiden Füßen kaum vorhanden. Deshalb konnte sich der Vogel mit den schiefen Beinen nirgendwo festhalten und lag die ganze Zeit auf dem Bauch. Fliegen konnte das Jungtier ebenfalls nicht, weil sich die Flügel in den Beinchen verfingen.

Ein großer Trainingserfolg: Indira konnte ihren Oberkörper aufrichten und ein wenig auf der Hand stehen.
Ein großer Trainingserfolg: Indira konnte ihren Oberkörper aufrichten und ein wenig auf der Hand stehen.

Eigentlich sollte Indira sofort eingeschläfert werden, doch man entschied nach kurzer Überlegung, sie in meine Obhut zu geben, damit ich mit ihr trainieren können würde. Diese Chance, ihre Beine vielleicht doch noch nutzen zu können, wollte man ihr geben. Würde es nicht gelingen, könne man den Vogel immer noch einschläfern, war damals der Plan. Am 7. Januar 2007 zog Indira bei mir ein. Von diesem Tag an trainierte ich ganz konsequent mehrmals täglich und später nur noch in den Abendstunden mit ihr. Sie absolvierte krankengymnastische Übungen, nachdem sie vom Tierarzt durchgecheckt und abgesehen von ihrer Beinfehlstellung für gesund befunden worden war. Diese Übungen führten dazu, dass sie nach wenigen Wochen einen normalen Greifreflex in beiden Füßen entwickelte und sogar ihren Körper ein wenig anheben konnte. Glücklicherweise war sie von Anfang an sehr zutraulich und verschmust, sodass ihr die Krankengymnastik Spaß machte, zumal ich das Training spielerisch gestaltete.

Kurz nach ihrem Einzug ins Vogelzimmer wusste Indira bereits, wo sie sich am besten festhalten konnte.
Kurz nach ihrem Einzug ins Vogelzimmer wusste Indira bereits, wo sie sich am besten festhalten konnte.

Anfangs sollte sie noch nicht ins Vogelzimmer zu meinen anderen Vögeln ziehen, weil sie ihre Übungen durchführen und erst einmal Selbstständigkeit erlangen sollte. Gesellschaft leistete ihr ihr Partner Shiva, der ebenfalls aus der schmutzigen Wohnung im Raum Mannheim gerettet worden war und wie Indira nicht fliegen konnte. Als sich der Zustand des Weibchens besserte und es sich zeigte, dass auch Shiva trotz seiner schweren Flugbehinderung nicht allzu unfallgefährdet war, ließ ich die beiden Vögel im Februar 2007 ins Vogelzimmer einziehen. Schon nach einigen Tagen hatten sie sich eingewöhnt und ihre persönlichen Lieblingsplätze für sich entdeckt. Indira saß am liebsten auf der großen Weidenkugel, weil sie dort trotz ihrer erheblichen Beinfehlstellung stehen konnte. Zwar sah es gewöhnungsbedürftig aus, weil sie äußerst breitbeinig stand. Aber immerhin lag sie nicht ständig auf dem Bauch, was man unbedingt vermeiden sollte. Denn wenn Vögel permanent auf derselben Stelle liegen, kann es zu Liegegeschwüren kommen, die nur schwer zu heilen sind und überdies starke Schmerzen verursachen. Dieses schreckliche Schicksal blieb der zartgebauten Indira zum Glück erspart, auch entwickelte sich bei ihr zeitlebens keine Arthrose, was bei ihrer extremen Beinfehlstellung glatt an ein Wunder grenzte.

Beinfehlstellung hin oder her - als es frische Wildgräser gab, wusste sich Indira durchzusetzen.
Beinfehlstellung hin oder her – als es frische Wildgräser gab, wusste sich Indira durchzusetzen.

