Gefahrenquellen

Herumliegende Zigarettenstummel laden Vögel zum Anknabbern ein, was oft zu schweren oder tödlichen Vergiftungen führt. © PublicDomainPictures/Pixabay
Herumliegende Zigarettenstummel laden Vögel zum Anknabbern ein, was oft zu schweren oder tödlichen Vergiftungen führt. © PublicDomainPictures/Pixabay

Für in freier Natur lebende Vögel ist ihr Dasein oft sehr gefährlich, weil sie in unmittelbarer Nachbarschaft zahlreicher Fressfeinde leben, Wind und Wetter ausgesetzt sind und nicht unbedingt immer genügend Nahrung und Wasser finden. In Menschenobhut gehaltene Vögel sind in vielen Punkten besser dran. Die Nahrungsversorgung ist meist sehr gut, schlechtes Wetter kann ihnen nichts anhaben und sie werden oftmals liebevoll umsorgt. Trotzdem ist das Leben in Gesellschaft von uns Menschen für sie nicht völlig ungefährlich. Unsere Häuser und Wohnungen stecken in vielen Fällen voller Gefahrenquellen, denen sich so mancher Halter nicht einmal bewusst ist.

Damit Sie Ihre Vögel beim Freiflug und ganz generell vor offensichtlichen Gefahren schützen können, finden Sie auf dieser Seite eine Zusammenstellung typischer Dinge, von denen Gefahren für Ihre gefiederten Mitbewohner ausgehen. Falls Sie selbst eine weitere Gefahrenquelle kennen, die hier nicht aufgeführt ist, schicken Sie mir bitte eine E-Mail und informieren Sie mich darüber. Indem Sie Ihr Wissen mit mir teilen und es hier anderen Vogelhaltern zur Verfügung gestellt werden kann, lässt sich vielleicht das eine oder andere Vogelleben retten. Danke für Ihre Unterstützung!

Die folgenden Gefahrenquellen werden weiter unten ausführlich erläutert; sie können per Klick zu den jeweiligen Abschnitten gelangen:


Abschnürungen und Erhängen

Das Benagen und Spielen loser Fäden kann für Vögel rasch zur Gefahr werden, wenn sich die Fasern um Gliedmaßen wickeln.
Das Benagen und Spielen loser Fäden kann für Vögel rasch zur Gefahr werden, wenn sich die Fasern um Gliedmaßen wickeln.

Während des Freiflugs kann es zu folgenschweren Unfällen kommen, wenn sich Gegenstände mit langen, losen Fäden in der Reichweite Ihrer Vögel befinden. Wellensittiche und viele andere Heimvögel sind neugierig und spielen gern mit lose baumelnden Textilien, Fäden oder Fasern. Dies können Fransen von Teppichen, Kordeln von Vorhängen oder lose Baumwollfäden an Vogelspielzeug sein – und das sogar im Käfig und nicht nur während des Freiflugs.

Beim Spielen wickeln sich die Vögel mitunter in die Fäden ein und diese können sich um den Hals der Tiere legen. Versucht ein auf diese Weise gefangener Vogel zu entkommen, zieht sich die Schlinge zu und der Vogel erhängt sich. Oder aber die Fasern wickeln sich um Gliedmaßen wie Füße oder Zehen und schnüren diese ab. Die mangelnde Blutzufuhr kann rasch zum Absterben der betroffenen Körperpartie führen. Oder aber das Tier versucht sich loszureißen und verletzt sich dabei. Typische Verletzungen, die durch Hängenbleiben in losen Fäden und damit verbundenen Befreiungsversuchen entstehen, sind Bänderrisse und sogar Knochenbrüche.

Ihre Vögel sollten weder im Käfig oder in der Voliere noch im Freiflugzimmer Zugang zu Gegenständen oder Spielzeugen mit losen, langen Fäden haben. Auch unter Aufsicht sollten Ihre Tiere damit lieber nicht spielen dürfen.


Andere Haustiere

Dieser Wellensittich wurde von einer Katze gebissen und so schwer verletzt, dass er operiert werden musste.
Dieser Wellensittich wurde von einer Katze gebissen und so schwer verletzt, dass er operiert werden musste.

Unterschätzen Sie niemals die Gefahren, die von der gemeinsamen Haltung von Katzen und Vögeln ausgehen. Ebenso können Hunde den Gefiederten gefährlich werden. Insbesondere beim Freiflug sollte es Hunden oder Katzen nicht erlauben, sich im selben Raum wie Vögel aufzuhalten. Ein flatternder Vogel weckt im sonst so friedlichen Stubentiger oder freundlichen Hund oft völlig unvermittelt den Jagdtrieb. Geschieht dies, dauert es meist nur Sekundenbruchteile, bis die Vierbeiner einen Vogel erwischen, der noch dazu wahrscheinlich gar nicht mit dem Angriff durch ein ihm vertrautes Tier rechnet. Auch dann, wenn die Katze oder der Hund „nur spielen“ möchte, können die Verletzungen beim Vogel so gravierend sein, dass er nicht überlebt. Bitte gehen Sie auch nicht davon aus, es würde genügend Schutz bieten, wenn Sie selbst anwesend sind. Falls Ihr Vierbeiner plötzlich einen fliegenden Vogel angreift, geschieht dies dermaßen schnell, dass Sie keine Chance haben, rettend einzugreifen.

Halten Sie sich also grundsätzlich vor Augen: Angriffe durch Hunde oder Katzen enden für etliche betroffene Vögel sofort tödlich. Stirbt ein Vogel nicht, ist die Wahrscheinlichkeit jedoch groß, dass er trotzdem schwere Verletzungen davongetragen hat, die dringend und umgehend durch einen erfahrenen Tierarzt behandelt werden müssen. Meist sind Operationen erforderlich – so wie in dem Beispiel, das hier als Foto gezeigt wird. Der Wellensittich ist zuvor von einer Katze gebissen worden, wodurch eine klaffende Wunde im Brust- und Bauchbereich entstanden ist.

Obwohl sie als harmlos gelten, können kleine Heimtiere wie Meerschweinchen für Vögel zur Gefahr werden.
Obwohl sie als harmlos gelten, können kleine Heimtiere wie Meerschweinchen für Vögel zur Gefahr werden.

Aquarien können ebenfalls zur tödlichen Falle für Vögel werden, siehe unter Ertrinken. Selbst von kleinen Nagetieren kann für Heimvögel wie Wellensittiche eine Gefahr ausgehen. Landet beispielsweise ein Vogel beim Freiflug auf dem Käfig eines Nagers, kann dieser aus Neugier oder Aggression in die Füße des Vogels beißen, was zu schweren Blutungen oder zum Verlust von Zehen und damit zu einer lebenslangen Behinderung führen kann. Wird aus demselben Futternapf gefressen, können kleine Säugetiere angriffslustig werden, wenn sie sich von Vögeln bei der Nahrungsaufnahme gestört fühlen. Sie können blitzschnell zubeißen, was für Vögel äußerst unangenehm sein kann.

Achtung: Im Speichel von Säugetieren (Hunde, Katzen, Nager etc.) befinden sich Bakterien, die den Säugern selbst normalerweise nichts ausmachen. Aber für einen Vogel können sie zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen, wenn sie in eine Wunde gelangen. Das heißt, nach einem Säugetierbiss besteht für einen Vogel häufig Lebensgefahr! Katzenspeichel enthält zum Beispiel sogenannte Pasteurellen. Gelangen diese in die Blutbahn eines Vogels und wird das Tier nicht schnellstmöglich mit einem Antibiotikum behandelt, kann im schlimmsten Fall eine Sepsis (Blutvergiftung) innerhalb von rund 24 bis 48 Stunden zum Tod führen. Der Speichel anderer Säugetiere kann im ungünstigsten Fall ebenfalls diese tödliche Wirkung entfalten. Deshalb sollten Säugetierbissverletzungen grundsätzlich sehr ernst genommen werden. Der betroffene Vogel ist umgehend einem vogelkundigen Tierarzt vorzustellen, damit der gefiederte Patient mit einem Antibiotikum behandelt werden kann. Das gilt auch dann, wenn die eigentliche Wunde sehr klein ist.

Lesetipps
WP-Magazin 1/2019In der Ausgabe 1/2019 der Zeitschrift WP-Magazin hat die Vogel-Tierärztin Dr. Mandy Carnarius den sehr lesenswerten Beitrag „Akute Verletzungen bei Papageien – Gefahr von Bisswunden durch Hunde, Katzen und Wildtiere“ veröffentlicht. Das Magazin können Sie beim Verlag nachbestellen.

Darüber hinaus gibt es eine sehr lesenswerte Pressemitteilung des Vereins der Wellensittich-Freunde Deutschlands e. V. (VWFD): „Tierische Freundschaft“? Warum Hunde und Katzen für Wellensittiche gefährlich sein können.


Entfliegen

Einen entflogenen Wellensittich draußen einzufangen, gelingt meist nur mit einem Lockmittel. © Andreas Lischka/Pixabay
Einen entflogenen Wellensittich draußen einzufangen, gelingt meist nur mit einem Lockmittel. © Andreas Lischka/Pixabay

„Ich öffne das Fenster doch nur einen winzig kleinen Spalt breit, da wird schon nichts passieren!“ – Dass diese Annahme oftmals einem fatalen Irrtum entspricht, ist bedauerlicherweise manchen Tierhalter nicht bewusst. Der normalerweise eher träge Vogel spürt einen Windhauch, wird neugierig – und ist schneller aus dem Fenster geflogen, als man hinterherschauen kann. Zudem ist es erstaunlich, durch welch schmale Öffnung sich ein neugieriger Vogel zwängen kann, das gilt vor allem für kleine Tiere wie Wellensittiche. Man sollte den Entdeckerdrang der Gefiederten grundsätzlich niemals unterschätzen!

Geöffnete Balkontüren, vor denen ein leichter Vorhang weht, stellen gewissermaßen eine Einladung für den „ganz großen Freiflug“ jenseits der menschlichen Behausung dar. Ich konnte in der Vergangenheit immer wieder einige meiner Vögel dabei beobachten, wie sie in einer Gardine gelandet und zu deren seitlichem Rand geklettert sind, um neugierig dahinter zu schauen. Landet ein Vogel in einem Vorhang vor einer geöffneten Balkontür, kann er sehr leicht dahinter klettern und von dort aus direkt ins Freie durchstarten.

Es tut den Tieren gut, wenn sie direkte Sonnenstrahlung erhalten, weil sie die UVB-Strahlung zur körpereigenen Herstellung von Vitaminen benötigen. Den Vögeln regelmäßig ein Sonnenbad zu ermöglichen, ist deshalb grundsätzlich eine gute Idee. Nehmen Sie Ihre Vögel beispielsweise im Käfig oder in der Voliere mit auf den Balkon beziehungsweise in den Garten, sollten Sie zur Sicherheit ein Vorhängeschloss am Türchen befestigen. Sichern Sie außerdem Badehäuschen und Napfhalterungen aus Kunststoff. Die Vögel könnten diese aushebeln und durch die so entstehenden Öffnungen entkommen. Das folgende Video zeigt eindrucksvoll, wie leicht manche Wellensittiche die Napfbefestigungen, wie sie in vielen gängigen Vogelkäfigen zu finden sind, austricksen und dadurch aus dem an sich verschlossenen Käfig entkommen können. Geschieht dies bei geöffnetem Fenster oder gar im Freien, ist die Gefahr groß, dass die Vögel entfliegen.

Und noch etwas ist wichtig, wenn Sie Ihre Vögel im Käfig mit nach draußen nehmen: Außerhalb von Häusern gibt es Geräusche und andere Sinneseindrücke, die für Heimvögel neu und erschreckend sein können. Wilde einheimische Vögel hoch oben am Himmel können Ihre gefiederten Schützlinge verängstigen, wodurch sie wild zu flattern beginnen. Dabei kann das Türchen des Käfigs aufspringen und Ihre Vögel könnten nur allzu leicht entwischen.

Bitte lassen Sie den Käfig außerhalb geschlossener Räume außerdem nicht unbeaufsichtigt, da eine Katze aus der Nachbarschaft über das neue „Spielzeug“ in ihrem Revier vermutlich regelrecht entzückt sein dürfte. Springt eine Katze an einem Käfig hoch, könnte sie ihn zu Fall bringen, wodurch wiederum das Türchen aufspringen könnte. Abgesehen davon, dass die Katze Ihre Vögel verletzen könnte, ist auch ein eventueller Sturz gefährlich; ebenso wie das Entfliegen, falls nach dem Aufprall auf dem Boden die Tür geöffnet ist.