Obwohl sie schwer gehandicapt war, turnte sie gern im Vogelzimmer herum. Ihre körperlichen Einschränkungen meisterte sie mit Bravour. Sie hatte keine Probleme damit, sich eigenständig halb robbend, halb hinkend fortzubewegen und sogar gegen Artgenossen zu verteidigen, die ihr dann und wann auf die Nerven gingen. Wie es unter Wellensittichen üblich ist, kam es gelegentlich zu kleineren Rangeleien, aus denen sie trotz ihres Handicaps meist als Siegerin hervorging. Nachts lag sie auf einem Korkbrettchen oder auf einer waagerecht im Käfig platzierten Kletterleiter, weil sie so idealen Halt fand, ohne dass sich Druckstellen am Bauch bilden konnten. Man konnte ihr die große Lebensfreude jeden Tag ansehen. Vor allem die Zeit mit Shiva gefiel ihr sehr. Leider starb er am 22. November 2010 und Indira wandte sich danach dem Wellensittichmännchen Woodstock zu. Wenige Wochen vor ihrem Tod schied auch er aus dem Leben, sie trauerte tagelang um ihn. Indira erlitt im September 2013 eine schwere Infektion der Atemwege. Obwohl ich einen auf die Behandlung von Papageien spezialisierten Tierarzt aufsuchte, war keine Rettung für sie möglich. Indiras Tod traf mich hart, denn sie war einer dieser besonderen Vögel, wie man sie nur selten trifft. Immer liebenswürdig, klug und eine kleine Kämpferin – das war Indira und in meiner Erinnerung wird sie immer so sein.

Geboren worden ist Indira etwa Anfang November 2006 und sie gehörte zum Farbschlag Rezessiver Schecke in Grau.

Häufig lag Indira auf dem Bauch und ich musste darauf achten, dass sich keine Druckstellen bildeten.
Häufig lag Indira auf dem Bauch und ich musste darauf achten, dass sich keine Druckstellen bildeten.
Shiva (links) und Indira waren ein unzertrennliches Traumpaar.
Shiva (links) und Indira waren ein unzertrennliches Traumpaar.

Bedeutung des Namens

Als ich Indira zum ersten Mal sah, erlag ich gleich ihrem Charme und ihrer Schönheit. Es musste also ein Name her, der diesem Umstand Rechnung trug. Deshalb entschied ich mich für den indischen Namen Indira. Er stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „Schönheit“. Außerdem ist Indira ein alternativer Name von Lakshmi, der Frau des Hindu-Gottes Vishnu.

Tierporträt von Indira und ihrem Partner Shiva

Kennen Sie die Tierporträt-Künstlerin Sandra Palme? Nein? Dann wird es aber höchste Zeit, dass Sie sie kennenlernen! Sie ist ausgesprochen talentiert und malt mit viel Liebe zum Detail und Einfühlungsvermögen Ihr Tier mit Bleistift oder in Pastell. Sandra hat meine beiden Vögel Indira und Shiva, die ein echtes Traumpaar waren und sich gern gemeinsam in ihre Lieblingsdecke kuschelten, ganz wunderbar in Szene gesetzt. Man sieht, dass in jedem Strich, in jeder Federfeinheit große Tierliebe steckt. Mit ihrem Werk hat sie das Wesen meiner Vögel eingefangen, sehen Sie selbst:

Gern kuschelten Indira und Shiva abends auf einer Decke - das Foto war die Vorlage für eine Zeichnung.
Gern kuschelten Indira und Shiva abends auf einer Decke – das Foto war die Vorlage für eine Zeichnung.
Zeichnung von Indira und Shiva, angefertigt von Sandra Palme (www.ihrtierportrait.com)
Zeichnung von Indira und Shiva, angefertigt von Sandra Palme (www.ihrtierportrait.com)

Danke, liebe Sandra, für dieses wunderschöne Kunstwerk, das meine zwei Lieblinge so herrlich zur Geltung bringt. Du hast Dich selbst übertroffen!

Die Künstlerin betreibt eine Website, auf der man Porträts bestellen kann. Sandra spricht Deutsch, man muss sie also nicht auf Englisch kontaktieren. Hier geht es zu ihrer Internetpräsenz: Tierportraits von Sandra Palme. Und auch via Facebook ist Sandra zu erreichen.