Lesetipp
Ausführliche Informationen zum Thema Entfliegen finden Sie hier.

Erschrecken

Dieser Wellensittich hat Angst - seine Pupillen sind verengt und er ist vor Schreck wie erstarrt.
Dieser Wellensittich hat Angst – seine Pupillen sind verengt und er ist vor Schreck wie erstarrt.

Vögel sind in manchen Situationen recht schreckhaft, was äußerst unschöne Konsequenzen haben kann: Besonders zartbesaitete Tiere erleiden in einer beängstigenden Situation eventuell einen tödlichen Schreck, weil ihr Herz-Kreislauf-System die Aufregung nicht verkraftet. Sie sterben von jetzt auf gleich, ohne dass Hilfe möglich wäre. Oder ein Vogel erschrickt, flattert im Käfig oder in der Voliere beziehungsweise im Freiflugzimmer in seiner Panik wild herum und zieht sich Knochenbrüche zu. Im schlimmsten Fall kann dies ein Genickbruch sein, der den sofortigen Tod des Vogels zur Folge hat.

Mögliche Auslöser für solches Erschrecken gibt es viele. Viele Vögel reagieren überaus empfindlich auf plötzliche Geräusche, die nicht einmal sonderlich laut sein müssen. Ein Vogel meiner Eltern erschrak beispielsweise, sobald er die schrillen Töne hörte, die jene akustischen Geburtstags-Grußkarten von sich geben, wenn sie ein Liedchen plärren. Dadurch endete eine Geburtstagsfeier einmal fast in einer Katastrophe, der Vogel schien kurz vor einem angstbedingten Kreislaufkollaps zu stehen.

An der Zimmerdecke entlang wandernde Lichter versetzen viele Vögel ebenfalls in Todesangst. Bitte lassen Sie nie den Schein einer Taschenlampe oder die Reflexion des Sonnenlichts (entsteht beispielsweise durch Spiegelungen an Armbanduhren) über Ihren Vögeln an der Decke entlang wandern. Die Tiere könnten dies für einen über ihnen kreisenden Fressfeind (= Greifvogel) halten, so merkwürdig dies vielleicht auch klingen mag. Ein unvorhergesehener Lichteinfall (die Vögel sitzen im Dunkeln und Sie schalten das Licht ein) kann die Tiere ebenso erschrecken.

Sogar das plötzliche Betreten des Raumes, in dem sich Ihre Vögel aufhalten, kann für die Tiere mit einem Schreck verbunden sein. Wenn ein Mensch laut sprechend und schnell gehend eintritt, wirkt das auf ängstliche Vögel äußerst bedrohlich und sie reagieren mit heftigem Erschrecken.


Ersticken

Lassen Sie grundsätzlich niemals Plastiktüten oder -folien dort herumliegen, wo sich Ihre Vögel aufhalten. Die Neugier verleitet die Gefiederten oft dazu, sich das vermeintliche Spielzeug aus der Nähe anzuschauen. Falls sie hinein krabbeln, besteht akute Erstickungsgefahr. Auch das Schlucken von Plastikfolie kann zum Ersticken führen, wenn sich ein Knäuel im Hals entfaltet und vor die Luftröhre schiebt.


Ertrinken

Der Putzeimer ist zu verlockend für die beiden Vögel - sie könnten hineinstürzen und im Putzwasser ertrinken.
Der Putzeimer ist zu verlockend für die beiden Vögel – sie könnten hineinstürzen und im Putzwasser ertrinken.

Weil viele Heimvögel ausgesprochen neugierige Zeitgenossen sind, untersuchen sie gern beispielsweise Trinkgläser. Setzen sie sich auf den Rand, können sie bei ihren Trinkversuchen leicht das Gleichgewicht verlieren und mit dem Kopf voran in die Flüssigkeit stürzen. Aus engen Gläsern gibt es kein Entkommen, die Vögel ertrinken innerhalb kürzester Zeit.

Ein geöffnetes WC im Badezimmer stellt eine weitere Gefahrenquelle dar. Darüber hinaus kann sämtliches Putz- und Spülwasser zur tödlichen Falle werden. Der Schaum auf dem Wasser sieht wie eine feste Oberfläche aus, von der die Vögel annehmen, darauf landen zu können. Zwar gehen sie meist nicht sofort unter, sondern versuchen, sich mit ausgebreiteten Flügeln an der Wasseroberfläche zu halten. Lange geht das jedoch nicht gut. Aus einem Putzeimer oder Spülbecken können sie sich nicht aus eigener Kraft befreien, wenn sie einmal durchnässt sind – und das Federkleid wird sehr schnell nass, wenn sich in dem Wasser Seife oder Putzmittel befinden. Hinzu kommt, dass das Spül- oder Putzwasser oft auch sehr heiß ist, was eine weitere Gefahr darstellt.

Auch Blumenvasen und vor allem Gießkannen sollten Sie nicht in der Reichweite Ihrer Vögel stehen lassen. Aquarien sollten Sie stets mit einem Deckel versehen. Ich habe selbst als Kind meinen Wellensittich Pünktchen aus seiner „Seenot“ retten müssen, als der Vogel meinte, meine Goldfische unbedingt aus nächster Nähe betrachten zu müssen. Zwar haben meine Eltern und ich immer darauf geachtet, das Aquarium mit einem Deckel zu verschließen, um solche Unfälle zu verhindern. Doch einmal hat der Deckel nicht ganz fest aufgelegen und der Wellensittich konnte ihn ein Stück weit zur Seite schieben. Wäre ich nicht durch Zufall gerade in den Raum getreten, hätte ich den Vogel wohl nicht mehr retten können …


Feststecken

Papageien und Sittiche sind beliebte Heimvögel. Als Höhlenbrüter sind sind diese Tiere auch in Menschenobhut oft auf der Suche nach geeigneten Brutplätzen. Dabei sind es meist die Weibchen, die sich in alle erdenklichen Spalten zwängen. Aber auch so manches Männchen quetscht sich gern in dunkle Ecken und Höhlen. Das kann den Vögeln beim Freiflug schnell zum Verhängnis werden, falls sie irgendwo stecken bleiben und der Halter sie nicht rechtzeitig findet. Es kann beispielsweise geschehen, dass Vögel hinter Schränke stürzen, weil sie dort eine große Bruthöhle vermuten. Mancher Halter entdeckt seinen verunglückten Vogel dort erst, wenn es für diesen längst zu spät ist. Am besten verschließen Sie sämtliche Hohlräume und Spalten, in die Ihre Vögel krabbeln oder stürzen könnten. Aber auch an anderen Stellen können sie in Not geraten, wenn sie beispielsweise zwischen verrutschten Büchern festgeklemmt sind. Sehr häufig kommt es zudem vor, dass Vögel hinter Heizkörper stürzen, wenn sich zwischen diesen und der dahinter liegenden Wand ein kleiner Spalt befindet. Ist die Heizung eingeschaltet, überleben die eingeklemmten Vögel wegen der großen Hitze meist allenfalls wenige Minuten und erleiden währenddessen bei vollem Bewusstsein schwere Verbrennungen.

Viele Vögel zwängen sich gern in schmale Zwischenräume und bleiben dann unter Umständen stecken.
Viele Vögel zwängen sich gern in schmale Zwischenräume und bleiben dann unter Umständen stecken.

Doch selbst dann, wenn Vögel an einer Stelle stecken bleiben, die nicht heiß ist, kann dies extrem gefährlich für sie werden. Verrutschen zum Beispiel mehrere CDs oder Bücher, zwischen die sich ein Vogel gezwängt hat, wird er möglicherweise so stark eingequetscht, dass sich sein Brustkorb nicht mehr ausreichend weiten kann – das Tier erstickt qualvoll. Oder aber die Vögel bemerken ihre Notlage, versuchen sich zu befreien und geraten in Panik, weil dies nicht gelingt. Diese Aufregung allein kann schon ausreichen, um zu einem Herzstillstand zu führen. Bei den verzweifelten Befreiungsversuchen entstehen zudem oftmals Verletzungen wie Knochenbrüche oder Zerrungen. Falls ein Vogel über längere Zeit feststeckt und vom Halter nicht gefunden wird, drohen zudem Austrocknung (Dehydrierung) und Entkräftung durch Nahrungsmangel.

Steckt ein Vogelweibchen fest und sieht dies eine Artgenossin, die gerade mit dem verunglückten Vogel um einen Nistplatz konkurriert, kann es zu massiven Angriffen kommen. Der eingeklemmte und wehrlose Vogel kann sich nicht wehren und könnte im ungünstigsten Fall von seinem Kontrahenten tot gebissen werden.

Ein Hilfsmittel zum Servieren von Salat kann für kleine Heimvögel, die hineinklettern, rasch zur Gefahr werden, wenn die Vögel darin steckenbleiben.
Ein Hilfsmittel zum Servieren von Salat kann für kleine Heimvögel, die hineinklettern, rasch zur Gefahr werden, wenn die Vögel darin steckenbleiben.

Mitunter werden den Vögeln Gegenstände zum Verhängnis, denen man ihr Gefahrenpotenzial nicht ansieht und die als Zubehör für Tiere im Zoofachhandel verkauft werden. Ein Beispiel dafür sind sind sogenannte Futterbälle oder Salatkugeln. Sie sollen dazu dienen, den Tieren Frischkost wie Salatblätter auf möglichst bequeme Weise anbieten zu können. Hergestellt sind sie aus Edelstahl, was eine gründliche Reinigung sicherstellt, ohne dass die Kugeln rosten. An die Wahrung der größtmöglichen Futterhygiene wurde hier also gedacht. Daran gibt es also nichts auszusetzen.

Prinzipiell ist die Konstruktion zudem recht clever, weil sie leicht zu bedienen ist. Aber leider ist sie für kleine Vogelarten wie Wellensittiche alles andere als unfallsicher, wie die Vogelhalterin Elke Roos erleben musste: „Meine Wellensittiche fanden die Kugel sehr interessant. Durch die vergrößerte Öffnung an der oberen Seite (Einfüllöffnung) ist mein Jamy dann allerdings innen in der Kugel gelandet und kam allein nicht mehr raus.“

Problematisch ist, dass die Vögel sich so sehr verkeilen können, dass ihre Federn umknicken und sie sich dann nicht mehr selbst befreien können, ohne dass sie Schmerzen empfinden. Oder aber Gliedmaßen rutschen zwischen die Streben der Kugel und weil sich die Vögel bewegen, können sie sich selbst Quetschungen zufügen, wenn beispielsweise ein Bein oder ein Flügel feststeckt und in einen schmalen Bereich zwischen den Streben geschoben wird.

So übel hatte sich der arme Wellensittich in der Futterspirale verkeilt.
So übel hatte sich der arme Wellensittich in der Futterspirale verkeilt.

Ähnlich verhält es sich mit spiralförmigen Hirse- und Frischkosthaltern aus Edelstahl, die für kleine Vögel wie Wellensittiche extrem gefährlich werden können. Der auf dem Foto in der Nähe dieses Absatzes gezeigte Wellensittich konnte zum Glück von seinen Haltern unverletzt aus seiner misslichen Lage befreit werden.

Hieraus lässt sich lernen, dass auch Tierzubehör, das im Handel tausendfach angeboten und verkauft wird, nicht immer sicher ist. Bevor Sie Ihren Vögeln Spielzeuge oder Zubehör anbieten beziehungsweise die Tiere in einem Zimmer frei fliegen lassen, schauen Sie alles kritisch an und versuchen Sie sich in einen Vogel hineinzuversetzen, der Bruthöhlen suchen könnte. Alles, was auch nur ansatzweise nach einer solchen Nistmöglichkeit aussieht, sollten Sie entfernen oder so verändern, dass die Vögel nicht hineinkriechen und darin stecken bleiben können.


Hängenbleiben

Vor allem mit den Krallen, aber mitunter auch mit den Zehen können Vögel an verschiedenen Gegenständen hängen bleiben. Sehr groß ist die Gefahr, die von locker gewebten Stoffen wie Gardinen oder von Materialien mit Schlingen (Teppiche, Handtücher) ausgehen. Abschnürungen, Schnittwunden oder Zerrungen können die Folge sein, wenn sich ein Vogel (vergeblich) selbst zu befreien versucht. Es hat sogar schon Fälle gegeben, in denen sich Vögel selbst Zehen oder gar einen Fuß abgebissen haben, um sich selbst zu befreien.


Klebenbleiben

Insektenfallen wie diese Klebtafel zum Fangen von Lebensmittelmotten können das Gefieder eines Vogels massiv verkleben.
Insektenfallen wie diese Klebtafel zum Fangen von Lebensmittelmotten können das Gefieder eines Vogels massiv verkleben.

Zwar sind klebende Fliegenfänger heute bei weitem nicht mehr so populär wie noch vor einigen Jahren, aber sie kommen in machen Haushalten nach wie vor zum Einsatz. Außerdem verwenden viele Menschen zur Bekämpfung von Schädlingen an Zierpflanzen klebende Farbtafeln (Gelbsticker) oder stellen zum Fangen von Lebensmittel- beziehungsweise Kleidermotten klebende Pheromonfallen auf. An solchen selbstklebenden Insektenfängern können auch Vögel während des Freiflugs haften bleiben. Das ist für sie in unterschiedlicher Hinsicht problematisch. Einerseits verklebt das Gefieder und lässt sich kaum mehr reinigen, andererseits könnte es sein, dass die Vögel in Panik geraten und dadurch einen Herzstillstand erleiden.

Lesetipp
Wie aufwändig und kompliziert es ist, einen Vogel nach dem Kontakt mit einem klebrigen Insektenfänger wieder zu reinigen, beschreibt der Erfahrungsbericht von Sandra Hencl.

Kollisionen (gegen ein Hindernis prallen)

Dieser Wellensittich hat einen Schnabelbruch erlitten, von dem der Oberschnabel betroffen ist.
Dieser Wellensittich hat einen Schnabelbruch erlitten, von dem der Oberschnabel betroffen ist.

Eine große Gefahr für Heimvögel stellen unter anderem Spiegel, Fensterscheiben und andere Glasflächen dar. Zwar mag ein Vogel normalerweise an die unsichtbare Barriere gewöhnt sein. In einer Paniksituation aber könnte der Fluchtinstinkt siegen, was den Vogel unter Umständen dazu veranlasst, gegen das Glas zu fliegen. Nicht immer geht ein solcher Zusammenstoß glimpflich aus.

Im ungünstigsten Fall bricht er sich das Genick und ist auf der Stelle tot. Aber es kann ebenso zu schweren Blutungen der Nase, zu stark blutenden Platzwunden am Kopf, zu Gehirnerschütterungen und Knochenbrüchen kommen. Eine weitere Form potenziell lebensgefährlicher Verletzungen ist der Bruch des Schnabelhorns. Ein solcher Schnabelbruch ist deshalb so gefährlich, weil hiervon betroffene Vögel meist mehr oder minder stark in ihrer Fähigkeit der eigenständigen Nahrungsaufnahme eingeschränkt sind. Das heißt: Ist ein großer Teil des Schnabels abgebrochen, können viele davon betroffene Vögel nicht mehr fressen und verhungern qualvoll, wenn ihnen nicht fachkundig geholfen wird. Hinzu kommt, dass eine Verletzung des Schnabels in aller Regel mit einem mehr oder minder starken Blutverlust verbunden ist.

Es ist kaum möglich, Kollisionsunfälle vollständig zu verhindern, denn Vögel können in großer Panik beispielsweise auch gegen eine Wand fliegen – und Wände lassen sich nur schwer entfernen. Glasscheiben und Spiegel können hingegen für die Vögel abgesichert werden. Dafür stehen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Spiegel können während des Freiflugs der Vögel mit Tüchern verhängt werden. Wie sich Fensterscheiben sicherer gestalten lassen, können Sie in einem umfangreichen Kapitel über dieses Thema nachlesen.


Quetschungen

Der Zeh dieses Wellensittichs ist nach einem Bruch schief zusammengewachsen.
Der Zeh dieses Wellensittichs ist nach einem Bruch schief zusammengewachsen.

Achten Sie immer darauf, ob einer Ihrer Vögel auf einer Tür sitzt, bevor Sie diese schließen. Klemmen Sie versehentlich einen Vogelfuß ein, führt das in den „harmlosesten“ Fällen zu Quetschungen. Im schlimmsten Fall verliert das betroffene Tier seine Zehen und mit ihnen viel Blut. Infolge einer solchen Quetschung der Zehen kann es zu Verletzungen der Haut, der Sehnen und der Knochen kommen. Wenn die Knochen brechen, heilen sie unter Umständen schief zusammen, was eine lebenslange körperliche Einschränkung für die Tiere bedeutet.

Auch sollten Türen stets langsam geschlossen werden, weil ein Vogel eventuell hindurch fliegt, um Ihnen zu folgen. Geschieht dies während man eine Tür schnell schließt, kann der Vogel zwischen Tür und Rahmen geraten – eine tödliche Quetschung oder gar Zerteilung des Vogels kann die Folge sein. Wie real diese Gefahr ist, zeigt der Beitrag über Murkels Unfalltod. Das Schwarzköpfchen war leider zur falschen Zeit am falschen Ort, als eine Tür schnell geschlossen wurde.

Halten sich Vögel häufig am Boden auf, besteht die Gefahr, dass sie vom Menschen versehentlich zertreten werden.
Halten sich Vögel häufig am Boden auf, besteht die Gefahr, dass sie vom Menschen versehentlich zertreten werden.

Nicht nur von Türen geht für Vögel die Gefahr einer (tödlichen) Quetschung aus. Manche Heimvögel laufen mit Vorliebe über den Fußboden. Hierbei besteht die Gefahr, dass versehentlich auf sie getreten wird – häufig endet dies sofort tödlich für die gefiederten Unfallopfer. Besonders groß ist diese Gefahr für flugunfähige Vögel.

Große Vorsicht ist überdies bei kleinen Kindern geboten. Sie wollen einen zahmen Vogel sicher nur streicheln, und das Tier ist womöglich mit ihnen vertraut und hat keine Angst. Allerdings können kleine Kinder ihre Kraft noch nicht richtig dosieren, und wenn sie bei einem zierlichen Vogel zu fest zupacken, können sie ihm schwere oder gar tödliche Verletzungen zufügen. Auf diese Weise verlor einer meiner Goldfische in einem unbeaufsichtigten Moment sein Leben. Ein damals noch sehr junger Verwandter wollte den niedlichen Schleierschwanz im Aquarium eigentlich nur streicheln …

Lesetipp
Mehr zum Thema „Wellensittiche und Kinder“ finden Sie hier.

Schlechte Raumluft

Vor allem im Winter ist die Raumluft nicht immer von bester Qualität. Trockene Heizungsluft setzt den Schleimhäuten der Vogel genauso wie denen der Menschen zu. Wie Sie das Raumklima verbessern können, entnehmen Sie bitte dem gleichnamigen Kapitel. Denken Sie daran, sich und den Vögeln stets ausreichend Frischluft zuzuführen. Lüften Sie regelmäßig, sonst leidet das Immunsystem Ihrer Haustiere ebenso wie Ihr eigenes.


Stromschlag

An manchen Stellen in der Wohnung kann es zu einem folgenschweren Unfall kommen, wenn sich Vögel durch ihre Neugier einen Stromschlag zuziehen. Wer beispielsweise Kronleuchter einer bestimmten Bauart unter der Zimmerdecke befestigt hat und darin einige Lampen fehlen, dann könnte sich ein Vogel beim Klettern durch das Erzeugen eines Kurzschlusses einen (tödlichen) elektrischen Schlag zuziehen. Auch das Benagen von Kabeln (beispielsweise an Lampen oder Elektrogeräten wie Computern) kann tödliche Folgen nach sich ziehen.

In der Weihnachtszeit stellen Lichterketten eine besonders große Gefahr dar, denn deren Kabel können sogar von kleinen Vögeln wie zum Beispiel Wellensittichen problemlos durchgenagt werden. Mehr über Gefahren für Vögel in der Advents- und Weihnachtszeit erfahren Sie hier.


Verbrennungen

Der Herd ist für Vögel sehr gefährlich, weil Verbrennungsgefahr droht.
Der Herd ist für Vögel sehr gefährlich, weil Verbrennungsgefahr droht.

Offene Kamine und Kerzenflammen können für Vögel leicht zur tödlichen Gefahr werden, weshalb sie keinen Freiflug in einem Raum mit Kerzen oder Kaminen erhalten sollten. Geschlossene Kamine können sehr heiß werden, weshalb Vögel auf ihnen nicht landen sollten – Freiflug im selben Raum fällt damit aus. Auch eine Landung auf einer heißen Herdplatte würde ein Vogel mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überleben. Heiße Dunstschwaden in der Küche verbrennen dem Tier beim Einatmen die Lunge. Große Gefahr geht darüber hinaus von heißem Öl aus. Offene Töpfe sind eine sehr ernst zu nehmende Gefahrenquelle, denn ein neugieriger Vogel könnte auf dem Rand landen und in heiße Flüssigkeiten (Suppen) oder Speisen stürzen. Auch die Landung auf einem heißen Deckel eines Topfes kann zu erheblichen Verbrennungen führen. Wer seinen Backofen benutzt und ihn offen stehen lässt, solange er noch heiß ist, bringt Vögel ebenfalls in Gefahr. Falls die Tiere auf der Ofentür landen, besteht ein großes Verbrennungsrisiko.

An den vielen kleinen scharfen Kanten und Ritzen von Halogen-Deckenflutern können sich Vögel an den Füßen verletzen; eingeschaltete Lampen werden zudem extrem heiß, weshalb Verbrennungsgefahr für Vögel besteht.
An den vielen kleinen scharfen Kanten und Ritzen von Halogen-Deckenflutern können sich Vögel an den Füßen verletzen; eingeschaltete Lampen werden zudem extrem heiß, weshalb Verbrennungsgefahr für Vögel besteht.

Halogen-Deckenfluter, wie sie in manchen Haushalten als Stehlampen zu finden sind, verleiten oft Vögel dazu, auf ihnen zu landen. Manche Tiere lassen sich durch die enorme Helligkeit der Lampen abschrecken, andere jedoch nicht. Sie sind fasziniert von der Lichtquelle und wollen auf ihr landen – mit fatalen Folgen. Das Gefieder kann bei Kontakt mit einer heißen Halogenlampe Feuer fangen. Berührt ein Vogel mit den Füßen die Lampe, brennt die Haut sofort an ihr fest. Die Tiere von der Lampe zu lösen, ist dann oft sehr schwierig und durchleben Höllenqualen, solange sie überhaupt noch leben. Meist sind die Verbrennungen dermaßen schwer, dass die Tiere innerhalb weniger Minuten sterben. Aber diese Zeit ist sicher unerträglich lang, während sie an der Lampe buchstäblich festgebacken sind …

Von Heizkörpern geht generell eine Gefahr für Vögel aus, wenn sie darauf landen oder gar hinter sie fallen können. Steckt ein Vogel zwischen Heizkörper und Wand fest, während geheizt wird, erleidet das Tier innerhalb kürzester Zeit schwere Verbrennungen und stirbt daran mit hoher Wahrscheinlichkeit.

Bügeleisen, die noch heiß sind, können bei Vögeln zu schweren Verbrennungen führen.
Bügeleisen, die noch heiß sind, können bei Vögeln zu schweren Verbrennungen führen.

Lassen Sie außerdem niemals ein abkühlendes Bügeleisen oder Waffeleisen in der Reichweite Ihrer Vögel stehen. Die Vögel sehen in diesem Gerät keinerlei Gefahr und könnten sich daher schlimmste Verbrennungen zuziehen. Dasselbe gilt für Toaster, Sandwich-Maker und Ähnliches sowie für Haar-Glätteisen, Lötkolben und alle anderen Geräte, die während des Betriebs sehr heiß werden.

Sie sollten Ihre Vögel keinesfalls praller Sonne aussetzen, ohne den Tieren die Möglichkeit zu bieten, sich an einen schattigen Platz zurückziehen zu können. Es kann sonst nur allzu leicht geschehen, dass die Vögel einen Hitzschlag erleiden.


Vergiftungen

Die Fugen von Tiffanylampen enthalten Blei, das von Vögeln häufig aufgenommen wird, weiß es süßlich schmeckt - und dann zu schweren Vergiftungen führt. © avantrend/Pixabay
Die Fugen von Tiffanylampen enthalten Blei, das von Vögeln häufig aufgenommen wird, weiß es süßlich schmeckt – und dann zu schweren Vergiftungen führt. © avantrend/Pixabay

Entfernen Sie in den Freiflugzimmern Ihrer Vögel zur Vorsicht alle Bleibänder aus den Gardinen/Vorhängen. Knabbert ein Vogel an solchen Bändern, ist die Wirkung in den meisten Fällen tödlich, wenn auch oft nicht sofort. Denn Bleivergiftungen entwickeln sich mitunter auch in einer chronischen, schleichenden Form. Leider werden immer wieder Tiffany-Schmuckgegenstände im Haus gehaltenen Vögeln zum tödlichen Verhängnis, weil dieser Zimmerschmuck im Fugenmaterial hohe Bleimengen enthält. Das Tückische an Blei ist: Es schmeckt süßlich, weshalb Vögel es besonders gern anknabbern.

Auch an Alkohol, Klebstoff, Tinte, Kugelschreiber- und Filzstiftminen sowie Blumendünger, Insektenspray, Duftlampen und -öle sowie Reinigungsmittel sollten Heimvögel nicht gelangen können sowie nicht über die Raumluft damit in Kontakt kommen.

An dieser Feder eines Wellensittichs haften Rückstände von Zigarettenrauch, was an der bräunlich-gelblichen Verfärbung zu sehen ist; diese Ablagerungen sind für Vögel giftig.
An dieser Feder eines Wellensittichs haften Rückstände von Zigarettenrauch, was an der bräunlich-gelblichen Verfärbung zu sehen ist; diese Ablagerungen sind für Vögel giftig.

Ebenso sollte es sich von selbst verstehen, dass Sie Ihre Tiere keinerlei Abgasen oder anderweitigen Dämpfen aussetzen. Besonders gefährlich sind Zigarettenstummel in Aschenbechern. Knabbern Vögel daran, besteht akute Vergiftungsgefahr. Zigarettenrauch ist für die Tiere ebenfalls hochgradig gesundheitsschädlich, weil sie ein besonders effizient arbeitendes Atmungssystem haben und deshalb große Mengen der Rauchbestandteile in ihren Organismus gelangen. Nikotin bzw. Zigarettenrauch kann Vögel vergiften oder zu sehr schweren Erkrankungen der Lunge führen. Es sollte deshalb striktes Rauchverbot in der Nähe von Vögeln gelten. Denn abgesehen davon, dass die Vögel den Rauch einatmen und er ihre empfindliches Atmungssystem schädigen kann, besteht Vergiftungsgefahr durch über das Gefieder aufgenommenen „kalten Rauch“, der sich auf den Tieren abgesetzt hat. Zu diesem Thema gibt es auch einen Podcast von Ann Castro.

Wenn anti-haftbeschichtete Pfannen überhitzen, können ihre Ausdünstungen bei Vögeln eine tödliche Vergiftung hervorrufen. © tookapic/Pixabay
Wenn anti-haftbeschichtete Pfannen überhitzen, können ihre Ausdünstungen bei Vögeln eine tödliche Vergiftung hervorrufen. © tookapic/Pixabay

Durch eine E-Mail erfuhr ich vom traurigen Tod eines Wellensittichs, der an einer Vergiftung verursacht durch eine Antihaftbeschichtung gestorben ist. Seine Halter hatten eine Pfanne auf dem eingeschalteten Herd vergessen und sie heizte sich stark auf. Als die Halter einen seltsamen Geruch wahrnahmen, litt Ihr Vogel bereits an Krämpfen. Selbst frische Luft konnte ihm nicht mehr helfen, der Sittich starb unter größten Qualen. Die Ausdünstungen überhitzter Anti-Haftbeschichtungen lösen im Falle einer akuten Vergiftung bei Vögeln vor allem Blutungen der Atmungsorgane aus, weshalb manchen Tieren kurz vor dem Tod Blut aus dem Schnabel läuft. Problematisch ist, dass wenn es zu einer solchen Vergiftung gekommen ist, meist keine Hilfe mehr möglich ist. Es gibt keine Gegenmittel, die den Vögeln verabreicht werden könnten. Seien Sie also vorsichtig mit antihaftbeschichteten Pfannen oder ähnlichen Koch- beziehungsweise Backutensilien. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie auch hier.

Große Gefahr geht von einigen Zimmerpflanzen aus. Etliche beliebte Pflanzenarten, die im Haus gepflegt werden, sind für Vögel giftig. Benagt ein Vogel eine solche Pflanze, kann dies im schlimmsten Fall tödliche Folgen haben. Eine umfangreiche Liste giftiger Pflanzen finden Sie hier. So manche an sich ungiftige Pflanze kann für Vögel zum Gesundheitsrisiko werden, wenn sie mit einem Insektizid behandelt worden ist. Frisst ein Vogel etwas von einer solchen Pflanze, nimmt er auch das Insektizid auf – oft mit fatalen Folgen.

Wellensittichweibchen Tabea nach ausgiebigem Wühlen in Blumenerde.
Wellensittichweibchen Tabea nach ausgiebigem Wühlen in Blumenerde.

Doch damit nicht genug, sogar die Blumenerde kann ein Risiko bergen. Mitunter wuchert auf der Erde ein leichter Schimmelrasen. Wühlt ein Vogel in einem Blumentopf in der verschimmelten Erde und schluckt er etwas davon, kann er sich an dem Schimmel vergiften. Zudem besteht die Gefahr, dass das Tier Schimmelsporen einatmet und sich dadurch eine Schimmelpilzinfektion der Atemwege, eine sogenannte Aspergillose, zuzieht. Manche Düngemittel, die in Blumenerde enthalten sind, können für Vögel ebenfalls problematisch sein; davon ausgenommen sind die meisten gängigen Flüssig-Mineralstoffdünger. Deshalb ist dringend darauf zu achten, dass die Blumenerde grundsätzlich nicht verschimmelt oder mit potenziell giftigen Düngemitteln behandelt sein sollte, denn ein neugieriger Vogel könnte irgendwann auf die Idee kommen, die Erde zu durchwühlen. Abschließend sei hierzu noch angemerkt, dass entgegen häufig im Internet zu lesender anderer Aussagen Blumenerde an sich nicht grundsätzlich giftig ist.

Lesetipp
Die Gesundheitsrubrik von Birds-online.de enthält Hinweise zum Thema Vergiftungen und gibt Tipps, was im Notfall zu tun ist. Um dorthin zu gelangen, klicken Sie bitte hier.

Verstecken in Möbeln und Küchengeräten

Eine geöffnete Spülmaschine kann für Vögel unwiderstehlich sein, weil darin so viel glänzt und glitzert. © PhotoMIX-Company/Pixabay
Eine geöffnete Spülmaschine kann für Vögel unwiderstehlich sein, weil darin so viel glänzt und glitzert. © PhotoMIX-Company/Pixabay

Vögel, die frei durch eine Wohnung fliegen, erkunden mitunter die unmöglichsten Orte und Verstecke. Zum Beispiel Schranktüren, die nur einen Spalt breit geöffnet sind, laden ebenso wie halb geöffnete Schubladen so manchen Vogel zu Entdeckungstouren ein. Wird das Möbelstück dann gänzlich geschlossen, kann es geschehen, dass der Vogel unbemerkt bleibt und gefangen ist. Im ungünstigsten Fall kann er in seinem „Gefängnis“ verhungern oder verdursten, sofern er nicht mehr rechtzeitig gefunden wird.

Sehr gefährlich sind Wasch- und Spülmaschinen, deren Klappe zum Trocknen einen Spalt breit geöffnet ist. Ebenso verhält es sich mit Wäschetrocknern, deren Tür zum Lüften geöffnet bleibt. Die Vogelhalterin Verena Schlögel berichtete mir zu diesem Thema: „Ich hatte vor ein paar Jahren zwei Wellis, und einer, Micki, hatte immer den Tick, sich in die Spülmaschine zu setzen, weil die innen so schön verspiegelt war … Die beiden durften nämlich immer überall rumfliegen. Das wäre aber beinahe mal ganz schön schiefgegangen, als Micki drinnen saß und meine Mutter die Spülmaschine eingeschalten hat … Irgendwie hatte sie aber so eine Intuition und hat nach ein paar Minuten noch mal nachgeschaut. Ich bin so richtig zu Tode erschrocken, als mein Vogel da raus kam.“


Wildtiere

Unter bestimmten Umständen können Wildtiere wie Marder Heimvögeln gefährlich werden. © maxmann/Pixabay
Unter bestimmten Umständen können Wildtiere wie Marder Heimvögeln gefährlich werden. © maxmann/Pixabay

Heimvögel, die in ihrem Käfig oder in ihrer Voliere im Freien sind, können von Wildtieren attackiert und dabei verletzt oder gar getötet werden. Rabenvögel wie zum Beispiel Elstern sind ausgesprochen neugierig und landen unter Umständen auf Vogelkäfigen, wenn sie diese auf Terrassen erspähen. Dabei können sich die Ziervögel so sehr erschrecken, dass sie einen Herzstillstand erleiden. Durch einen Fluchtversuch, der in panisches Herumflattern im Käfig mündet, können sich die Vögel zudem schwere Verletzungen wie Knochenbrüche zuziehen.

Normalerweise halten sich unsere einheimischen vierbeinigen Beutegreifer wie zum Beispiel Marder tagsüber versteckt. In Zeiten großen Hungers kann es jedoch geschehen, dass am Tage im Käfig nach draußen gebrachte Heimvögel von einem hungrigen Wildtier durch das Gitter hindurch angegriffen werden.

Von stechenden Insekten wie zum Beispiel Wespen geht für Vögel meist keine Gefahr aus, und wenn, dann nur infolge einer Verkettung ungünstiger Umstände.
Von stechenden Insekten wie zum Beispiel Wespen geht für Vögel meist keine Gefahr aus, und wenn, dann nur infolge einer Verkettung ungünstiger Umstände.

Unter bestimmten Umständen können außerdem Wespen, Bienen und Hornissen für Vögel gefährlich sein. Das Hauptproblem ist hierbei, dass sie Vögel in Angst versetzen, was zu Panikflügen führen kann. Verstärkt wird die Angst der Vögel häufig dadurch, dass die Halter durch hektische Bewegungen versuchen, die Wespen oder Bienen zu verjagen – das versetzt die Vögel in größte Alarmbereitschaft. In sehr seltenen Fällen kann es geschehen, dass die Insekten einen Vogel stechen. Ein solcher Stich tut weh, ist aber meist nicht lebensbedrohlich.

Lediglich wenn ein Vogel sehr großes Pech hat und einen Wespen- oder Bienenstich am Hals erleidet, ist er in Gefahr. So erfuhr ich vor einigen Jahren von einem Wellensittich, der am Hals von einer Wespe gestochen worden ist und danach infolge der Schwellung sehr schnell erstickt ist, ohne dass man ihm hätte helfen können. Nun sollten Sie aber keine allzu große Angst um Ihre Vögel haben, denn solche sehr unglücklichen Umstände treten extrem selten auf. Im Normalfall geht von Wespen und Bienen keine allzu große Gefahr für Heimvögel aus.


Zugluft

Mit einer Kerze lässt sich überprüfen, ob am Käfigstandort Zugluft weht - dann flackern und zucken die Flammen. © picknickerlars/Pixabay
Mit einer Kerze lässt sich überprüfen, ob am Käfigstandort Zugluft weht – dann flackern und zucken die Flammen. © picknickerlars/Pixabay

Setzen Sie ihre Ziervögel niemals Zugluft aus, da sie sich dadurch im ungünstigsten Fall schwere Atemwegsinfektionen zuziehen könnten. Testen Sie mit einer Kerzenflamme oder einem Feuerzeug, ob der Standort des Käfigs zugluftfrei ist. Viele Vogelhalter gönnen ihren Vögeln einen hellen Platz am Fenster, der in den seltensten Fällen zuvor auf eventuell vorhandene Zugluft überprüft wird. Gegebenenfalls lassen sich undichte Fenster leicht reparieren.

Von Zugluft geht noch eine weitere, nicht zu unterschätzende Gefahr für in der Wohnung frei fliegende Vögel aus. Wenn ein Vogel beispielsweise auf einer Tür sitzt und sich diese aufgrund eines Luftzuges schließt, kann es zu schweren Verletzungen oder gar zum Tode kommen. Zerquetschte Zehen sind eine sehr häufige Verletzung bei Vögeln, die auf Türen saßen, die durch einen Luftzug plötzlich zugefallen sind.

Noch extremer ist der Fall, den mir eine Vogelhalterin vor einigen Jahren schilderte. Ihr Wellensittich hatte auf einer Tür gesessen, als sich diese durch einen Luftzug zu schließen begann. Der Vogel erkannte die Gefahr zu spät und geriet bei seinem Fluchtversuch zwischen Tür und Rahmen. Er brach sich dabei das Genick und war auf der Stelle tot. Unter derart unglücklichen Umständen kann es anstelle des Genickbruchs auch zu schweren inneren Verletzungen aufgrund der starken Quetschung kommen, die einen qualvollen Tod für einen Vogel bedeuten. Zudem kann es bedauerlicherweise geschehen, dass ein Vogel auf diese Weise geköpft wird.


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